Predigt: Johannes 14,15-31

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Er wird euch einen andern Tröster geben

Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten,
und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“

(14,15.16)

Unser heutiger Text schließt sich direkt an den ersten Teil des Kapitels an, den wir letzte Woche betrachtet haben. Die Jünger waren erschrocken und traurig, weil Jesus an diesem Abend klar gesagt hatte, dass er bald weggehen würde zum Vater (13,33). Bis dahin hatten sie etwa drei Jahre lang mit Jesus zusammen gelebt, der leibhaftig unter ihnen gewesen. Jesus war für sie alles, ihr Freund, ihr Hirte, ihr Bibellehrer, ihr Vater, Ratgeber, ihr Versorger. Die Jünger genossen das einzigartige Privileg, mit dem Mensch gewordenen Sohn Gottes unmittelbar Gemeinschaft zu haben – ein Privileg, das kein Mensch in der Zeit des Alten Testaments je gehabt hatte und das auch für die Christen des Neuen Testaments in dieser Art nicht möglich sein würde. Aber nun kam die Zeit der Trennung, da Jesus zum Vater gehen würde. Für die Jünger war es unvorstellbar, wie sie ohne Jesus leben sollten, und auch nur der Gedanke daran war für sie unerträglich. Sie fühlten sich wie Waisenkinder, die auf einmal Vater und Mutter verlieren. Ihr Herz wurde von Traurigkeit und vielen Sorgen erfüllt. Dabei ging es nicht nur darum, wie es praktisch mit ihnen und mit ihrer Gemeinschaft weitergehen würde. Ihre größte Sorge war, wie sie nach Jesu Weggang geistlich überleben konnten. Wie konnten sie ohne Jesu Anwesenheit ein richtiges Glaubensleben führen? Tatsächlich ist die Situation, in die die Jünger nun kommen würden, die Situation aller Christen des Neuen Testaments, die ihr Glaubensleben ohne die physische Anwesenheit Jesu führen sollen. Das ist auch unsere Situation. Wie können auch wir unser Glaubensleben erfolgreich führen, obwohl Jesus nicht physisch unter uns ist?

Im heutigen Text erfahren wir, wie Jesus den Jüngern in dieser Zeit des Umbruchs half. Jesus gab ihnen zwei Dinge, damit sie auch ohne seine physische Anwesenheit ein erfolgreiches Glaubensleben führen konnten: Zum einen gab Jesus ihn das Wort, dass sie seine Gebote halten und so in der Liebe zu ihm bleiben sollten. Zum anderen versprach Jesus ihnen einen anderen Tröster, den Heiligen Geist, der bei ihnen bleiben und ihnen helfen würde, kontinuierlich in der Beziehung zu ihm zu leben. Was Jesus hier den Jüngern sagt, ist auch für uns in vollem Maße relevant. Lasst uns auf Jesus hören und von ihm lernen, wie wir unser Glaubensleben unter der Leitung des Heiligen Geistes erfolgreich führen können!

Teil 1: Jesus lehrt die Jünger, ihn zu lieben, und verspricht ihnen den Heiligen Geist (15-26)

Wie erwähnt, hatten die Jünger das Gefühl, dass durch Jesu Weggang ihre Beziehung zu ihm enden würde. Ihre Zukunft war voller Fragezeichen und muss ihnen wie ein schwarzes Loch vorgekommen sein. Sie wussten gar nicht, wie es weitergehen sollte. Wie half Jesus den Jüngern? Jesus gab ihnen eine klare Orientierung. Betrachten wir den Vers 15: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“ Die Liebesbeziehung zwischen Jesus und den Jüngern sollte keineswegs aufhören. Jesus gab ihnen die klare Orientierung, dass sie weiter ihn lieben sollten, indem sie praktisch seine Gebote halten würden. Als er das sagte, setzte er stillschweigend voraus, wie sehr er sie liebte. Jesus hatte sie alle bedingungslos angenommen und hat sie hingebungsvoll geliebt. Jesus hatte an diesem Abend jedem von ihnen die schmutzigen Füße gewaschen. Am nächsten Tag würde er für sie und für uns alle am Kreuz sein Leben hingeben. Die Jünger sollten Jesu Liebe erwidern, indem sie seine Gebote halten. Dadurch würde die Liebesbeziehung zwischen Jesus und ihnen auch nach seinem Weggang weiter bestehen und sich entwickeln können. Eine Liebesbeziehung ist eine wechselseitige Sache. Jesus liebt die Jünger unveränderlich. Aber es ist wichtig, dass die Jünger seine Liebe weiterhin annehmen und erwidern, damit die Liebesbeziehung weiter bestehen und sich entwickeln kann. Und die Liebe der Jünger zu Jesus soll sich im Gehorsam gegenüber seinen Geboten ausdrücken. Im Vers 21a sagt er noch deutlicher: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s der mich liebt.“ Im Vers 23 sagt Jesus es ganz unmissverständlich: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“

Warum soll sich die Liebe zu Jesus darin zeigen, dass wir seinen Worten gehorchen? Wir haben die Neigung, dass wir andere so lieben wollen, wie wir wollen. Sogar Gott wollen wir so „lieben“, wie wir es uns vorstellen bzw. wie wir es selbst wollen. Aber wahre Liebe orientiert sich nicht an dem eigenen Wunsch oder Vorstellung, sondern an dem, was der andere möchte. Wenn ein Kind zu seiner Mutter sagt: „Mama, ich hab dich lieb, du bist die beste Mama der Welt!“, dann aber von morgens bis abends nicht tut, was die Mutter ihm gesagt hat, was für eine Liebe ist das? Wir verstehen doch die Richtigkeit von Jesu Worten hier. Wenn wir Jesus wirklich lieben, werden wir seine Gebote halten und damit das tun, was er will, weil wir ihn ehren und erfreuen wollen. Dieses Wort zeigt uns den Maßstab für unsere Liebe zu Jesus. Es ist leicht zu sagen, dass wir Jesus lieben. Wir können auch leicht von uns denken, dass wir Jesus vom Herzen sehr lieben würden. Aber die tatsächliche Größe unserer Liebe zu Jesus können wir daran messen, in welchem Maße wir im Alltag seinen Worten gehorchen. Wir sollen Jesus nicht bloß theoretisch im Kopf oder im Gefühl lieben, sondern praktisch und real, indem wir seinen Worten gehorchen.

Dieses Wort schenkt uns Orientierung, wie wir inmitten unseres Lebens in dieser Welt Jesus lieben und in der Liebesbeziehung zu ihm leben können. Wir leben in verschiedenen Lebenssituationen, die sich häufig ändern und viele Dinge von uns verlangen. Manchmal werden auch wir wie hier die Jünger orientierungslos, vielleicht weil wir uns zu sehr mit äußeren oder inneren Problemen beschäftigt haben. Dann kann es auch uns unklar werden, wie es überhaupt weitergehen soll, wie wir im Glaubensleben weitermachen können. Jesus sagt auch zu uns: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“ Wir sollen mit dem anfangen, was Jesus uns schon gegeben hat, nämlich mit seinen Worten. Wir sollen ungeachtet unserer Situation an Jesu Liebe zu uns denken und neu damit anfangen, seinen Worten praktisch zu gehorchen. Damit tun wir von uns aus einen wichtigen Schritt, dass unsere Liebesbeziehung zu Jesus erneuert wird und wir seine Hilfe empfangen können.

Was versprach Jesus den Jüngern, nachdem er sie gelehrt hatte, ihn praktisch zu lieben? Betrachten wir die Verse 16 und 17: Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.Jesus gab den Jüngern nicht nur das Wort, dass sie ihn lieben und ihm praktisch gehorchen sollten. Jesus gibt ihnen auch die Verheißung, ihnen „einen andern Tröster“ zu senden. Im Allgemeinen ist ein Tröster jemand, der für uns da ist, um uns zu helfen, jemand der uns zuhört und uns gut versteht, uns passenden Rat, Trost und Ermutigung gibt. Bis dahin hatte Jesus sie getröstet und ihnen immer geholfen, wenn sie irgendwelche Hilfe brauchten. Jesus würde nun weggehen zum Vater, aber die Jünger würden nicht in ein Loch fallen. Denn Jesus würde ihnen einen andern Tröster senden, den Heiligen Geist, der an seiner Stelle treu bei ihnen sein und ihnen umfassend helfen würde. Er würde sozusagen Jesu leibliche Anwesenheit perfekt ersetzen. Hier lehrt Jesus uns bereits einige wichtige Dinge über den Heiligen Geist. Jesus nennt ihn den Tröster und sagt, dass er in uns ist und bei uns bleibt. Das heißt er kennt und versteht uns in vollkommenem Maße und hilft uns in umfassender Weise. Er wird uns nicht bloß für begrenzte Zeit begleiten, sondern in Ewigkeit bei uns bleiben. Was für ein Segen ist es, dass Jesus uns den Heiligen Geist gibt! Jesus gibt uns für unser Glaubensleben sein kostbares Wort. Aber das ist nicht alles. Jesus gibt uns auch den Heiligen Geist, der ständig bei uns ist und uns beim Glaubensleben in dieser Welt umfassend hilft, damit wir inmitten dieser Welt und trotz unserer Schwäche unser Glaubensleben erfolgreich führen können.

Welchen Trost gab Jesus den Jüngern noch? Betrachten wir die Verse 18-20: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.“ Eben hatte Jesus den Jüngern versprochen, ihnen den Heiligen Geist zu senden. Hier nun verspricht Jesus, dass er selbst zu ihnen kommen wird. Worauf bezog er sich dabei? Die kurze Zeit, von der er in Vers 19 spricht, weist darauf hin, dass er seinen Besuch der Jünger nach seiner Auferstehung gemeint hat. Aber die Worte „denn ich lebe und ihr sollt auch leben“ weisen darauf hin, dass Jesus auch die Zeit nach seiner Wiederkunft meint, wo er für immer zu ihnen kommt und wo sie ihn ewig sehen werden.

Betrachten wir Vers 21: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.Hier hat Jesus seine Aussage noch stärker formuliert als im Vers 15, nämlich wie ein Prinzip. Wer seine Gebote hat und sie hält, erweist sich dadurch als jemand, der Jesus wirklich liebt. Aber das bloße Bekenntnis mit unserem Mund ist zu wenig. Jesus prüft unsere Liebe zu ihm nicht an unseren Worten, sondern vor allem daran, ob und wie sehr wir seine Worte praktisch befolgen. Der Ausdruck „Wer meine Gebote hat und hält sie“ weist uns darauf hin, dass es nicht bloß darum geht, irgendwann einem Gebot zu gehorchen, das uns gerade sehr angesprochen hat; sondern wir sollen aus Liebe zu Jesus uns darum bemühen, alle seine Gebote im Herzen zu haben und sie in der jeweiligen Lebenssituation praktisch umzusetzen.

Welche gewaltige Folge wird es haben, wenn wir unsere praktische Liebe zu Jesus erweisen? Jesus verheißt, dass wer seine Gebote hat und hält, von seinem Vater geliebt wird; Gott selbst wird uns seine göttliche Liebe erweisen. Auch Jesus wird uns lieben und sich uns offenbaren. Wir werden in der seligen Gemeinschaft mit Jesus und dem Heiligen Geist leben und können in der Erkenntnis Christi und in unserer persönlichen Beziehung zu Gott unbegrenzt wachsen.

Betrachten wir Vers 22: „Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?“ Judas verstand nicht, warum sich Jesus den Jüngern offenbaren wollte, aber nicht der Welt. Seine Frage kam wohl daher, dass er selbst noch Interesse an der Anerkennung der Welt hatte, und weil er nicht die entscheidende Bedeutung der Liebe für die Beziehung zu Jesus verstand.

Wie antwortete ihm Jesus? Betrachten wir Vers 23: „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ In Bezug auf Judas’ Frage erklärt Jesus hier nochmals die Wichtigkeit der Liebe zu ihm. Zwar liebt Jesus grundsätzlich alle Menschen und will sie zur Buße und zum Leben führen. Aber Jesus offenbart sich nur denen, die bereit sind, seine Offenbarung anzunehmen. Jesus kann seine Liebe nur denen erweisen, die bereit dazu sind, seine Liebe auch annehmen und zu erwidern und so eine Liebesbeziehung zu ihm einzugehen.

Betrachten wir nochmals Vers 23. Wer Jesus liebt, wird sein Wort halten. Dieses Wort lässt keinen Raum für Ausflüchte oder Ausreden, zum Beispiel dass die äußere Situation oder unsere persönlichen Umstände uns daran hindern würden, Jesu Worten zu gehorchen. Tatsächlich gibt es fast nie ideale Umstände, in denen wir Jesus ganz leicht gehorchen können. Es gibt fast immer irgendwelche äußeren Umstände oder Hindernisse durch andere Menschen und am meisten Hindernisse in uns selbst, wegen denen der Gehorsam uns nicht ganz leicht fällt, bis hin zu dem eigentlich unglaublichen Argument, dass wir leider keine Zeit dafür hätten. Aber wer Jesus liebt, wird seine Worte halten. Das heißt, er wird alle äußeren und inneren Hindernisse überwinden und Jesu Willen tun, weil er Jesus wirklich lieb hat und ihn erfreuen will. Wir sollten nicht unsere Lebenssituation zum Vorwand nehmen, warum wir Jesus nicht gehorchen könnten. Vielmehr sollen wir unsere Liebe zu Jesus erneuern und in der Situation, in der wir gerade sind, seinen Worten gehorchen und ihn so praktisch lieben.

Betrachten wir noch einmal den Vers 23. Wenn wir Jesus durch unseren Gehorsam gegenüber seinem Wort lieben, wird der Vater uns lieben und der Vater und Jesus werden zu uns kommen und Wohnung bei uns nehmen. Was für eine großartiges Wunder ist es, dass Gott in uns wohnt! Dass Gott Wohnung bei uns nehmen wird, ist die Erfüllung von Gottes grundlegenden und wichtigsten Wunsch gegenüber uns Menschen. Gott will bei uns Menschen wohnen und so mit uns intensiv Gemeinschaft haben. Gott ließ die Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten die Stiftshütte bauen und sagte: Sie sollen mir ein Heiligtum bauen, dass ich unter ihnen wohne. Doch die Gemeinschaft Gottes mit den Israeliten war wegen ihrer Sünde ständig gestört und beeinträchtigt. Schließlich sandte Gott seinen Sohn in die Welt. Die Stelle in Joh 1,14 sagt darüber: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Jesus kam und wohnte bei den Jüngern, sodass sie seine Herrlichkeit als Gottes Sohn sehen konnten. Doch diese Gemeinschaft Jesu mit Menschen auf der Erde war zeitlich und zahlenmäßig sehr beschränkt. Jesus würde nun zurück zum Vater gehen. Aber deshalb würde die schöne Gemeinschaft Jesu mit den Menschen nicht zu Ende sein. Jesus verheißt hier den Jüngern und allen Gläubigen des Neuen Testaments, dass er zu uns kommen und bei uns wohnen wird, wenn wir seine Worte halten. Was für eine große Bedeutung hat es, Jesu Worte zu haben und ihnen zu gehorchen! Was für ein riesiges Privileg ist es, dass Gott durch den Heiligen Geist in uns wohnt! Aber das ist doch wahr. Die Stelle in 1. Kor 3,16 sagt: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ Gott wohnt in uns durch den Heiligen Geist. Wir dürfen und sollen uns dieser Tatsache bewusst sein und sollen ihn achten und uns von ihm leiten lassen.

Betrachten wir auch die Verse 24-26: Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Hier spricht Jesus darüber, was es bedeutet, wenn jemand seinen Worten nicht gehorcht. Jesu Worten nicht zu gehorchen, ist ein Zeichen dafür, dass jemand Jesus nicht liebt. Das ist eine sehr ernste Sache, weil das Wort, das er sagt, das Wort des Vaters im Himmel ist.

Hier lehrt Jesus, was der Heilige Geist für uns tut. Er lehrt uns alles und erinnert uns an Jesu Worte. Viele Menschen halten den Heiligen Geist für eine unpersönliche Kraft, die ihnen nach ihrem Bedarf Kraft, Freude, Frieden im Herzen schenkt. Aber wie Jesus hier über den Heiligen Geist spricht, legt nahe, dass der Heilige Geist keine unpersönliche Kraft, sondern eine Person ist, in der Gott selbst in uns wirkt und zu uns spricht. Er ist unser Tröster, der uns bestens kennt und versteht und uns trösten kann. Er ist unser perfekter Bibellehrer, der uns an Jesu Worte erinnert und sie uns verstehen lehrt. Von ihm zu lernen, ist immer spannend und wird nie langweilig, weil er Gottes Worte vollkommen versteht und sie uns perfekt erklären kann. Dabei wird er nicht müde, uns zu lehren, sondern er tut dies treu und geduldig, bis er uns in alle Wahrheit leitet.

Warum ist es so wichtig, dass der Heilige Geist die Jünger begleitete und lehrte? Warum ist es wichtig, dass auch wir unter der Führung des Heiligen Geistes leben lernen? Die Jünger waren sehr vergesslich und hatten vieles noch nicht verstanden. Ebenso sind auch wir vergesslich und vergessen oft schnell, was wir etwa beim Gottesdienst oder beim Bibelstudium gelernt haben. Außerdem steckt in uns unser Ego mit seiner Begierde, die oft so stark ist, dass sie uns leicht in ihren Bann zieht und uns beim Glaubensleben ins Schleudern bringt. Wir neigen dazu, die Worte Gottes so zu verstehen wie wir wollen, und sind allzu oft versucht, einfach so zu leben, wie wir wollen, anstatt gründlich genug nach Gottes Willen zu fragen und dem zu folgen. Wenn Jesus uns nur das Wort Gottes gegeben hätten, wären wir sozusagen auf verlorenem Posten wegen unserer Vergesslichkeit, unserem Mangel an Disziplin und unserer Schwäche. Wer könnte sein Glaubensleben erfolgreich führen? Aber der Hl. Geist hilft uns nach dem Wort Gottes zu leben, indem er uns lehrt und uns an das Wort erinnert. Hier erkennen wir die mächtige Wirksamkeit und die überaus wichtige Rolle des Heiligen Geistes. Wie wichtig und kostbar ist es, dass der Heilige Geist uns treu das Wort Gottes lehrt und uns daran erinnert! Durch seine Hilfe und Leitung können wir immer neu erkennen, was der Wille Gottes ist, und neu motiviert werden, ihm zu folgen. Durch das Wirken des Heiligen Geistes können wir so trotz unserer Schwäche und Anfechtbarkeit unser Glaubensleben auf Dauer erfolgreich führen und werden in unserem Leben letztlich siegreich sein. Preiset Gott, der uns den Heiligen Geist gesandt hat!

Aber wir müssen uns auch bewusst sein, dass durch die Anwesenheit des Heiligen Geistes unser Glaubensleben nicht automatisch erfolgreich wird. Denn der Geist lehrt uns geduldig; aber wir müssen seiner Lehre auch zuhören und sie befolgen; wenn wir nicht annehmen, was er sagt, ist es vergeblich. Der Geist erinnert uns an das Wort Jesu; aber wenn wir widerstreben, wird seine Hilfe uns nichts nützen. Obwohl also der Heilige Geist der weiseste Lehrer, der beste Ratgeber und der mächtigste Helfer ist, bestimmen wir immer noch selbst den Verlauf unseres geistlichen Lebens. Der von Gott geplante Sieg geschieht nicht automatisch, sondern es kommt auf unsere persönliche Entscheidung an bzw. wie sehr wir immer neu auf den Geist hören und Jesu Worten praktisch gehorchen. Das erklärt, weshalb Jesus mehrmals sagt, dass wir seine Gebote halten sollen!

Möge Gott uns helfen, Jesus praktisch zu lieben, indem wir an seine Worte denken und ihnen gehorchen! Möge Gott uns mit dem Heiligen Geist erfüllen und uns helfen, unter seiner Leitung zu leben!

Teil 2: Jesus gibt den Jüngern seinen Frieden (27-31)

Was gab Jesus den Jüngern noch, als er zum Vater ging? Lesen wir gemeinsam Vers 27: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ Jesus gab ihnen seinen Frieden. Die Jünger würden allen möglichen Schwierigkeiten begegnen, sowohl im persönlichen Bereich ihres Glaubenslebens als auch bei der Erfüllung ihrer Aufgabe, das Werk Jesu nach seinem Weggang weiterzuführen. Aber Jesus gab ihnen seinen Frieden, der sie treu begleiten und erfüllen würde. Deshalb brauchten sie nicht zu erschrecken und sich nicht zu fürchten.

In dieser Welt werden wir immer wieder mit Situationen konfrontiert, die uns unruhig machen und uns Stress bereiten, von ganz kleinen Problemen im Studium oder Beruf oder der Familie bis zu großen Problemen, die uns nicht schlafen lassen. Als Menschen können wir viele Dinge tun, um in Ruhe und Frieden leben zu können, zum Beispiel eine sichere Arbeitsstelle ergattern, ein Sparguthaben auf der Bank anlegen oder sich eine Wohnung oder ein Haus kaufen, einen festen Partner finden usw. Aber durch diese Dinge erlangen die Menschen keinen wahren Frieden. Deshalb werden so viele Wellness-Urlaube und Kurse mit Yoga oder Meditation angepriesen, durch die die Menschen angeblich Frieden finden können. Aber hier lernen wir, dass der wahre Friede von Jesus kommt. Jesu Friede ist ganz anders als weltlicher Friede, der nur oberflächlich und brüchig ist und letztlich nicht halten kann. Jesu Friede basiert auf der festen Grundlage, dass wir durch den Glauben von Gott als seine Kinder angenommen werden. So heißt es in Römer 5,1: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“ Auf dieser Grundlage gibt Jesus uns den wahren Frieden. Der Friede Jesu ist stark und dauerhaft, weil er von Jesus selbst immer wieder erneuert wird. Der Friede Jesu wird uns treu im Leben begleiten, auch wenn wir in größte Not geraten, als ob wir im Wasser untergehen oder im Feuer verbrennen würden. Jesu Friede hilft uns, auch die Leidenszeit zu erdulden und auch dann seinen Willen zu tun.

Betrachten wir auch die Verse 28-31. Die Jünger sollten froh sein, dass Jesus zum Vater ging, weil er dort nicht mehr leiden, sondern ewig in Herrlichkeit regiert. Aber die Jünger waren zu ichbezogen und dachten nur an den Verlust, den sie durch Jesu Weggang erfahren würden. Aber Jesus wollte, dass sie dadurch nicht in Anfechtung geraten würden. Darum ließ er sie wissen, dass alles von Gott geplant war und unter seiner Kontrolle stand und nach seinem Plan vollendet würde.

Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ Möge Gott jedem von uns helfen, Jesus praktisch zu lieben und unter der Leitung seines Heiligen Geistes ein gesegnetes Glaubensleben zu führen! Möge Jesus uns mit seinem Frieden erfüllen!

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