Predigt: Joh 7,25-53

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Von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen

„Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“
(38)

Letzte Woche haben wir erfahren, dass Jesus im Verborgenen nach Jerusalem ging, um am Laubhüttenfest teilzunehmen. Dort wurde er von vielen erwartet. Doch Jesus nahm nicht teil um Wunder zu vollbringen, sondern um – laut Vers 14 – das Wort Gottes zu lehren. Was beabsichtige Jesus damit? Er wollte, dass die Menschen sein Wort hören und verstehen sollten. Kein Mensch kann durch das Gesetz gerecht werden, deshalb hatte Gott Jesus in die Welt gesandt. Durch den Glauben an Jesus gerettet zu werden war die großartigste Gnade, die Gott ihnen erweisen konnte.

Auch im heutigen Text erfahren wir wie Jesus am letzten und zugleich höchsten Tag des Laubhüttenfestes zum Volk gesprochen hat. Jesus lud die geistlich Durstigen zu sich ein, sie sollten kommen um zu trinken. Jesu Lehre entsprang aus der tiefe seines liebenden Herzens. Er möchte die Menschen zu Gottes privilegierten Kindern verändern. Möge Gott uns durch Jesu Worte ansprechen, damit wir zu ihm kommen und die Gabe Gottes empfangen.

Teil I Verwirrung über die Person Jesu (25-36)

In diesem ersten Teil wollen wir betrachten wie das Volk und wie die religiöse Schicht auf die liebevolle Botschaft Jesu reagiert haben. Wie reagierten die Jerusalemer? Betrachten wir dazu die Verse 25-27. Die Jerusalemer kannten die religiösen Oberen der Hauptstadt natürlich viel besser als die meisten eingereisten Pilger. Obwohl sie von den Mordgedanken der religiösen Leiter wussten, wunderten sie sich über ihre Tatenlosigkeit, denn Jesus redete frei und offen und niemand sagte etwas. Sollte Jesus etwa doch der Christus sein? Was aber hinderte sie trotz der vollmächtigen Verkündigung Jesu, an ihn zu glauben? Vers 27 sagt: „Doch wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird niemand wissen, woher er ist.“ Sie waren voreingenommen und ihre Voreingenommenheit hinderte sie daran Jesus als den Christus anzunehmen, obwohl er nach Jahrhunderten der Prophezeiung leibhaftig vor ihnen stand. Dass der Messias quasi aus heiterem Himmel erscheinen würde, war eine weit verbreitete theologische Meinung. Doch ein kleiner Blick auf Vers 42 genügt, um zu zeigen, dass diese Vorstellung von Grund auf falsch ist, denn die Schrift Gottes verkündet sehr wohl die Herkunft des Christus. So kam es, dass sie aufgrund ihrer Voreingenommenheit trotz eindeutiger messianischer Zeichen und eindeutiger messianischer Botschaften, also eindeutiger messianischer Fakten, davon abgehalten wurden Jesus als den Christus anzuerkennen. Die Tragik dieser Situation wog schwer.

Wie antwortete Jesus auf ihre Ablehnung? Betrachten wir Verse 28 und 29: „Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.“ Die Menschen hätten sich freuen sollen, denn mit diesen Worten setzte Jesus jeder Spekulation ein Ende und beantwortete die Frage nach seiner messianischen Identität. Zwar kannten sie seine leibliche Abstammung, jedoch nicht seine geistliche Herkunft. Er war von Gott, dem Wahrhaftigen gesandt worden. Er war also wahrhaftig der Messias. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, schließlich ist Jesus das personifizierte Heil. Er ist die Erfüllung des Gesetzes und der Propheten. Er wirkt für die Erlösung des Menschen. Deshalb spielt die wahrheitsgemäße Identität Jesu eine enorme Bedeutung für jeden.

Wie gingen die Menschen mit Jesu Lehre um? Betrachten wir Verse 30 und 31. Einige suchten ihn zu ergreifen, aber weil seine Stunde noch nicht gekommen war, legten sie keine Hand an ihn. „Aber viele aus dem Volk glaubte an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommen wird, wird er etwa mehr Zeichen tun, als dieser getan hat?“ Es gab also doch Menschen, die an ihn als den Christus glaubten, wenn auch ihr Glaube auf die Zeichen Jesu beruhte.

Nun wollen wir die Reaktion der Oberen betrachten. Wie reagierten diese? Vers 32 sagt: „Und es kam den Pharisäern zu Ohren, dass im Volk solches Gemurmel über ihn war. Da sandten die Hohenpriester und Pharisäer Knechte aus, die ihn ergreifen sollten.“ Natürlich gefiel das Gemurmel über Jesus den Pharisäern nicht. Im Kommentar wird das Gemurmel mit einem lauter werdenden Summen eines Bienenschwarmes verglichen. Wir sehen an dieser und an anderer Stelle, dass sie aufgrund ihres festgefahrenen Vorhabens, Jesus töten zu wollen, völlig taub und völlig blind für Jesu Offenbarungen waren. Die Wahrheit fand keinen Zugang zu ihnen.

Was sagte Jesus zu den Juden? Betrachten wir Verse 33 und 34. „Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.“ Bis zum letzten Passafest Jesu waren etwa noch 6 Monate. So lange würde Jesus noch unter ihnen weilen, bis er durch seine Himmelfahrt zurück zum Vater kehren würde. Danach konnten sie ihn suchen, so viel sie wollten, sie würden ihn nicht finden, auch würde keiner imstande sein ihn dorthin zu folgen.

Was bedeuteten die Worte Jesu? Wir sehen Jesus, der auch in dieser Situation von der Gelegenheit gebrauch machte, um die Wahrheit des Evangeliums zu verkünden. Der Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu bilden den Kern des Evangeliums und das war Inhalt seiner Verkündigung.

Haben die Juden das Evangelium verstanden? In den Versen 35 und 36 erfahren wir von ihrem Unverständnis über die Ankündigung Jesu. Der überwältigende Teil des Volkes war voreingenommen und beinahe die gesamte Leiterschicht war festgefahren in ihrem Vorhaben.

Auch wir treffen bei unserer Verkündigung des Evangeliums auf starke Vorurteile der Studenten. Diese Vorurteile sind ein großes Hindernis für das Bibelstudium. Wir wollen im zweiten Teil betrachten, wie Jesus mit dieser Situation umgegangen ist.

Teil II Ströme lebendigen Wassers (37-53)

Was tat Jesus trotz der großen Ablehnung? Lesen wir Vers 37: „Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Bereits letzte Woche haben wir erfahren, dass das Laubhüttenfest das Fröhlichste unter allen jüdischen Festen war. Der 8. und somit letzte Tag wurde auf besondere Weise zelebriert. Dabei wurde ein goldenes Gefäß mit Wasser aus dem Teil Siloah gefüllt und vom Hohenpriester zum Tempel getragen. Am Wassertor des inneren Tempelhofs angekommen erklangen drei Trompeten um den freudigen Anlass zu betonen, wobei Jes 12,3 vorgetragen wurde: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.“ Schließlich ging der Priester in aller Öffentlichkeit zum Altar, wo das Wasser zur Zeit des Morgenopfers dargebracht wurde. Währenddessen erklang ein prächtiger Tempelchor, wobei das Hallel gesungen wurde. (Ps 113-118)

Wieso wurde der Höhepunkt des Laubhüttenfestes auf diese besondere Weise gefeiert? Das Laubhüttenfest kündigte ein zukünftiges Ereignis an. In Hesekiel 47 hatte Gott prophezeit, dass sich der Tempel mit Wasser füllen und als großer Strom aus dem Tempel hinaus fließen würde. Dieses Wasser, das von besonderer Qualität war, würde vom Tempel aus in die weite Welt hinausströmen. Es würde jeden gesund machen und jedem das Leben schenken, der damit in Berührung kommen würde. Auch Sacharja 13,1 prophezeite: „Zu der Zeit werden das Haus David und die Bürger Jerusalems einen offenen Quell haben gegen Sünde und Befleckung.“ Das fröhliche Laubhüttenfest wies also auf einen Tag hin, an dem sich eine Wasserquelle im Tempel auftun und mit der Vollmacht Krankheit, Sünde, Befleckung und Tod zu bezwingen, hinausströmen würde. Welch ein wunderbarer Tag würde es sein, wenn das lebendige Wasser nicht nur durch Jerusalem, sondern in die ganze Welt hinausströmen würde!

Da war sie nun, die gewaltige Menschenmenge, deren Zahl an die 2 Mio. geschätzt wird, alle versammelt in der kleinen Stadt Jerusalem. Man war am Höhepunkt des Festes angelangt. Was geschah in diesem Moment? Betrachten wir erneut den Vers 37. Gerade in diesem Moment, als alle versammelt waren, stand Jesus auf und fing an laut zu predigen. Die Zeit war gekommen. Jesus forderte die Aufmerksamkeit aller Beteiligten, ganz Israel sollte die Erfüllung der Prophezeiung miterleben. Lesen wir Vers 37 noch einmal: „Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Laut rufend lud Jesus die Menschen zu sich ein. Mit seiner Einladung verkündete er sich selbst als die Erfüllung des Laubhüttenfestes. Alle durstigen Seelen, die geistlich matt und krank waren, die an ihrer Sünde und Befleckung litten, alle Menschen, denen das ewige Leben fehlte, sollten kommen und trinken.

Es ist wirklich ein Qualitätsmerkmal der Liebe Jesu, dass er dem ganzen Volk seine hilfreichen Arme ausstreckte, obwohl ihm viele misstrauten.

Es war ein großartiger Moment, als Jesus auftrat und seine Einladung hinausrief. Doch um die großartige Hilfe Jesu zu empfangen, muss der Mensch seinen geistlichen Durst wahrnehmen und eingestehen. Wer seinen geistlichen Durst nicht wahrnimmt, für den ist die heilsame Einladung Jesu bedeutungslos. Warum fehlte ihnen eine wirklichkeitsnahe Selbsteinschätzung? Der Grund ist, dass sie sich mit dem begnügten, was sie hatten. Und sie hatten eine ganze Menge. Sie hatten ihre alljährlichen Feste, sie hatten ihre vielfältigen Zeremonien, sie hatten ihre einzigartige Kultur und sie waren stolz auf ihr kultiviertes Glaubensleben. Doch eines hatten sie nicht, das Entscheidende fehlte ihnen, nämlich der Sinn und Zweck ihrer religiösen Praktiken. Denn ihr Glaubensleben und alles was dazu gehörte besaß aus der Sicht Gottes nur ein Ziel, nämlich zu Jesus zu kommen und von ihm die geistliche Fülle zu erlangen.

Auch wir stehen in derselben Verantwortung. Auch wir müssen unsere mannigfaltigen Veranstaltungen wie Konferenzen, Bibelstudien, Gebetsstunden, Versammlungen, also unser strukturiertes Glaubensleben in der Gemeinde, im Lichte Jesu wahrnehmen. In dieser Hinsicht ist jede Gebetsstunde und jeder Gottesdienst eine kostbare Gelegenheit, zu Jesus zu kommen.

Was wird geschehen, wenn ein Mensch die Einladung Jesu annimmt? Lesen wir den Vers 38: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ In dem Menschen, der anfängt an Jesus zu glauben, wird eine deutliche Veränderung stattfinden. In welchem Zustand befindet sich der Mensch, bevor er zu Jesus kommt? Er ist durstig, er ist wie eine Pflanze, die am austrocknen ist. Doch der Glaube an Jesus verändert den Menschen vollständig. Er wird zum Gegenteil dessen was er zuvor war. Eben noch litt er an geistlichem Durst, kannte die Bedeutung seines Lebens nicht, hatte Mangel an Erkenntnis, war orientierungslos, kannte weder den Weg des Lebens, noch das wahrhaftige Lebensziel. Doch der Glaube an Jesus stillt seine geistlichen Sehnsüchte.

Diese Veränderung durfte ich vor 10 Jahren persönlich erleben. Ich hatte großen Durst und mein Durst fing früh an, im Vorschulalter, und wuchs mit den Jahren an. Ich lechzte nach der Wahrheit. Ich wollte unbedingt erfahren ob es Gott wirklich gab oder nicht, denn nur so konnte ich Antwort auf die Bedeutung meines Daseins und das Dasein der gesamten Schöpfung finden. Doch wer kann diese Frage beantworten? Wer kann sagen ob es Gott wirklich gibt und was Gottes Wesen ausmacht? Enttäuscht musste ich feststellen, dass niemand meinem großen Durst das Wasser reichen konnte. Und gerade deshalb ist es wirklich unfassbare Gnade Gottes, dass ich gerade in einer Lebensphase, in der mein Durst nach Wahrheit kaum noch auszuhalten war, sondern mich an den Rand des Verdurstens drängte, dem einzig wahren Wasserspender begegnet bin. Es ist wirklich unaussprechliche Gnade und deshalb hat es mich damals wie ein Blitz getroffen und ich denke es hat mich ein für allemal getroffen, als ich Jesus durch sein Wort begegnet bin, denn dabei überreichte er mir ein volles Maß und ich trank und trank und wurde lebendig.

Betrachten wir Vers 38. Jesu Wasser stillt nicht nur den Durst, sondern aus dem Leib des Durstigen werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Was bedeutet dieses Gleichnis? Der Leib symbolisiert die Tiefe des menschlichen Herzens oder der menschlichen Seele, also dort wo Gott wirkt. Auch unsere Leiber, die in Wirklichkeit Tempel Gottes sind, werden vom lebendigen Wasser Jesu geflutet, bis es hinausströmt, d.h. dass nicht nur unser geistlicher Durst gestillt wird, sondern dass Gott uns zugleich als Segen für andere gebrauchen wird. So fing Gott recht früh auch durch mich an Menschen in meiner Umgebung zu erreichen, auch wenn ich es niemals für möglich gehalten hätte.

Das ist die Verheißung Jesu. Der Glaube an seine Verheißung schenkt uns die vollkommene Freude, die ihren Ursprung im Himmel hat.

Doch aus welchem Grund sind der Durst, den Jesus anspricht, und das lebendige Wasser, das er verheißt, geistlich zu verstehen? Betrachten wir Vers 39: „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“ Die Gabe Gottes, die Jesus auszuteilen suchte, war der heilige Geist. Leider fand die Einladung Jesu keine große Resonanz, so dass die Ausgießung des Geistes warten musste. Doch nach seiner Verherrlichung, also nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt, würde der heilige Geist in Vollmacht herniederfahren und die Jünger und alle Gläubigen erfüllen und in ihnen wirksam werden. Der Geist Gottes wirkt in den Menschen, die den Glauben an Jesus aufbringen, mächtig.

Wie war dieses Mal die Reaktion der Menschen auf Jesu vollmächtige Verkündigung? Betrachten wir die Verse 40-44. Über Jesus entstand Zwiespalt im Volk. Seine Identität wurde kontrovers diskutiert. Dennoch gab es einige, die aufgrund der herrlichen Botschaft Jesu bekannten: „Er ist der Christus.“ Das Wort Jesu war also auch unter den damaligen Menschen wirksam. Dieses Mal waren nicht die Zeichen Jesu Grundlage ihres Bekenntnisses, sondern seine Botschaft. Möge Gott viele Menschen aus unserer Umgebung mit seinem Wort überzeugen und zu diesem Zeugnis befähigen.

Welche weitere, bemerkenswerte Reaktion auf das Wort Jesu erfahren wir noch? Betrachten wir die Verse 45 und 46: „Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern; und die fragten sie: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? Die Knechte antworteten: Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser.“ Ist das nicht erstaunlich? Diese Knechte waren Leviten, quasi eine Tempelpolizei, die vom Hohenrat eingesetzt werden konnte. Doch anstatt den Befehl ihrer mordlustigen Auftraggeber gehorsam auszuführen, kamen sie mit leeren Händen zurück, mit der Begründung: „Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser.“ Was für ein starkes Zeugnis! Die Leviten waren eigentlich da um den Priestern zu dienen und ihrem Befehl zu gehorchen. Doch in diesem Fall konnten sie selbst den direkten Befehl des Hohenpriesters nicht ausführen; wieso? Weil sie sich vor jemandem befanden, der mehr war als ein Hohepriester. Sie standen vor dem Herrn der Herren, vor dem König der Könige, dem wahren Propheten und dem wahrhaftigen Hohepriester, der kein Opfer für seine eigenen Vergehen darbringen musste, weil seine Person das wahre Opferlamm Gottes darstelle, völlig rein und völlig makellos. Da standen sie nun, vor dem größten Prediger aller Zeiten, dessen Worte Geist und Leben waren. Vielleicht hatten sie Seile und Handschellen dabei, doch wer konnte es wagen Jesus festzunehmen? Wer konnte seinen Worten widerstehen? Noch nie hatte ein Mensch so geredet wie dieser, nicht einmal die Propheten im AT.

Wie reagierten die Pharisäer? Betrachten wir die Verse 47-49. Ein Donnerwetter platze aus ihnen heraus. Ihre Rede glich einem verbalen Amoklauf. Sie gingen so weit, dass sie anfingen ihr eigenes Volk zu beschimpfen. Sie wurden als Gesetzeslose und Verfluchte bezeichnet. Außerdem stellten sie die Frage: „Glaubt denn einer von den Oberen oder Pharisäern an ihn?“ (48) Was geschah? Betrachten wir Verse 50 und 51. Just in diesem Augenblick meldete sich Nikodemus zu Wort. Wenn wir an dieser Stelle auch kein klares Glaubensbekenntnis zu Jesus erkennen können, so sehen wir doch seinen Eifer für Christus, der an dieser Stelle nicht aufhörte. Er fing an Jesus zu verteidigen und ging dabei ein großes Risiko ein. Es gab also doch jemanden aus der Reihe der Oberen und Pharisäer, der zu Jesus hielt, denn Nikodemus war beides, Oberer und Pharisäer, in diesem Punkt hatten sie sich bereits geirrt. Zudem sagte das Gesetz wirklich, dass niemand verurteilt werden sollte, ohne verhört zu werden. Sie selbst, die im Gegensatz zum einfachen Volk den Anspruch hatten als gesetzestreu zu gelten, brachen durch ihre böswilligen Motive das Gesetz.

In welchem Punkt lagen die Pharisäer noch völlig falsch? Betrachten wir den Vers 52: „Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche und sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf.“ Jetzt wurde es peinlich, denn zumindest Jona, Nahum, Hosea und Amos kamen aus Galiläa.

Anhand der sturen Argumentation der Pharisäer lernen wir ein Wesensmerkmal des Menschen kennen. Das eigene Ziel wird, wenn auch völlig falsch, mit allen Mitteln verteidigt. Im Umkehrschluss sollten wir beten, dass wir in Jesus das wahre Ziel anvisieren, dann wird uns auch keine Gewalt im Himmel und auf Erde davon abbringen, ihm bis ans Ende unserer Tage treu nachzufolgen.

Möge der Herr uns mit seinem lebendigen Wort erreichen. Möge unser geistlicher Durst uns in seine ausgestreckten Arme treiben. Möge der Glaube an Jesus uns verändern, so dass aus unseren Leibern Ströme lebendigen Wasser fließen.

Lesen wir das Leitwort, Vers 38: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

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