Predigt: Joh 10,19-42

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Ich  gebe  ihnen  das  ewige  Leben

„und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“
(10,28)

Letzte Woche haben wir Jesus als den guten Hirten kennen gelernt. Jesus hat gesagt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (11). Jesus ist der gute Hirte, weil er uns Menschen wirklich kennt und uns auf den Weg zu einem erfüllten, glücklichen Leben führt. Vor allem hat Jesus als der gute Hirte für uns, seine Schafe, sein Leben gelassen, um uns von unserer Sünde und der Verdammnis zu retten und uns das ewige Leben zu geben. Eigentlich sollten alle Menschen, die diese Botschaft hören, Jesus als ihren guten Hirten annehmen und ihm mit Freude nachfolgen. Aber im heutigen Text erfahren wir, dass viele Juden Jesu Offenbarung nicht annahmen, sondern vielmehr mit ihm darüber stritten. Doch im Laufe dieses Gesprächs hat Jesus seine Identität und sein Hauptwerk für uns Menschen offenbart. Lasst uns  heute das wichtigste Werk, das Jesus für uns tut, klar erkennen, und wie er das tut! Möge Gott jedem von uns helfen, seine Stimme zu hören und sein Wort zu empfangen!

Teil 1: Meine Schafe hören meine Stimme (19-29)

Jesus hatte die religiösen Leiter der Juden gelehrt, dass er der gute Hirte ist und dass er freiwillig sein Leben für die Schafe lassen würde. Wie reagierten sie darauf? Betrachten wir die Verse 19-21: „Da entstand abermals Zwietracht unter den Juden wegen dieser Worte. Viele unter ihnen sprachen: Er hat einen bösen Geist und ist von Sinnen; was hört ihr ihm zu? Andere sprachen: Das sind nicht Worte eines Besessenen; kann denn ein böser Geist die Augen der Blinden auftun?“ Ihre Reaktionen auf Jesu Offenbarung war sehr gemischt. Viele unter ihnen lehnten Jesu Offenbarung komplett ab und unterstellten ihm sogar, dass er einen bösen Geist habe und geistig gestört sei. Ihre Unterstellung hatte keine Grundlage in der Realität, sondern kam vielmehr aus ihren voreingenommenen, kritischen Gedanken gegenüber Jesus. Andere hielten dagegen, dass ein böser Geist nicht die Augen der Blinden auftun kann. Sie hegten nicht so böse Gedanken gegenüber Jesus, da sie in ihrem Denken von dem ausgingen, was Jesus tatsächlich getan hatte. Daher dachten sie nicht so negativ über Jesus, zogen aber auch keine positiven Konsequenzen aus dem, was Jesus getan hatte. So entstand erneut Streit unter ihnen darüber, wer Jesus ist.

Im Vers 22 finden wir nun eine genaue Zeitangabe: „Es war damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem und es war Winter.“ Das Fest der Tempelweihe wird bei den Juden etwa zwei Monate nach dem Laubhüttenfest acht Tage lang gefeiert. Es hat seinen Ursprung in dem Ereignis, dass Judas Makkabäus im Jahr 165 v. Chr. die verfeindeten Syrer zurückdrängen und den Tempel in Jerusalem reinigen und feierlich wiedereinweihen konnte. Da bei diesem alljährlichen Gedenkfest bestimmte Lichter angezündet werden, wird es auch als Lichterfest bezeichnet.

Wer kam in dieser Zeit zu Jesus, als er gerade in der Halle Salomos im Tempel war? Vers 24 sagt: „Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus.“ Die religiösen Leiter der Juden kamen zu Jesus und stellten sich rings um ihn auf, was schon äußerlich einen bedrohlichen Charakter hatte. Sie drängten Jesus dazu, offen zu sagen, ob er der Christus ist. Dabei unterstellten sie ihm indirekt, dass er sie über diese wichtige Frage absichtlich im Ungewissen lassen würde.

Was zeigt diese Frage der religiösen Leiter der Juden über sie?  Vor allem zeigt es, dass sie wirklich im Ungewissen waren. Schon beim Gespräch mit dem blind geborenen Mann, den Jesus geheilt hat, sagten sie: „Wir wissen, dass Gott mit Mose geredet hab; woher aber dieser ist, wissen wir nicht“ (9,29). Sie wussten nicht, wer Jesus ist und was der Weg zu Gott und zum ewigen Leben ist. Aber dies lag nicht daran, dass Jesus sich ihnen nicht gezeigt hätte. Denn Jesus hatte sich ihnen seit Jahren durch viele Wunder und durch seine Worte gezeigt. Wieso waren sie dann im Ungewissen? Sie waren an ihre eigenen Gedanken und Vorstellungen über Gott, über den Christus und über sich selbst gebunden. Deshalb waren sie nicht dazu in der Lage, die Zeichen, die Jesus öffentlich vor ihnen tat, wirklich wahr- und anzunehmen. Egal, was und wie viel Jesus vor ihnen tat, blieben sie in ihren eigenen Gedanken. Als zum Beispiel der blind geborene Mann vor ihnen bezeugte, dass er blind geboren und von Jesus geheilt worden war, weigerten sie sich einfach, zu glauben, dass er blind geboren war. Als dann seine Eltern bezeugten, dass er wirklich blind geboren war, weigerten sie sich trotz der offensichtlichen Fakten, an Jesus zu glauben. Da sie stur alle Offenbarungen Jesu ablehnten, blieben sie immer im Ungewissen.

Die Ungewissheit ist auch das Lebensgefühl vieler Menschen in unserer Zeit. Viele junge Leute sind ungewiss, ob sie das richtige Fach studieren, wo und was sie nach dem Studium machen und wie sie leben sollen, ob und wen sie heiraten sollen, was sie von Gott denken sollen und nach welchem Ziel sie ihr Leben ausrichten sollen usw. In der Ungewissheit orientiert man sich immer neu an der Situation und berechnet die möglichen Konsequenzen von diesem oder jenem Verhalten und bleibt auch dann, wenn man Entscheidungen getroffen und einen Weg eingeschlagen hat, unsicher, ob der Weg richtig ist. Warum leben die meisten Menschen unserer Zeit auf diese oder ähnliche Weise im Ungewissen? Die Ursache dafür ist, dass sie keine richtige Grundlage für ihr Leben haben. Denn die meisten erkennen Gott und sein Wort nicht mehr als die Wahrheit und die Grundlage ihres Lebens an. Andererseits können sie in der Theorie von Urknall und Evolution, die heute als Basis ausgegeben werden, keine richtige Grundlage für ihr Leben finden. Daher werden sie im Leben ständig von dem beunruhigenden Gefühl der Ungewissheit begleitet, selbst wenn ihr Leben äußerlich gesehen planmäßig und geordnet verläuft. Wie können sie aus der Ungewissheit herauskommen? Das Problem der Ungewissheit kann nur dadurch gelöst werden, dass Menschen Jesus Christus erkennen und durch ihn Gewissheit über Gott, seinen Willen und ihr eigenes Leben bekommen.

In diesem Sinne stellten die Juden im Vers 24 eine ganz passende Frage. Denn sie fragten gerade nach der Identität Jesu, ob er der Christus, also der von Gott verheißene Retter und König ist oder nicht. Das Problem war, dass sie nicht wirklich bereit waren, die Antwort Jesu auf ihre Frage anzunehmen. Wir werden bald an ihrer anschließenden Reaktion auf Jesu Antwort erkennen, dass ihrer Frage bereits schon die böse Absicht zugrunde lag, Jesus zu schaden.

Wie antwortete Jesus auf ihre Frage? Betrachten wir Vers 25: „Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir.“ Jesus macht in seiner Antwort klar, dass er keineswegs an ihrer Ungewissheit schuld war, geschweige denn dass er sie mit Absicht im Ungewissen gelassen hätte. Das Problem war nicht, dass Jesus sich ihnen nicht genug offenbart hätte; das Problem war vielmehr, dass sie den Offenbarungen Jesu nicht glaubten. Das eigentliche, große Problem war also ihr hartnäckiger Unglaube. Jesus hatte so viele Zeichen getan, die sie selbst gesehen oder von denen sie von Augenzeugen gehört hatten. Jesus hatte auf einer Hochzeit aus etwa 600 Liter gewöhnlichem Brunnenwasser köstlichen Wein gemacht. Er hatte den Sohn eines königlichen Beamten, der etwa 30 Kilometer entfernt todkrank in seinem Bett lag, mit einem Wort geheilt. Jesus hatte eine große Menge von 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen satt gemacht. Er hatte einen Mann, der blind geboren war, sehend gemacht. Alle diese Zeichen hatte Jesus im Namen des Vaters getan, nämlich im Vertrauen und im Gehorsam gegenüber seinem Willen und mit seiner Macht. Alle diese Werke bezeugten klar die Tatsache, dass Jesus von Gott gekommen ist. Jesus verwies die Juden ausdrücklich auf diese Werke, damit sie sie wahrnehmen und glauben sollten. Doch obwohl Jesus ihnen schon gesagt hatte, dass er der Christus ist, und obwohl sie die Werke sahen, die Jesus im Namen seines Vaters tat und die seine Gottessohnschaft bezeugten, glaubten sie nicht. Unglaube ist kein Problem des mangelnden Wissens. Ihr Unglaube war die Folge davon, dass sie vor den Werken Jesu ihre Augen zumachten und vor seinen Worten ihre Ohren verschlossen.

Warum wies Jesus sie hier nochmals auf seine Werke hin, die er im Namen seines Vaters getan hatte? Jesus hatte die Hoffnung für sie nicht aufgegeben. Obwohl sie so viele voreingenommene Gedanken über ihn hatten, konnten und sollten sie damit anfangen, dass sie die Werke Jesu wahrnehmen und aufgrund seiner Werke ihn anerkennen und an ihn glauben sollten.

Was sagte Jesus noch über ihren Unglauben? Im Vers 26 sagt er: „Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen.“ Ihr Unglaube war ein Ausdruck davon, dass sie nicht zu Jesu Schafen gehörten. Dieses Wort besagt nicht, dass Gott etwa willkürlich Menschen nicht zu Jesu Schafen zählen und ihnen keine Chance geben würde, zum Glauben zu kommen und den Segen des ewigen Lebens zu erlangen. Dass sie an Jesus nicht glaubten, war ihre persönliche Entscheidung, mit der sie auf seine Offenbarung reagierten. Aber Gott, der alles schon im Voraus weiß, zählt solche Menschen deshalb gar nicht erst zu seinen Schafen. Gottes Wahl und die Entscheidung des Menschen stimmen also überein.

Welche Eigenschaften zeichnen dagegen die Schafe Jesu aus? Jesus sagt weiter: „ Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir“. Hier beginnt Jesus damit, die innige Vertrauensbeziehung und den unermesslichen Segen zu beschreiben, den seine Schafe empfangen. Jesu Schafe haben die Eigenschaft, dass sie auf Jesu Stimme hören und ihm folgen. Jesus wollte mit diesen Worten auch die religiösen Leiter der Juden dazu einladen, auf seine Stimme zu hören und ihm zu folgen und so seine Schafe zu werden.

Was erhalten die Schafe Jesu von ihm? Lesen wir gemeinsam die Verse 28 und 29: „und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.“ Hier lehrt Jesus das unfassbar große Privileg, das wir als seine Schafe haben, nämlich dass Jesus seinen Schafen das ewige Leben gibt. Wir Menschen haben viele Bedürfnisse, wichtige und weniger wichtige. Aber das ewige Leben zu erlangen, ist ohne Frage das größte und wichtigste Bedürfnis von uns Menschen und kann mit keinem anderen Bedürfnis überhaupt auch nur verglichen werden. Aber für uns Menschen ist es unmöglich, dass wir von uns aus das ewige Leben erlangen können; wir sind von uns aus weder dazu berechtigt noch dazu in der Lage, das ewige Leben in Gottes Reich zu erlangen. Aber hier bringt Jesus dreifach zum Ausdruck, dass er selbst von sich aus seinen Schafen das ewige Leben schenkt. Jesus macht deutlich, dass es sich dabei um seine souveräne Tat handelt, die er mit seiner göttlichen Macht tut, und die nicht von unserem Mitwirken abhängig ist. Es ist das unfassbar große Privileg für seine Schafe.

Nun könnte jemand sagen: Wenn Jesus das ewige Leben gibt als souveräne Tat, dann bin ich nicht schuld, wenn ich es nicht erhalten. Aber das ist nicht wahr. Die Bibel lehrt an mehreren Stellen wie hier, dass das ewige Leben eine Gabe Gottes ist, die er in seiner Souveränität seinen Schafen schenkt. Andererseits lehrt die Bibel auch, dass wir Menschen dabei auch eine Verantwortung tragen. Wir sollen uns als seine Schafe erweisen, dadurch dass wir uns auch von uns aus bemühen, auf Jesu Stimme zu hören und ihm zu folgen.

Betrachten wir noch einmal Vers 28. Jesu Worte „niemand kann sie aus meiner Hand reißen“ betonen dabei Jesu feste Entschlossenheit, seinen Schafen das ewige Leben zu geben und sich von nichts und niemandem daran hindern zu lassen. Diese Worte bezeugen Gottes Schutz, den wir als Jesu Schafe genießen, und seine Fügung, die über unseren Verstand hinausgeht. Es gibt so viele Ereignisse, die uns vom Glauben an Jesus abbringen und uns auf vom Weg seiner Nachfolge scheitern lassen könnten. Das Scheitern im Studium, der Verlust des Arbeitsplatzes, eine schwere Krankheit oder der Verlust eines nahe stehenden Menschen sind Ereignisse, die uns auf unserem Glaubensweg aus der Spur bringen und scheitern lassen können. Viele von uns haben wohl schon das eine oder andere davon erlebt. Woher können wir dann die Zuversicht nehmen, dass wir das ewige Leben im Himmelreich erlangen werden? Wenn wir auf uns selbst sehen, auf unsere Schwachheit und Anfälligkeit für die Sünde und auf unsere mangelnde Treue, können wir uns eigentlich nicht vorstellen, wie Jesus uns ins Himmelreich führen kann. Aber Jesus hat für alle seine Schafe schon beschlossen und mit seinem göttlichen Wort versprochen: „und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ Wir sind in Jesu Hand und er wird uns bis ans Ziel bringen. Obwohl wir schwach und untreu sind, wird uns niemand aus seiner Hand reißen; er wird das nicht zulassen. Alle, die trotz der festen Zusage Jesu an diesem Punkt immer noch zweifeln, erinnert Jesus an die Tatsache, dass Gott der Vater größer ist als alles, und beteuert, dass niemand seine Schafe aus des Vaters Hand reißen kann. Wir dürfen dies im Glauben annehmen, auch wenn wir es nicht genug verstehen. Wir dürfen und sollen darauf vertrauen und unser Leben hier mit der festen Zuversicht auf das ewige Leben führen.

Wie können und sollen wir aus dieser Zuversicht heraus hier leben? In der festen Zuversicht darauf, dass Jesus selbst uns das ewige Leben geben wird, können wir uns ihm in unserem Leben hier unendlich hingeben. Unzählige Gläubige in der Geschichte bis heute haben aus diesem Glauben heraus so gelebt. Ein prominentes Beispiel dafür ist etwa Apostel Paulus. Aus der Zuversicht, dass Gott ihm das ewige Leben gibt, setzte er seine ganze Zeit, Kraft und Fähigkeiten konsequent für Jesus und die Verbreitung seines Evangeliums ein. Er hielt sein Leben nicht der Rede wert, sondern lebte so konsequent für Jesus, dass er am Ende seines hingebungsvollen Lebens sagen konnte: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben“ (2. Tim 4,7.8). Die Zuversicht auf das ewige Leben hat ihn dazu motiviert und befähigt, dankbar, fröhlich und hingebungsvoll für Jesus zu leben. Möge Gott auch jedem von uns helfen, Jesu Verheißung tief zu empfangen und mit der Zuversicht auf das ewige Leben dankbar, fröhlich und hingebungsvoll für ihn zu leben!

Teil 2: Glaubt doch den Werken (30-42)

Was bezeugte Jesus über seine Beziehung zu Gott? Betrachten wir Vers 30. Jesus sprach: „Ich und der Vater sind eins.“ Hier finden wir eine der einzigartigen Aussagen Jesu Christi. Kein ernst zu nehmender Mensch hat jemals so etwas gesagt. Aber Jesus sagte: „Ich und der Vater sind eins.“ Hier müssen wir den Atem anhalten. Hier sollen wir das Wesen Jesu Christi erkennen. Jesus ist ein Mensch. Gott dagegen ist der Ewige und Allmächtige im Himmel, der Schöpfer aller Menschen und aller Dinge und er ist Geist und über den Himmeln thront. Aber Jesus verkündigt: „Ich und der Vater sind eins.“ Die hier verkündigte Wahrheit ist unfassbar groß und erscheint uns schwer zu glauben. Aber wenn wir Jesu Persönlichkeit und seine Werke betrachten, die uns in den Evangelien berichtet werden, können wir feststellen, dass sie mit dieser gewaltigen Aussage ganz im Einklang stehen. Das Zeugnis seiner Werke lässt uns auch die Schlussfolgerung ziehen, dass Jesus und Gott der Vater im Himmel eins sind. Es bestätigt, dass Jesus Gott ist, der Mensch wurde. Wegen Jesu Wort und seiner Offenbarung können und sollen wir uneingeschränkt an Jesus glauben.

Wie reagierten die Juden darauf? Vers 31 berichtet: „Da hoben die Juden abermals Steine auf, um ihn zu steinigen.“ Anfangs sah es so aus, als ob die Juden daran interessiert wären, zu erkennen, ob er der Christus ist oder nicht. Im Laufe des Gesprächs wurde die Offenbarung Jesu immer klarer und immer größer und Jesus bezeugte klar, dass er selbst seinen Schafen das ewige Leben geben wird, dass sein Werk dabei ganz im Einklang mit dem Vater steht und schließlich, dass er und der Vater eins sind. Aber die Juden wollten ihre voreingenommene Haltung gegenüber ihm nicht aufgeben, sondern machten ihr Herz immer härter. Als Jesu Offenbarung schließlich ganz klar wurde und von ihnen klaren Glauben verlangte, wollten sie Jesus steinigen.

Jesus hätte wütend auf sie werden und sie bestrafen oder zumindest sie verlassen können. Aber Jesus gab es nicht auf, sich um ihre Umkehr zu bemühen. Er sagte zu ihnen im Vers 32: „Viele gute Werke habe ich euch erzeigt vom Vater; um welches dieser Werke willen wollt ihr mich steinigen?“ Jesus erinnerte sie daran, wie viele gute Werke er unter ihnen getan hatte. Dadurch hatte er ihnen klar gezeigt, dass er wirklich von Gott gekommen ist. Also machte sie darauf aufmerksam, dass ihre Absicht, ihn zu steinigen, im völligen Widerspruch zu seinen Werken stand, die er ihnen erzeigt hatte. Doch wie reagierten sie? Vers 33 sagt: „Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, denn du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.“ Hier wird das Kern-Problem der Juden sehr deutlich. Indem sie sagten: „Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht“ gaben sie selbst zu, dass Jesus gute Werke unter ihnen getan hatte. Aber sie ignorierten diese Tatsache gleich wieder, um ihre Gedanken über Jesus und sich selbst nicht ändern zu müssen; sie verschlossen also ihre Augen vor der Realität, um wieder ungestört in ihrem Gedankengebäude denken und danach handeln zu können, nämlich Jesus wegen vermeintlicher Gotteslästerung umzubringen. Hier zeigt sich, wie sie in erschreckender Weise die Realität ignorierten und ganz losgelöst davon in einer eigenen Gedankenwelt lebten, die von der Realität Gottes und Jesu getrennt war. Anders gesagt hielten sie so stur an ihren eigenen Gedanken fest, dass sie sogar auch das, was sie mit ihren eigenen Augen sahen, verleugneten.

Doch Jesus gab es nicht auf, ihnen zu helfen. Wie entgegnete er ihrem Vorwurf, er habe mit seiner Aussage, dass er und der Vater eins sind, Gott gelästert? Betrachten wir die Verse 34-36. Jesus zitiert hier eine Stelle aus Psalm 82, durch die sie erkennen sollten, wie haltlos ihr Vorwurf der Gotteslästerung war.

Wie könnten sie doch noch wahrnehmen, wer Jesus ist, obwohl sie voll von festen eigenen Gedanken und Vorurteilen waren? Betrachten wir die Verse 37 und 38: „Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubt mir nicht; tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr mir nicht glauben wollt, damit ihr erkennt und wisst, dass der Vater in mir ist und ich in ihm.“ Hier appelliert Jesus zum dritten Mal an die Juden, dass sie seine Werke wahrnehmen und aufgrund dessen an ihn glauben sollten (25.32.37.38). Sie sollten nicht länger vor der Realität die Augen verschließen, sondern sollten sie wahrnehmen und dadurch Jesus erkennen; sie sollten aus ihrer eigenen Gedankenwelt herauskommen und wissen, wer Jesus ist. Denn die Werke Jesu waren die Werke des Vaters, da er sie in Abhängigkeit von ihm und mit seiner Vollmacht tat. Wer dies erkennt, der erkennt, dass Gott in Jesus ist und Jesus in ihm.

Wie reagierten sie auf Jesu eindringlichen Appell, seine Werke wahrzunehmen und aufgrund dessen ihn zu betrachten? Vers 39 berichtet: „Da suchten sie abermals, ihn zu ergreifen. Aber er entging ihren Händen.“ Selbst ein kleines Kind kann, wenn man es dazu auffordert, seine Augen aufmachen und sagen, was es gerade mit seinen Augen sieht. Aber die Juden waren nicht dazu in der Lage, wahrzunehmen und zuzugeben, was Jesus vor ihren Augen getan hat. Sie liebten ihr eigenes Gedankengebäude, das sie sich gemacht und in dem sie alles, auch Gott eingebaut hatten, und wollten es um keinen Preis ändern. Dadurch dachten und lebten sie in dramatischer Weise losgelöst von der Realität und entfernten sich immer mehr von Gott. Sie wurden erfüllt von grundlosem Stolz und Hass auf den Sohn Gottes und wollten ihn töten, wobei sie sich immer noch für fromm und gerecht hielten.

Was tat Jesus, als sie sich als völlig unbelehrbar erwiesen? Jesus ließ sich durch diese eigentlich traurige Erfahrung nicht entmutigen. Jesus ließ sich nie entmutigen. Vers 40 berichtet, dass Jesus auf die andere Seite des Jordans ging an den Ort, wo früher Johannes der Täufer gepredigt und getauft hatte, und dort blieb. Was geschah daraufhin? Die Verse 41 und 42 sagen: „Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes hat kein Zeichen getan; aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, das ist wahr. Und es glaubten dort viele an ihn.“ Während die Menschen in Jerusalem sich stur weigerten, die Wirksamkeit Gottes durch Jesus anzuerkennen, war die Haltung der Menschen in dieser Gegend ganz anders, sodass dort ein großes Werk Gottes geschehen konnte. Denn anders als die Juden in Jerusalem waren sie nicht in ihren eigenen Gedanken verhaftet, sondern waren bereit, die geistliche Realität wahrzunehmen und daraus zu lernen. Sie hörten Jesu Worten zu und achteten auf die Zeichen Jesu, von denen ihnen berichtet wurde. Sie dachten dabei auch an die Worte von Johannes dem Täufer, die dieser früher über Jesus verkündigt hatte. Wie wir in Kap. 1 gelesen haben, hatte Johannes Jesus klar als das Lamm Gottes und als den, den Gott gesandt hat, bezeugt. Als sie auf Jesu Stimme hörten und seine Werke wahrnahmen, von denen ihnen erzählt wurde, konnten sie erkennen, dass Jesus alle Prophezeiungen von Johannes erfüllte und dass seine Worte und seine Werke sowie die Prophezeiungen aus dem Alten Testament eine Einheit bildeten. So wurden die Worte Jesu und die Werke Jesu eine feste Grundlage, auf der sie an Jesus glauben konnten. So heißt es: „Und es glaubten dort viele an ihn.“ Weil sie auf Jesu Stimme hörten und seine Werke von Herzen wahrnahmen, konnten sie zum Glauben gelangen und sich so als Jesu Schafe erweisen.

Lesen wir noch einmal die Verse 27 und 28: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ Wir haben heute erfahren, wie wichtig es ist, dass wir als Jesu Schafe auf seine Stimme hören und ihm folgen, anstatt in unseren eigenen Gedanken zu bleiben. Vor allem hat Jesus uns als seinen Schafen die feste Zusage gegeben, dass er selbst uns das ewige Leben gibt und dass niemand uns aus seiner Hand reißen wird. Möge Jesus uns helfen, auf diese Zusage ungeachtet unserer Schwäche und aller Dinge fest zu vertrauen und ihm dankbar, fröhlich und zuversichtlich nachzufolgen!

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