Predigt: Johannes 17,1-26

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DAS HOHEPRIESTERLICHE GEBET JESU

„Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“
(17,1b)

Heute besteht unser ganzer Text aus Jesu Gebet. Mehrere Stellen in der Bibel berichten über Jesu Gebete. In Markus Kap. 1, erfahren wir, dass Jesus morgens noch vor Tagesanbruch aufstand und an eine einsame Stätte ging und betete. Das Lukasevangelium berichtet, dass Jesus manchmal die ganze Nacht über im Gebet zu Gott blieb. Jesu Gebetsleben war sehr beeindruckend, sodass auch die Jünger bald den Wunsch bekamen, von ihm beten zu lernen. Unser heutiger Text beinhaltet Jesu Gebet, das er nach dem Ende seiner Abschiedsreden an die Jünger in den Kapiteln 13-16 gebetet hat. Dieses Gebet ist nicht nur deshalb besonders, weil es das längste Gebet Jesu ist, das in der Bibel ausführlich beschrieben wird. In diesem Gebet betete Jesus als Hoherpriester stellvertretend für die Menschen in der ganzen Welt, weshalb wir es auch Jesu hohepriesterliches Gebet nennen. In diesem Gebet können wir Jesu Herzensanliegen und sein Lebensziel erfahren, die ganz im Einklang mit dem Willen Gottes stehen. Wir finden auch seinen Bericht über sein Werk, der uns lehrt, wie Jesus auf der Erde Gott gedient hat. Lasst uns dieses Gebet betrachten und lernen, mit welchen Anliegen Jesus gebetet und gelebt hat! Teil 1: Jesus betet für die Verherrlichung Gottes (1-5) Lesen wir gemeinsam Vers 1: „So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist das: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“ Hier bezieht sich „die Stunde“ auf die Zeit seines Leidens und Sterbens. Schon mehrfach hat Jesus über diese besondere Zeit gesprochen (2,4; 7,6; 12,23). In Kap. 7 hat Jesus gesagt: „Meine Zeit ist noch nicht da“ (7,6). Später sagte er: „Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde“ (12,23). Jesus lebte nach dem Zeitplan Gottes. Insbesondere hatte er ein klares Bewusstsein für die Zeit, in der er leiden und sterben sollte. Diese Stunde war nun gekommen. Schon bald würde er verhaftet und vor den Hohen Rat gestellt werden, woraufhin unsägliches Leiden beginnen würde. Niemand will gerne leiden; die meisten versuchen, dem Leiden auszuweichen. Aber Jesus versuchte nicht, der Stunde des Leidens auszuweichen; auch betete er nicht dafür, dass Gott die Stunde des Leidens verschieben oder ganz wegnehmen möge. Vielmehr betete Jesus: „Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“ Das griechische Wort für „verherrlichen“ bedeutet so viel wie ehren, verklären oder offenbaren. Jesus betete also dafür, dass Gott ihn offenbaren würde, indem er nach Gottes Plan sterben würde, damit er Gott dadurch verherrlichen würde. Jesus würde Gott durch seinen Tod verherrlichen, weil sein Tod zur Sühnung unserer Sünde der entscheidende Akt in Gottes Werk zur Erlösung der Welt war, den Gott schon lange prophezeit hatte. Jesu Tod am Kreuz würde Gott verherrlichen, weil dadurch Gottes inständiger Wille, die Sünder zu erretten, offenbart würde. Daher betete Jesus dafür, dass er nun, da die Stunde gekommen war, Gott durch seinen Tod verherrlichen möge. In diesem Gebet erkennen wir Jesu klares Lebensziel. Jesus lebte ganz für die Verherrlichung Gottes. Weil Jesus mit erster Priorität Gott verherrlichen wollte, betrachtete er seine jeweilige Situation nicht ichbezogen, zum Beispiel wie viel er dabei leiden müsste oder ob er die Leiden ertragen könnte, sondern unter dem Aspekt, wie er darin Gott verherrlichen könnte. Deshalb betete Jesus auch nicht für seine menschlichen Wünsche, sondern betete dafür, dass er Gott verherrlichen könnte, auch wenn es seinen Tod am Kreuz bedeutete. Jesus betete so, weil er sein Lebensziel festhielt, Gott um jeden Preis zu verherrlichen. Wir haben als Christen auch jeder den Wunsch, Gott zu verherrlichen. Aber wir können oft nicht wirklich nach diesem Wunsch leben, weil wir gleichzeitig auch eigene ichbezogene Wünsche und Interessen haben, die dem Interesse Gottes entgegenstehen. Wir sollen von Jesus lernen, der für die Verherrlichung Gottes betete und lebte. Gott zu verherrlichen, ist unser wahres Lebensziel. Darum lehrt Jesus uns auch im Vaterunser, mit Priorität für dieses Anliegen zu beten. „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt“ (Mt 6,9). Möge Gott uns helfen, unser Lebensziel zu prüfen und uns einen neuen Wunsch geben und helfen, zur Verherrlichung Gottes zu beten und zu leben, auch wenn es mit Leiden verbunden ist! Was wusste Jesus, als er für seinen Tod zur Verherrlichung Gottes betete? Betrachten wir Vers 2: „denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.“ Durch Jesu Tod kommt ein gewaltiger Segen zu uns Menschen, weil Jesus von Gott die Macht bekommen hat, den Menschen das ewige Leben zu geben. Alle Menschen haben ein Verlangen nach dem ewigen Leben. Aber kein Mensch auf der Welt hat die erforderliche Macht, den Tod zu überwinden und ewig zu leben, unabhängig wie intelligent, wie reich oder wie einflussreich er in der Gesellschaft ist. Es erfordert göttliche Macht, damit sterbliche Menschen den Tod überwinden und ewig leben können. Doch der allmächtige Gott hat Jesus Macht über alle Menschen gegeben, dass er allen das ewige Leben gebe, die Gott ihm gegeben hat. Diese gewaltige Macht Jesu wird schon in Kap. 1 bezeugt: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“ (1,12). Jesu Tod am Kreuz verherrlicht Gott, weil er anschließend nach seiner Auferstehung mit seiner Macht allen, die an ihn glauben, das ewige Leben gibt. Was ist aber das ewige Leben? Es gibt viele Vorstellungen über das ewige Leben. Manche stellen es sich langweilig vor, ewig zu leben, und haben keinen großen Wunsch danach, weil sie sich das ewige Leben als eine Fortsetzung des jetzigen Lebens vorstellen. Aber was ist das ewige Leben wirklich? Jesus sagt: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (3). Das ewige Leben ist nicht einfach eine Fortsetzung des Lebens hier. Die Bibel lehrt uns, dass wir in einem neuen, kräftigen und herrlichen Leib in die himmlische Stadt ziehen werden, deren fantastische Schönheit in den letzten beiden Kapiteln der Bibel beschrieben wird. Aber das wohl Großartigste am ewigen Leben ist, dass wir dann den wahren Gott und Jesus wirklich erkennen und immer tiefer erkennen werden. Die Erkenntnis Gottes und Jesu ist höher als der höchste Berg und weiter als das Universum, sodass wir täglich neu über Gott begeistert sein und spontan seine Herrlichkeit preisen werden. Dieses herrliche ewige Leben gibt uns gerade Jesus, der die Macht hat, es allen zu geben, die Gott ihm gegeben hat und die an seinen Namen glauben. Betrachten wir auch Vers 4: „Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.“ Hier legt Jesus vor Gott Bericht über sein Leben auf der Erde ab. Jeder muss in seinem Leben immer wieder Berichte ablegen – Kinder zu Hause und in der Schule, Studenten an der Uni oder Angestellte am Arbeitsplatz. Aber der mit Abstand wichtigste Bericht ist der, den wir am Ende unseres Lebens vor Gott ablegen müssen. Was werden wir einmal Gott über unser Leben berichten? Jesus konnte am Ende seines Lebens auf der Erde sagen, dass er Gott verherrlicht und das Werk vollendet hatte, das Gott ihm gegeben hatte. Diese Worte zeigen uns, dass Jesus nicht nur den Wunsch gehabt hatte, Gott zu verherrlichen, sondern dass er mit einer klaren Orientierung gelebt hat, wie er Gott verherrlichen soll. Und wir sehen, dass Jesus dies ganz entschlossen getan und alles dafür eingesetzt hat, sodass er trotz der kurzen Zeit seines Wirkens auf der Erde seine Mission erfüllen und Gott verherrlichen konnte. Es ist gut, wenn wir den Wunsch haben, Gott zu verherrlichen. Aber es ist wichtig, dass wir auch wissen, wie wir Gott in unserem Leben Gott verherrlichen können. Wir können vieles für Gott tun. Aber Jesu Gebet zeigt uns, dass wir Gott vor allem dadurch verherrlichen sollen, dass wir die Aufgabe, die er uns gegeben hat, tun und vollenden. Möge Gott jedem von uns helfen, uns der Aufgabe klar bewusst zu sein, die er uns gegeben hat! Möge er uns helfen, gezielt dafür zu leben, diese Aufgabe zu tun und zu vollenden und Gott dadurch zu verherrlichen! Worum bat Jesus den Vater danach? Betrachten wir Vers 5: „Und nun Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Nachdem Jesus Gottes Werk vollendet hatte, bat er den Vater freimütig darum, ihm die Herrlichkeit wieder zu geben, die er noch vor der Erschaffung der Welt bei ihm gehabt hatte. Diese Herrlichkeit hatte Jesus freiwillig verlassen, um Gottes Erlösungswerk auf der Erde zu dienen, wofür er alle möglichen Leiden und Probleme auf sich nahm. Sein Leiden würde nun am Kreuz seinen Höhepunkt haben. Aber Jesus wusste, dass Leiden und Tod nicht das Ende sind. Jesus blickte voraus auf seine Auferstehung und betete dafür, dass Gott ihm wieder die Herrlichkeit geben würde, die er ursprünglich bei ihm gehabt hatte. Jesus konnte sich für Gottes Werk hingeben und es vollenden, weil er wusste, dass Gott ihm nach allem Leid die Herrlichkeit geben würde. Möge Gott auch uns helfen, Jesus zu folgen und Gott zu verherrlichen und sein Werk zu vollenden, indem wir glauben, dass er uns nach allem Leid die Herrlichkeit geben wird. Teil 2: Jesus betet für seine Jünger (6-19) In diesem Abschnitt berichtet Jesus darüber, wie er dem Werk Gottes gedient hat, und betet für seine Jünger. Betrachten wir die Verse 6 und 7: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.“ Hier zeigt sich, was das Werk war, für das Jesus sich auf der Erde eingesetzt hatte, um es zu vollenden. Jesus hatte den Jüngern, geholfen, Gott zu erkennen und auch ihn zu erkennen; kurz gesagt hatte er dem Werk der Jüngererziehung gedient. Es ist nicht leicht, Menschen zu helfen, Gott und Jesus Christus zu erkennen, weil diese Erkenntnis nicht natürlich ist und weil jeder viele eigene Gedanken hat. Wie konnte Jesus dieses Werk dennoch erfolgreich tun? Im Vers 8 sagt Jesus, dass er den Jüngern die Worte gegeben hat, die er vom Vater empfangen hatte. Gottes Worte allein haben die Kraft, uns Menschen die geistlichen Augen für die unsichtbare, geistliche Wirklichkeit zu öffnen, sodass wir Gott und Jesus als Gottes Sohn erkennen können. Darum lehrte Jesus die Jünger vor allem Gottes Worte, damit sie die geistliche Welt erkennen könnten. Wie wir wissen, waren die Jünger gewöhnliche Menschen und konnten die geistlichen Dinge nur langsam begreifen. Trotzdem lehrte Jesus die Jünger geduldig Tag für Tag und Woche für Woche die Worte, mit der Zuversicht, dass sie dadurch bestimmt eines Tages ihn als den Sohn Gottes erkennen und ein verändertes Leben als Evangeliumsarbeiter führen könnten. Obwohl Jesus seine meiste Zeit und Kraft darauf verwendete, die Jünger zu lehren, sah es lange so aus, als ob Jesu Mühe und die Verwendung seiner kostbaren Zeit für diese wenigen Männer vergeblich wäre. Aber Vers 8 zeigt, dass Jesu Werk der Jüngererziehung mit den Worten Gottes schließlich doch sehr erfolgreich war. „Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Jesu Jünger nahmen die Worte Jesu an und gelangten schließlich doch zur entscheidenden Erkenntnis. Die Apostelgeschichte, die Briefe und auch unsere Geschichte zeigen, dass die Jünger nach Jesu Auferstehung tatsächlich zu großartigen geistlichen Persönlichkeiten verändert, die Gottes Herz und sein Werk tief verstehen und bis heute unzählige Menschen zum Glauben und zum ewigen Heil führen konnten. Preiset Jesus, der das Werk der Erziehung seiner Jünger vollendet hat! Die meisten von uns haben auch das Werk der Jüngererziehung als ihre Aufgabe von Gott angenommen. Wir beten und laden Studenten ein und bemühen uns, ihnen beim Bibelstudium Gottes Worte zu geben, sodass sie Gott und Jesus Christus erkennen können. Oft zeigt dieses Werk lange keine sichtbaren Früchte und wir können uns leicht fragen, welchen Nutzen es überhaupt hat, dass wir uns so viel darum bemühen. Doch Jesu großartiger Erfolg beim Werk der Jüngererziehung lässt uns hoffen, dass das Werk der Jüngererziehung durch die Worte Gottes schließlich ein großer Erfolg sein wird. Möge Gott jedem von uns helfen, dem Werk der Jüngererziehung treu mit Geduld und Hingabe zu dienen, bis Gott es schließlich viel Frucht bringen lässt! Betrachten wir die Verse 9-12. Obwohl es so viele Anliegen in der Welt gibt, konzentriert Jesus sein Gebet hier ganz auf die Jünger. Sie sind so kostbar, weil sie Gott gehören, der sie geschaffen und erwählt hat, und sie gehören daher auch Jesus. Jesus sagt: „Denn alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht“ (10). Weil die Jünger Gott und auch Jesus gehörten, kümmerte er sich um sie wie um einen kostbaren Schatz. Jesus ist in ihnen verherrlicht, zum einen weil die Jünger ihn als den von Gott gesandten Sohn anerkannten, zum anderen, weil an ihnen seine göttliche Geduld, Liebe und Veränderungsmacht offenbart wird. Mit welchen Anliegen betete Jesus für sie? Betrachten wir Vers 11: „Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir.“ Jesus betete dafür, dass Gott sie in seinem Namen erhalten möge, sodass sie eins wären. Bis dahin hatte sich Jesus ständig um sie gekümmert und ihnen geholfen hat, alle Versuchungen in der Welt zu überwinden und treu im Glauben zu bleiben. Doch nun würde er weggehen und sich nicht mehr so wie bisher um sie kümmern können. Darum betete Jesus dafür, dass Gott sie in seinem Namen erhalten möge, sodass sie eins seien. Hier sehen wir, dass Jesu wichtigstes Anliegen für seine Jünger war, dass sie im Glauben bleiben und eins sein sollten. Wie wir wissen waren die Jünger vom Charakter und von ihrem Hintergrund sehr verschieden. Obwohl zum Beispiel Petrus und der Verfasser Johannes beide Fischer waren, waren sie doch verschieden und konkurrierten öfter miteinander. Bartholomäus war ein rechter Israelit, in dem kein Falsch war, wohingegen zum Beispiel Matthäus als Zöllner von morgens bis abends an Geld gedacht hatte. Wie war es dann möglich, dass sie alle eins sein würden? Jesus betete dafür, dass Gott sie in seinem Namen erhalten möge, dass sie eines seien wie der Vater und der Sohn. Die Jünger konnten also, obwohl sie verschieden waren, doch in Gottes Namen eins sein, indem sie jeder in einer tiefen Beziehung zu ihm stehen und für seinen Namen leben. Aus welchem Wunsch heraus betete Jesus dies alles für seine Jünger? Vers 13 sagt: „Nun aber komme ich zu dir und rede dies in der Welt, damit meine Freude in ihnen vollkommen sei.“ Jesus betete für die Jünger mit dem Anliegen, dass seine Freude in ihnen vollkommen sein sollte. Jesus will, dass seine Jünger sich freuen, und zwar nicht mit Freude der Welt, die unrein und nicht wirklich froh macht, sondern durch seine wahre geistliche Freude. Jesus wünscht sich, dass seine Jünger diese wahre Freude in vollkommenen Maß erfahren sollte. Das würde geschehen, wenn sie jeder in Gott sind und wenn sie dadurch alle eins sind. Welches Verhältnis haben die Jünger zur Welt? Betrachten wir Vers 14: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ Die Jünger, die von Gott so sehr geliebt sind, werden von der Welt gehasst. Das liegt daran, dass die Jünger von Jesus Gottes Wort bekommen und es angenommen haben und nun auf seiner Grundlage denken, reden und leben. Die Welt bzw. die Menschen, die gerade diese Grundlage ablehnen, fühlen sich durch sie provoziert und hassen sie, so wie sie auch Jesus ohne Grund gehasst haben. Trotzdem bittet Jesus den Vater nicht darum, sie aus der Welt zu nehmen, denn wenn Gott sie aus der Welt holen würde, hätte die Welt keine Gelegenheit mehr, das Evangelium vom Heil zu erfahren und anzunehmen. Darum bittet Jesus darum, dass Gott die Jünger in der Welt vor dem Bösen bewahrt. Doch Jesus betete nicht nur für ihre Bewahrung und ihre Einheit. Wofür betete er noch für sie? In den Versen 17-19 betet Jesus auch für ihre Heiligung. Vers 17 lautet: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.“ Jesus wünscht sich für seine Jünger nicht nur, dass sie im Glauben bleiben, sondern auch dass sie geheiligt werden. Die Heiligung ist ein zentrales Anliegen Gottes für seine Kinder, wie wir gerade am vergangenen Wochenende aufgrund verschiedener Texte gelernt haben. Jesus betete für die Heiligung der Jünger, die durch das wahrhaftige Wort Gottes geschieht. Im Vers 18 sagt Jesus, dass er die Jünger in die Welt sendet. Obwohl die Welt die Jünger hasst, sandte Jesus sie im Gebet in die Welt, damit sie als seine Boten das Evangelium verkündigen und die Menschen durch sie die Gelegenheit erhalten, den wahren Gott und Jesus Christus zu erkennen und das ewige Leben zu erhalten. Im Vers 19 sagt Jesus auch, dass er sich selbst für sie heiligt, damit sie auch geheiligt seien in der Wahrheit. Wir können Jesus hier als den wahren Hohenpriester verstehen. Der Hohepriester im Alten Bund hat sich jedes Mal selbst geheiligt, bevor er vor Gott trat und das Opfer für das Volk darbrachte. Jesus heiligte sich auch selbst vor dem Opfer, das er bringen würde, wobei er selbst das Opfer sein würde. Jesus tat dies, damit auch wir in der Wahrheit geheiligt wären. In diesem zweiten Teil haben wir gesehen, dass Jesus dem Vater berichtet hat, wie er durch die Worte Gottes dem Werk der Jüngererziehung erfolgreich gedient hat und dass er für ihre Bewahrung, ihre Einheit und ihre Heiligung gebetet hat. Lasst uns im dritten Teil noch betrachten, wie Jesus für alle Gläubigen nach ihnen gebetet hat! Teil 3: Jesus betete für alle Gläubigen (20-26) Betrachten wir Vers 20. Nachdem Jesus für die Jünger gebetet hat, richtet er seinen Blick weit nach vorne in die Zukunft bis in unsere Gegenwart und betet nun auch für diejenigen, die durch das Wort der Jünger an ihn glauben werden. Jesus betete hier nun also auch für uns. Mit welchem Anliegen betete Jesus für uns und alle Christen? Vers 21 sagt: „damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ Jesus betete für die Einheit aller Christen. Dabei betete Jesus dafür, dass wir untereinander so vollkommen eins seien, wie er und der Vater eins sind. Dieses Gebetsanliegen bezieht sich auf alle Gläubigen aller Kirchen und Gemeinden, seine Verwirklichung soll konkret sicherlich zunächst in jeder einzelnen Gemeinde geschehen. Doch schon allein das ist alles andere als selbstverständlich und leicht. Wir sind in einer Gemeinde, wir haben auch eine gewisse Vertrauens- und Liebesbeziehung untereinander. Aber wir sind andererseits auch verschieden, von der Nationalität, Charakter, persönlichem Hintergrund, Interessen, Alter usw. Wie können wir dann ganz eins sein miteinander und wirklich den Leib Jesu bilden? Betrachten wir noch einmal Vers 21. Jesus betete dafür, dass wir in ihm und im Vater sein mögen, und zwar so tief und fest, wie er selbst im Vater war und der Vater in ihm. Wir können also miteinander eins sein, wenn wir jeder in Gott und in Jesus sind. In ihm können wir einander herzlich lieben und trotz unserer Verschiedenheit einander gut verstehen. In Gott können wir uns gegenseitig hoch achten und uns untereinander unterordnen, sodass es keinen Raum für Konflikte gibt. In Gott können wir einmütig miteinander beten und harmonisch miteinander zusammenarbeiten. Welche Auswirkung hat das auf die Welt? Vers 23 lautet: „ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, das du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“ Durch unsere feste Einheit sollen die ungläubigen Menschen den lebendigen Gott und Jesus als seinen Sohn erkennen. Wir sollen das Evangelium also nicht nur mit unserem Mund verkündigen, sondern insbesondere auch dadurch, dass wir in Gott eine Einheit und den Leib Jesu bilden. Mit welchen Anliegen betete Jesus schließlich für alle Christen betete? Betrachten wir Vers 24: „Vater, ich will, dass wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war.“ Dieser Vers zeigt zum einen Jesu Gottheit. Jesus wurde schon von Gott geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war. Zum anderen sehen wir hier Jesu letztes Anliegen für seine Jünger bzw. für alle Christen. Jesus betete dafür, dass wir schließlich auch im Himmel bei ihm sein und seine Herrlichkeit sehen dürfen. Obwohl wir Jesus treu nachfolgen wollen, werden wir immer wieder auch mit Anfechtungen und unserer Schwäche und Sünde konfrontiert. Manchmal kann uns angesichts unserer Schwäche die Frage kommen, ob wir wirklich seine Belohnung erlangen werden. Doch Jesus betete dafür, dass die, die Gott ihm gegeben hat, bei ihm sein und seine Herrlichkeit sehen werden. Dieses Gebet Jesu schenkt uns die wahre Hoffnung, auch einst in seiner Herrlichkeit zu sein und ewig mit ihm Gemeinschaft zu haben. Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: „Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche“ (1b). Wir haben das hohe¬priesterliche Gebet Jesu betrachtet. Jesus betete für die Verherrlichung Gottes, er betete für die Bewahrung und Heiligung der Jünger und für die Einheit aller Gläubigen. Möge Gott uns helfen, von den Gebetsanliegen persönlich zu lernen und sie uns anzueignen! Möge Gott uns helfen, ihn zu verherrlichen und das uns anvertraute Werk der Jüngererziehung durch unser einmütiges Gebet und Zusammenarbeit zu vollenden!

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