Predigt: Richter 1,1-3,6

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Gott erweckt Richter

    Wenn aber der Herr ihnen Richter erweckte, so war der Herr mit dem Richter
    und errettete sie aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte. Denn es jammerte
    den
    Herrn ihr Wehklagen über die, die sie unterdrückten und bedrängten.”

    (Ri 2,18)

Seid ihr auch gespannt auf das neue Buch „Richter“, das wir ab heute betrachten wollen? Durch diese Buch haben wir die Gelegenheit, Gottes Wirken in einer schwierigen Phase der Geschichte seines Volkes durch einzelne Personen kennen zu lernen. Wir werden an den nächsten sieben Sonntagen sehen, dass es sich dabei nicht einfach um gewöhnliche Richter handelt, die Tag für Tag im Gerichtssaal Streitfälle prüfen und beurteilen. Vielmehr waren die Männer und Frauen, die Gott in jener Zeit als Richter berief, auch mutige Helden, geistliche Leiter und Hirten des Volks. Lasst uns heute kennen lernen, in was für einer Zeit Gott dem Volk Richter erweckte und wozu er sie gebrauchte! Möge Gott uns auch helfen, die Bedeutung seines Wortes für uns heute zu verstehen!

Teil 1: Erfolg und Misserfolg bei der Eroberung des Landes (1,1-2,10)

In welcher Zeit begann die Zeit der Richter? Der Vers 1 beginnt mit den Worten „Nach dem Tod Josuas …“ Die Israeliten waren aus Ägypten ausgezogen und nach 40 Jahren Wüstenwanderung unter der Leitung von Josua ins Land Kanaan eingezogen, das Gott ihren Vätern zu geben versprochen hatte. Dort hatten sie unter Josuas Leitung die mächtigen Könige besiegt und ihre Gebiete erobert. Aber es gab noch viele weitere Städte und Gebiete, die sie einzunehmen hatten. In dieser Situation entließ Josua jeden Stamm in sein Erbteil, damit sie es vollständig in Besitz nehmen sollten. Dann starb Josua im Alter von 110 Jahren. Das Volk hatte nun keinen Leiter mehr, der für sie betete und sie nach Gottes Willen führte.

Was taten die Israeliten in dieser Zeit? Betrachten wir Vers 1: „Nach dem Tod Josuas befragten die Israeliten den Herrn und sprachen: Wer soll unter uns zuerst hinaufziehen, Krieg zu führen gegen die Kanaaniter?“ Sie fragten Gott, welcher der zwölf Stämme zuerst hinaufziehen sollte, um die noch nicht eroberten Gebiete zu erobern. Gott gab ihnen auf ihr ernst gemeintes Gebet eine klare Antwort: „Der Herr sprach: Juda soll hinaufziehen. Siehe, ich habe das Land in seine Hand gegeben“ (2). Gott gab ihnen eine klare Orientierung und gleichzeitig die Verheißung, dass er das Land bereits in Judas Hand gegeben hatte. Eigentlich war Juda nicht der erstgeborene Sohn Jakobs, sondern stand an vierter Stelle. Aber nachdem sich die älteren Brüder Ruben, Simeon und Levi schwer versündigt hatten, behandelte Gott Juda hier wie den erstgeborenen Sohn. Juda bat Simeon darum, ihm beim Kampf zu helfen, und versprach, ihn dafür später beim Kampf in dessen Gebiet zu unterstützen.

Wie reagierte Juda auf Gottes Aufforderung und mit welchem Ergebnis? Vers 4 sagt: „Als nun Juda hinaufzog, gab der Herr die Kanaaniter und Perisiter in ihre Hände und sie schlugen bei Besek zehntausend Mann“. Juda befolgte Gottes Orientierung und konnte zahlreiche Erfolg bei der Eroberung der noch nicht eingenommenen Gebiete erleben. In ihrem ersten Kampf nahmen sie Adoni-Besek gefangen, der 70 Könige hatte verstümmeln und unter seinem Tisch Essensreste aufsammeln lassen. Durch sein Bekenntnis im Vers 7: „Wie ich getan habe, so hat mir Gott vergolten“, bezeugte er Gottes gerechte Strafe und indirekt, dass es sich bei dem Eroberungskampf um Gottes Gericht an den Kanaanitern handelte, die sich auch nach über 400 Jahren weigerten, sich von ihren Sünden zu bekehren. Nach dem Sieg über Adoni-Besek eroberte Juda die befestigte Stadt Jerusalem. Danach kämpfte Juda gegen die Kanaaniter auf dem Gebirge und im Südland und eroberten Hebron. Ebenfalls weit im Süden lag die Stadt Debir. Vermutlich war diese Stadt stark befestigt, und es war schwer, sie zu erobern. Da versprach Kaleb, dass der Eroberer dieser Stadt seine Tochter Achsa heiraten dürfe. Von diesem Versprechen besonders angespornt, eroberte sein Neffe Otniel die Stadt und durfte daraufhin tatsächlich Kalebs Tochter heiraten; so konnte er einen doppelten Erfolg erleben. Im Vers 17 wird die Eroberung der Stadt Horma berichtet.

Wieso war Juda bei der Eroberung seines Gebiets so erfolgreich? Man könnte sich viele Gründe vorstellen, zum Beispiel weil sie hervorragende Kämpfer hatten, weil sie vom Stamm Simeon unterstützt wurden, weil sie alles für den Sieg einsetzten. Aber den eigentlichen Grund für ihren Erfolg finden wir im Vers 4 und im Vers 19a. Dort lesen wir: „Dennoch war der Herr mit Juda“. Gott war mit Juda. Sie kämpften nicht einfach nur mit ihrer eigenen Kraft und Fähigkeit; vielmehr kämpften sie mit Gott, im Vertrauen auf ihn und im Gehorsam gegenüber seiner Orientierung. Zwar war auch ihr Glaube und Gehorsam nicht vollkommen, denn sie eroberten nicht die Städte der kampfstarken Philister im Gazastreifen (18). Aber dies war die einzige Ausnahme, sodass Gott dennoch mit ihnen sein konnte. Gott segnete ihren Glaubensgehorsam und gab ihnen den Sieg.

Ähnliches erfahren wir im Vers 22 vom Stamm Josef: „Auch das Haus Josef zog hinauf nach Bethel, und der Herr war mit ihnen.“ Bethel war eine Stadt, die so gut befestigt war, dass sie für die Israeliten uneinnehmbar erschien. Aber die Israeliten vom Stamm Josef konnten auch die gut befestigte Stadt erobern, weil Gott mit ihnen war.

Während das Kapitel 1 über Juda und Josef berichtet, dass Gott mit ihnen war und ihnen Erfolg gab, erfahren wir über die anderen Stämme nicht, dass Gott mit ihnen gewesen wäre – und auch nichts von Erfolg. Daher ist anzunehmen, dass diese Stämme nicht im Vertrauen auf Gott, sondern im Vertrauen auf ihrer eigene Kraft und Fähigkeit versuchten, ihre Gebiete zu erobern. Anders als bei Juda und Josef wird bei diesen Stämmen nicht über Erfolge und Siege berichtet, sondern ununterbrochen über Misserfolge und Gebiete, die sie nicht erobern konnten. So heißt es zum Beispiel im Vers 21: „Aber Benjamin vertrieb die Jebusiter nicht, die in Jerusalem wohnten, sondern die Jebusiter wohnten bei denen von Benjamin in Jerusalem bis auf diesen Tag.“ Die Verse 27-36 sind eine fast ununterbrochene Aufzählung von Städten und Gebieten, die die Israeliten nicht eroberten und aus denen sie die heidnischen Einwohner nicht vertrieben.

Was sollen wir durch diese Tatsachen lernen? Zum einen lernen wir, dass Gottes Wille nicht automatisch geschieht, sondern durch den Glauben und Gehorsam von uns Menschen, und zwar entsprechend dem Maß unseres Glaubensgehorsams. Gott hatte schon durch Mose vielfach erklärt, dass es sein Wille war, dass die Israeliten das ganze Land Kanaan einnehmen und dort seinen vollen Segen genießen sollten. Aber Gott ließ seinen Willen nicht automatisch geschehen, sondern die Israeliten sollten darum kämpfen. Und wir sehen hier klar, dass sie diesen Segen tatsächlich nur in dem Maße erlangten, wie sie im Glauben darum kämpften. – Es ist der erklärte Wille Gottes, dass sein Reich in uns und in der ganzen Welt kommen soll. Manchmal mögen wir uns fragen, warum wir dann dafür beten und unsere Zeit, Kraft und Mühe dafür einsetzen sollen, dass Gottes Reich in uns und in unseren Mitmenschen kommt, wenn Gott das sowieso will und es bewirken kann. Aber Gott lässt seinen Willen nicht einfach automatisch geschehen, sondern er will sein Reich gerade dadurch in uns und in unseren Mitmenschen kommen lassen, dass wir mit dem Gebet und dem Wort Gottes dafür geistlich kämpfen.

Zum andern lernen wir dadurch die einfache Wahrheit, dass wir nur erfolgreich und siegreich sein können, wenn Gott mit uns ist. Das gilt für alle Bereiche unseres Lebens – in unserem Kampf um den Sieg im Studium, im Berufsleben, im Familienleben, insbesondere im Kampf um ein Leben, das Gott gefällt, im Kampf gegen die Sünde, im Kampf um dem Erfolg bei unserer Aufgabe, Menschen zum Glauben und zur Jüngerschaft Jesu zu führen. Gott gibt uns Sieg und Erfolg, wenn er mit uns ist. Entscheidend für alle Lebensbereiche ist also, ob wir so im Glauben und Gehorsam leben, dass Gott mit uns sein und uns segnen kann. Möge Gott uns helfen, nicht durch Unglauben ohne Gott zu kämpfen und viele Niederlagen zu erfahren, sondern durch Glauben und Gehorsam mit Gott zu kämpfen und von ihm Erfolg und Sieg zu bekommen!

Aus welchen Gründen hatten die Israeliten wohl viele Städte nicht erobert? In unserem Text finden wir vor allem zwei Hinweise dazu. Zum einen erwähnt Vers 19b die eisernen Wagen der Kanaaniter und Vers 34 indirekt die Stärke der Amoriter. Sie ließen sich also von der militärischen Stärke der Feinde beeindrucken und brachten nicht genug Glauben und Mut auf, sie durch Gottes Hilfe zu vertreiben. Ein anderes Motiv wird durch die Tatsache deutlich, dass sie selbst dann, als sie stark genug geworden waren, die Feinde nicht vertrieben, sondern sie fronpflichtig machten (28). Dies zeigt, dass sie nicht allein danach strebten, Gott zu ehren und seinen Willen zu tun, sondern pragmatisch auch ihren eigenen Vorteil suchten. Daher wollten sie die übrig gebliebenen Kanaaniter lieber zum Holzhacken und zum Wasserschöpfen verpflichten, anstatt sie nach Gottes Anweisung zu vertreiben. Auf diese Weise ließen sie sich von ungeistlichen Gedanken und ihrer eigenen Bequemlichkeit dazu verleiten, Gottes Wort zu relativieren und ihm ungehorsam zu werden. Bestimmt dachten sie dabei, dass ihr Kompromiss mit Gottes Gebot harmlos wäre und keine nennenswerten Folgen haben würde. Aber Gott sah das ganz anders.

Denn was sagte Gott über ihr Verhalten? Betrachten wir Kap. 2,1-2: „Es kam aber der Engel des Herrn herauf von Gilgal nach Bochim und sprach: Ich habe euch aus Ägypten herauf­geführt und ins Land gebracht, das ich euren Vätern zu geben geschworen habe, und gesprochen, ich wollte meinen Bund mit euch nicht brechen ewiglich. Ihr aber solltet keinen Bund schließen mit den Bewohnern dieses Landes und ihre Altäre zerbrechen. Aber ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht. Warum habt ihr das getan?“ Gott tadelte sie durch seinen Boten sehr. Er erinnerte sie an Gottes Gnade, dass er sie aus Ägypten befreit und in das verheißene Land gebracht hatte. Er erinnerte sie auch an den Bund, den er mit ihnen geschlossen hatte und den Gott ewiglich halten wollte, wenn sie ihm nur gehorchten. Aber sie hatten Gottes Gnade vergessen und seinen Bund leichtfertig übertreten, indem sie sich entgegen der Anweisung Gottes mit den Bewohnern des Landes Bündnisse schlossen und viele ihrer Altäre nicht zerbrachen. Entgegen ihrer eigenen Einschätzung betrachtete Gott ihren Ungehorsam als schwere Sünde, durch die sie seine Gnade und seinen Bund praktisch ignorierten.

Welche Folgen würde ihr Ungehorsam haben? Betrachten wir Vers 3: „Da sprach ich: Ich will sie nicht vor euch vertreiben, damit sie euch zum Fangstrick werden und ihre Götter zur Falle.“ Gott würde ihre Feinde nicht mehr vor ihnen vertreiben. Sie würden ihnen zum Fangstrick und ihre Götter ihnen zur Falle werden. Ein Fangstrick ist ein scheinbar harmloses Seil. Aber wenn ein Tier dort hineintritt, kann es sich nicht mehr daraus befreien und ist dem Jäger schutzlos ausgeliefert. Ein Fangstrick funktioniert so gut, dass man ihn heute noch benutzt und damit sogar Elefanten fängt. Als die Israeliten in etlichen Städten Kanaaniter übrigließen, hielten sie das für eine harmlose Sache. Aber in Wirklichkeit hatten sie sich dadurch selbst einen Fangstrick ausgelegt, der sich bald immer mehr zuziehen würde. Sie hatten sich eine Falle gebaut, in der sie und ihre Kinder bald gefangen würden.

Wie reagierten sie auf die Worte des Engels? Die Verse 4 und 5 sagen: „Und als der Engel des Herrn diese Worte zu ganz Israel geredet hatte, erhob das Volk seine Stimme und weinte. Und sie nannten die Stätte Bochim und opferten dort dem HERRN.“ Das Volk weinte. Sie weinten, weil sie so leichtfertig Gottes Bund ignoriert und seine Anweisung nur teilweise befolgt hatten. Sie weinten wohl vor allem, weil sie erkannten, dass sie durch ihren Ungehorsam viel von dem Segen, den Gott ihnen geben wollte, verloren hatten. Sie weinten an diesem Tag so viel, dass sie danach die Stätte „Bochim“ nannten, was „Weinen“ bedeutet. Aber wegen seiner Sünde zu weinen ist nicht gleich­bedeutend damit, dass man vor Gott für seine Sünde Buße tut und seine Einstellung und sein Verhalten wirklich verändert. Das können wir im nächsten Abschnitt sehen.

Betrachten wir die Verse 6-10. In einer Art Rückblick erfahren wir zunächst, dass das Volk Israel Gott diente, solange Josua lebte, und auch danach noch, solange die Ältesten aus der zweiten Generation noch lebten, die alle die Zeichen gesehen hatten, die Gott an Israel getan hatte. Der Glaube derjenigen, die selbst gesehen hatten, wie Gott das Volk aus der Hand des Pharao befreit hatte, wie er das Schilfmeer geteilt und danach das Volk vierzig Jahre lang in der Wüste mit Manna versorgt hatte, hatte so einen starken geistlichen Einfluss, dass das ganze Volk einschließlich der nächsten Generation Gott diente. Doch was passierte, als Josua und auch die anderen Männer und Frauen des Glaubens aus dieser Generation starben? Vers 10 sagt: „Als auch alle, die zu der Zeit gelebt hatten, zu ihren Vätern versammelt waren, kam nach ihnen ein anderes Geschlecht auf, das den Herrn nicht kannte noch die Werke, die er an Israel getan hatte.“ Als die zweite Generation nicht mehr da war, stellte sich heraus, dass die neue Generation keinen persönlichen Glauben an Gott gelernt hatte. Wie war es dazu gekommen? Wir erfahren hier nichts über die Gründe. Vielleicht waren die Eltern mit der Eroberung des Landes und mit dem Leben in der neuen Umgebung so beschäftigt, dass sie sich wenig Zeit dafür nahmen, ihren Kindern ihren Glauben an Gott zu vermitteln. Bestimmten haben sie ihren Kindern öfter von Gott und seinem mächtigen Wirken erzählt. Aber für die jungen Leute waren die Erzählungen ihrer Eltern wohl eher alte Geschichten, die sie nicht wirklich zu Herzen nahmen. Jedenfalls hatten sie keine persönliche Beziehung zu Gott und kein Bewusstsein dafür, dass Gott die Geschichte bestimmt und auch ihr Leben lenken und leiten wollte. Eigentlich sollten sie ein Königreich von Priestern sein und guten geistlichen Einfluss auf die Welt ausüben. Aber ohne persönlichen Glauben und Geschichtsbewusstsein hatten sie keinen geistlichen Halt und keine Kraft, sodass sie leicht von der Situation und von der Versuchung beeinflusst wurden, anstatt sie zu überwinden. Welche verheerenden Folgen das hatte, werden wir gleich im zweiten Teil sehen.

Doch bevor wir darauf eingehen, wollen wir uns fragen, was wir von diesem Abschnitt (2,1-10) lernen können. Wenn wir über den Ungehorsam der zweiten Generation bei der Eroberung des Landes (1-5) und über den Unglauben der dritten Generation (6-10) nachdenken, können wir feststellen, dass sie im Grund an demselben Problem litten: Sie blieben beide nicht dankbar in Gottes Gnade und in seinem Bund. Die zweite Generation brach den Bund, indem sie Gottes Wort leichtfertig nicht gehorchten und viele Kanaaniter im Land übrig ließen. Die dritte Generation hatte keinen persönlichen Glauben und ging Gottes Bund erst gar nicht richtig ein. Als Folge davon fielen sie ganz vom Glauben ab, als ihre Eltern und deren Generation starb.

Hier können wir lernen, wie wichtig es ist, dass wir jeder eine persönliche Beziehung zu Gott haben und treu darin leben. Insbesondere ist es wichtig, dass die neue Generation nicht nur vieles über Gott weiß, sondern jeder Gottes Gnade persönlich annimmt und ihn selbst kennt und treu in der persönlichen Beziehung zu ihm leben lernt. wie können wir aber eine persönliche Beziehung zu Gott haben und darin leben? Wir können eine persönliche Beziehung zu Gott haben, indem wir sein Wort persönlich annehmen und ihm gehorchen. Daher ist es wichtig, dass wir, wenn wir Stellungnahme zu einem Bibeltext schreiben, ihn nicht nur allgemein verstehen, sondern die Bedeutung für uns selbst finden und annehmen bis dahin, dass wir ihm in unserem praktischen Leben gehorchen. Darüber hinaus können wir in der persönlichen Beziehung zu Gott bleiben, wenn wir morgens mit Gott eine tiefe Gemeinschaft pflegen und uns neu an seine Gnade erinnern, ihm dafür danken, auf sein Wort hören und für seinen Willen beten, bis dass wir tagsüber danach leben können und er so mit uns sein kann. Möge Gott jeden von uns durch die Gebetsstunde am frühen Morgen reich segnen und uns helfen, treu in der persönlichen Beziehung zu Gott zu leben!

Teil 2: Wenn aber der Herr ihnen Richter erweckte (2,11-3,6)

Wie verhielt sich die neue Generation der Israeliten, als die, die Gottes mächtige Werke an Israel gesehen hatten, gestorben waren? Betrachten wir die Verse 11-13: „Da taten die Israeliten, was dem Herrn missfiel, und dienten den Baalen und verließen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, und folgten andern Göttern nach von den Göttern der Völker, die um sie her wohnten, und beteten sie an und erzürnten den Herrn. Denn sie verließen je und je den Herrn und dienten dem Baal und den Astarten.“ Ohne persönlichen Glauben und ohne Bewusstsein für Gottes Handeln in der Geschichte konnten sie nicht im Glauben bleiben, als sie mit den Versuchungen der Sünde konfrontiert wurden. Sie verließen Gott und wandten sich dem Götzendienst zu, den sie bei ihren kanaanitischen Nachbarn kennen lernten. Diese luden sie wahrscheinlich zunächst einfach zur Party ein. Erst später stellten sie fest, dass bei dieser Party auch Götzen verehrt wurden. Sicherlich wollten sie anfangs nichts damit zu tun haben. Aber auf kurz oder lang ließen sie sich dazu verführen, die Götzen auch zu verehren und sich im Herzen von Gott abzuwenden. Besonders anziehend war dabei der Baalskult, der in Kanaan besonders populär war. Die Baale wurden für Götter gehalten, die Fruchtbarkeit von Land, Vieh und Menschen schenkten. Die Israeliten waren offenbar vom Baalskult schnell begeistert, der mit sexueller Ausschweifung verbunden war.

Wie reagierte Gott auf ihren Götzendienst? Betrachten wir die Verse 14-15: „So entbrannte denn der Zorn des Herrn über Israel und er gab sie in die Hand von Räubern, die sie beraubten, und verkaufte sie in die Hände ihrer Feinde ringsumher. Und sie konnten nicht mehr ihren Feinden widerstehen, sondern sooft sie auszogen, war des Herrn Hand wider sie zum Unheil, wie denn der Herr ihnen gesagt und geschworen hatte. Und sie wurden hart bedrängt.“ Gott war über ihre Sünde sehr zornig. Die Israeliten mögen kein großes Schuld­bewusst­sein wegen ihrer Sünde gehabt haben; sie machten ja bloß, was jeder machte. Aber für Gott war ihre Sünde so schlimm, wie wenn eine Frau vor den Augen ihres Mannes mit einem anderen Mann Hurerei treibt. Gottes Zorn über ihre Sünde war so groß, dass er sie in die Hand von Räubern gab und sie in die Hände ihrer Feinde verkaufte. Gott ließ also zu, dass ihre Feinde ihnen ihr Vieh und ihr Getreide raubten, sodass sie erbärmlich hungern mussten. Gott half ihnen auch nicht mehr, wenn sie zum Kampf gegen Feinde auszogen, sondern er widerstand ihnen sogar, sodass sie jedes Mal kläglich scheitern mussten, gegen wen sie auch kämpften. Was für eine Tragödie war es, dass die Israeliten in dem Land, das sie eigentlich beherrschen und wo sie Gottes geistlichen und materiellen Segen reichlich genießen sollten, so elendig leiden mussten! Es war die Folge davon, dass sie Gottes Gnade nicht vom Herzen festgehalten und seinen Bund leichtfertig verlassen hatten. Eigentlich hätte dies der tragische Endpunkt sein müssen. Aber ab Vers 16 erfahren wir überraschend davon, wie Gott inmitten der Tragödie doch rettend eingriff.

Denn was tat Gott, als sie wegen ihrer Bedränger und Räuber jammerten und wehklagten? Betrachten wir die Verse 16-18: „Wenn dann der Herr Richter erweckte, die ihnen halfen aus der Hand der Räuber, so gehorchten sie den Richtern auch nicht, sondern liefen andern Göttern nach und beteten sie an und wichen bald von dem Wege, auf dem ihre Väter gegangen waren, als sie des Herrn Geboten gehorchten; sie jedoch taten nicht wie diese. Wenn aber der Herr ihnen Richter erweckte, so war der Herr mit dem Richter und errettete sie aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte. Denn es jammerte den Herrn ihr Wehklagen über die, die sie unterdrückten und bedrängten.“ Gott erweckte ihnen Richter.“ Diese Verse beschreiben sowohl Gottes gnädiges Eingreifen aus seiner Barmherzigkeit als auch die Hartnäckigkeit der Israeliten in ihrer Sünde. Wenn die Isareliten in ihrer selbst verschuldeten Not und Bedrängnis jammerten und wehklagten, erweckte Gott aus seinem Erbarmen heraus immer wieder Richter, die sie aus der Hand der Räuber befreiten. Sie waren meist mutige Helden, die Gott dafür gebrauchte, um die Feinde, die sie bedrängten und unterdrückten, wieder zu vertreiben. Sie halfen dem Volk nicht nur militärisch, sondern waren auch geistliche Leiter und Hirten, indem sie das Volk aufgrund der Wahrheit Gottes richteten und lehrten. Dass Gott dem Volk Richter erweckte, war also ein Ausdruck seiner großen Barmherzigkeit und seiner unzerstörbaren Liebe und Hoffnung für sein Volk. Die Richter, die Gott erweckte, waren von ihrer Herkunft, Bildung, Alter und Geschlecht unterschiedlich. Aber gemeinsam war, dass Gott jedes Mal eine einzelne Person berief und als seinen Diener aufstellte, um dem ganzen Volk geistlich und praktisch zu helfen. Dies offenbart uns Gottes Methode, seinem ganzen Volk durch einzelne Menschen zu helfen, die er dafür eigens beruft und denen er sich besonders zuwendet.

Wie reagierten die Israeliten, nachdem sie auf diese Weise Gottes Hilfe erfahren hatten? Vers 19 sagt: „Wenn aber der Richter gestorben war, so fielen sie wieder ab und trieben es ärger als ihre Väter, indem sie andern Göttern folgten, ihnen zu dienen und sie anzubeten. Sie ließen nicht von ihrem Tun noch von ihrem halsstarrigen Wandel.“ Sie bleiben für Gottes gnädiges Eingreifen nicht dankbar, sondern fielen bald wieder von Gott ab und verfielen erneut in die Sünde. Das Verhalten der Israeliten stand in krassem Widerspruch zu der Barmherzigkeit Gottes, die er ihnen durch die Richter erwies. Dies macht uns nochmals deutlich, wie wichtig es ist, dass wir treu in der persönlichen Beziehung zu Gott leben und die von ihm erhaltene Gnade dankbar festhalten.

Betrachten wir die Verse 20-22: „Darum entbrannte der Zorn des Herrn über Israel und er sprach: Weil dies Volk meinen Bund übertreten hat, den ich ihren Vätern geboten habe, und gehorcht meiner Stimme nicht, so will ich auch hinfort die Völker nicht vertreiben, die Josua übrig gelassen hat, als er starb, damit ich Israel durch sie prüfe, ob sie auf dem Wege des Herrn bleiben und darauf wandeln, wie ihre Väter geblieben sind, oder nicht. So ließ der Herr diese Völker, die er nicht in Josuas Hand gegeben hatte, übrig, ohne sie sogleich zu vertreiben.“ Hier erfahren wir von einem weiteren Beweggrund Gottes dafür, dass er die kanaanitischen Völker nicht mehr vertreiben wollte, die Josua übrig gelassen hatte. Gott wollte an diesen Völkern die Israeliten prüfen, ob sie auf dem Weg Gottes gehen würden. Anders gesagt wollte Gott dem Volk durch die fortwährende Bedrängnis durch die Kanaaniter helfen, in ihrer Entscheidung für Gott fest zu werden, anstatt leichtfertig Gott wieder zu vergessen und sich von ihm abzuwenden. Sie sollten durch die Prüfung also bewährten Glauben lernen.

Und Gott hatte noch einen anderen Beweggrund dafür, die übrigen kanaanitische Völker bei ihnen nicht zu vertreiben. Betrachten wir die Verse 1 und 2 von Kap. 3: „Dies sind die Völker, die der Herr übrig ließ – damit er durch sie Israel prüfte, alle, die nichts wussten von den Kriegen um Kanaan, und die Geschlechter Israels Krieg führen lehrte, die früher nichts davon wussten“. Gott wollte durch die Bedränger auch erreichen, dass die neue Generation, die nie hatte ernsthaft kämpfen müssen, Krieg führen lernt. Sie, die voller Selbstvertrauen waren und Gott und seine Gnade allzu leicht vergaßen, sollten dadurch ihre eigene Grenze als Menschen erkennen und lernen, praktisch auf Gott zu vertrauen und auf ihn angewiesen zu leben. Auf diese Weise verfolgte Gott auch noch in der Bestrafung seines Volkes ihre Erziehung und Veränderung, weil Gott trotz ihrer Sünde die Hoffnung für sie nie aufgab. Die Verse 3-6 zählen abschließend die Völker auf, die Gott im Land übrig ließ, und beschreibt, wie die Israeliten sich entgegen Gottes Gebot tatsächlich mit ihnen vermischten.

Lesen wir zum Schluss noch einmal das Leitwort 2,18: „Wenn aber der Herr ihnen Richter erweckte, so war der Herr mit dem Richter und errettete sie aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte. Denn es jammerte den Herrn ihr Wehklagen über die, die sie unterdrückten und bedrängten.” Wir haben heute am Beispiel der Israeliten kennen gelernt, wie wichtig es ist, dass wir jeder in einer persönlichen Beziehung zu Gott leben und in seiner Gnade bleiben, damit Gott mit uns sein kann und wir den Segen, den er uns zugedacht hat, nicht verpassen, sondern im vollen Maße empfangen können. Wir konnten insbesondere lernen, was für ein wichtiges Anliegen es ist, dass die neue Generation nicht nur theoretisch etwas über Gott weiß, sondern ihn persönlich kennt, sodass sie alle Versuchungen der Welt überwinden und Gott treu bleiben können. Wir haben schließlich auch gelernt, dass Gott einzelne Menschen als Richter erweckt hat und mit ihnen war, um durch sie das Volk aus ihrer geistlichen und praktischen Not zu erretten. Möge Gott jedem von uns helfen, eine persönliche Beziehung zu Gott zu haben und treu darin zu bleiben und zu wachsen! Möge Gott uns in unserer Zeit als Richter bzw. Hirten gebrauchen, um die jungen Menschen in unserer Stadt und in unserem Land aus ihrer geistlichen Not zu erretten!

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