Predigt: Joh 7,1-24

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Ein gerechtes Urteil über Jesus Christus

„Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht.“
Johannes 7,24

Zwischen dem Text von letzter Woche und dem Text von heute liegen etwa 6 Monate. Es sind 6 Monate, über welche uns Johannes nichts berichtet. Und wir könnten uns fragen, was Jesus in diesen 6 Monaten wohl gemacht hatte. Letzte Woche haben wir ein Ereignis studiert, das einen tiefen Einschnitt in Jesu Wirken markiert. Um kurz zu rekapitulieren: wir haben in Kapitel 6 studiert, wie Jesus eine Konferenz der besonderen Art veranstaltet hatte. Geschätzte 10-20.000 Menschen hatten Jesu Wort gehört und sein Brot gegessen. Diesen Menschen hatte Jesus klar gezeigt, dass sie für das rechte Lebensziel leben sollten. Und der Herr Jesus selbst hatte sich ihnen als das Brot vom Himmel und das Brot des Lebens offenbart. Aber die Predigt kam gar nicht gut an. Jesu Worte trafen auf versteinerte Herzen. Und Jesus wurde auf breiter Front abgelehnt. Wir wissen nicht, wie viele Menschen Jesus vorher nachgefolgt waren. Aber wir wissen, dass der allergrößte Teil dieser Menschen Jesus desertierte. Und wir haben letzte Woche gehört, wie Jesus sich an die Zwölf wandte und sie fragte: „Wollt ihr auch weggehen?“ Eine bessere Übersetzung aus dem Griechischen würde lauten: „Ihr wollt nicht auch weggehen, oder?“ Es war eine Frage, die aus einem gebrochenen Herzen kam. Es musste Jesus unendlich geschmerzt haben, dass fast alle seiner Jünger sich von ihm abgewandt hatten, voller Enttäuschung und Leere. Die Zwölf hingegen hielten Jesus die Treue. Und um diese 12 Jünger kümmerte sich Jesus besonders intensiv. Das war es vermutlich, was Jesus die letzten 6 Monate getan hatte.

Im heutigen Text studieren wir den Auftakt zu Jesu Besuchs des Laubhüttenfests. Wir haben heute zwei Abschnitte. Wir sehen im ersten Teil, dass Jesus immer nach Gottes Zeit handelte. Und wir sehen im zweiten Teil, wie Jesus die ungläubigen Juden dazu aufforderte rechtes Urteil zu fällen. Ein rechtes Urteil braucht eine rechte Grundlage. Worauf sollte ihr Urteil basieren? Der heutige Text zeigt uns die absolute Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von Jesu Worten und Werken. Das in aller Klarheit zu zeigen, ist das Ziel dieser Predigt. Der Text möge uns dabei helfen, aufgrund dieser Tatsachen rechtes Urteil über die Person Jesu Christi zu fällen.

Teil 1 Jesu Zeit (1-13)

Betrachten wir den Text. Jesus zog in Galiläa umher und nicht in Judäa. Wir erfahren in Vers 1 auch den Grund dafür: die Juden trachteten nach dem Leben Jesu. Wer sind die Juden? Wenn der Evangelist Johannes das Wort „Juden“ gebraucht, dann bezieht er sich fast immer auf die religiösen Leiter. Es bezieht sich auf diejenigen, die im Zentrum der jüdischen Religionsgemeinschaft standen. Es waren diejenigen, die sowohl religiös als auch politisch das Sagen hatten. Und diese Menschen hassten Jesus. Aus ihrem Hass waren Mordabsichten geworden. Woran lag das? Später im Text sehen wir, wie Jesus sich auf ein spezifisches Ereignis bezog. Es war die Heilung des Gelähmten am Teich Betesda. Für alle vernünftig denkenden Menschen war das ein übernatürliches Wunder, das Gottes Allmacht und Gottes Liebe widerspiegelte. Für die Juden hingegen war es eine Verletzung des Sabbatgebotes. Wir haben des Weiteren ausführlich betrachtet, wie Jesus den Anspruch erhob und verteidigte, dass er Gottes Sohn ist. Damit war die Feindschaft für die Juden eindeutig beschlossene Sache. Diesen Mordabsichten ging Jesus aus dem Weg. Er tat dies, indem er ein halbes Jahr aus Judäa fernblieb.

Sehen wir uns Vers 2 an. Das Laubhüttenfest stand vor der Tür. Was für ein Fest war das? Das Laubhüttenfest war eines der drei großen Hauptjahresfeste. Es sollte am fünfzehnten Tag des siebten Monats begonnen werden und eine Woche lang gefeiert werden. In unserem Kalender wäre das ungefähr die Zeit von September bis Oktober. Es fand zur Zeit der Trauben- und Olivenernte statt. Es war ein richtig fröhliches und volkstümliches Fest. Laut Josephus war es bei den Juden das beliebteste Fest, nicht so ernst und bedrückend wie das Passafest. Nach 6 Monaten war also die Zeit gekommen, wieder nach Jerusalem zu pilgern.

Zu diesem Zeitpunkt kamen die leiblichen Brüder auf Jesus zu. Sie sagten ihm: „Mach dich auf von hier und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du tust. Niemand tut etwas im Verborgenen und will doch öffentlich etwas gelten. Willst du das, so offenbare dich vor der Welt.“ Die Brüder forderten Jesus dazu, nach Judäa zu gehen, weil dort die Hauptstadt Jerusalem, der Tempel und das Zentrum jüdischer Geschichte, Kultur und Politik waren. Jesu Jünger sollten dort seine Werke zu sehen bekommen, die er tat. Hier beziehen sich die Jünger nicht auf die Zwölf, denn das würde keinen Sinn ergeben. Vermutlich bezog es sich auf Jünger, die Jesus in Judäa hatte, vielleicht auf die Menschen, die Jesus bei seinen vorigen Reisen nach Jerusalem erlebt hatten. Weiterhin sagten sie, dass Jesus nicht so im Verborgenen wirken sollte. Sie sagten sozusagen: „Du erhebst doch den Anspruch, was Besonderes zu sein. Dann kannst du doch nicht einfach hier in Galiläa rumgammeln. Geh doch in die Öffentlichkeit! Offenbare dich vor der Welt!“ Wenn wir die Worte der Brüder Jesu oberflächlich betrachten, dann klingt das alles, sehr vernünftig, oder? Ganz offensichtlich meinten sie es doch nur gut mit ihm! Und sie hatten ein Herz für seine Jünger, die in Judäa waren.

Aber was lesen wir in Vers 5? „Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.“ Der Evangelist ging hier auf ihre unlautere Haltung ein. Ihre Worte kamen nicht aus Glauben sondern aus Unglauben. Weil sie aus Unglauben sprachen, konnten ihre Motive schon einmal gar nicht gut sein. Was stimmte noch nicht mit ihren Worten? Es sind verschiedene Dinge. Zum einen, ihre Worte waren anmaßend. Sie sagten: „Mach dich auf von hier und geh nach Judäa.“ Das war eine Aufforderung. Es klingt wie ein Befehl. Ich weiß nicht, was für ein Umgangston ihr mit euren Geschwistern habt, aber noch nicht einmal Esra spricht so mit mir. Und hier standen die Brüder vor dem Befehlshaber aller himmlischen Heerscharen, dem Richter aller Lebenden und Toten, dem König aller Könige und dem Herrn aller Herren, und sie sagten: „Mach dich auf von hier und geh nach Judäa.“ Sie sagten sozusagen: „Hey Bruderherz, wir wissen es besser als du. Wir wissen, was du tun musst, um es nicht wieder zu vermasseln. Also auf nach Judäa!“ Wie anmaßend ist das! Wie geringschätzig gegenüber der Person Jesu!

Wir sehen zum anderen ihre Achtlosigkeit und Fahrlässigkeit im Bezug auf Jesu Leben. In Judäa stand Jesu Leben unter akuter Gefahr. Die religiösen Führer des Landes warteten nur darauf, dass Jesus ihnen ins Netz lief. Überall hatten sie Fahndungsfotos von Jesus aufgehängt. Sie wollten ihn lieber heute als morgen tot sehen. Wenn die Brüder Jesus schon mit neunmalklugen und dreikäsehohen Sprüchen daherkamen, hätten sie nicht wissen müssen, wie explosiv die Stimmung in Jerusalem war? Hätten sie nicht wissen müssen, dass es Leute gab, die Jesus hassten und ermorden wollten? Wie achtlos und fahrlässig, Jesus in diesen Hexenkessel zu schicken! Voller Leichtsinnigkeit hätten sie Jesus ins Verderben gestürzt.

Wir könnten noch vieles mehr sagen. Aber einen letzten Punkt zu den Worten der Brüder Jesu. Wir haben in Vers 5 gelesen, dass die Brüder nicht an Jesus glauben. Aber doch sprachen sie von Zeichen. Denn das ist es, was sie in Vers 3 mit „die Werke“ meinten. Sie hatten also doch eine Art von Glauben. Sie müssen geglaubt haben, dass Jesus Zeichen und Wunder tun kann. Und doch sagt Verfasser Johannes, dass sie nicht an Jesus glaubten. Was ist hier also gemeint? Die Sache mit Jesu Wundern ist, dass Jesu Wunder immer eine Botschaft haben. Deshalb nennen wir seine Wunder Zeichen. Als Jesus auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte, da offenbarte er sich als der wahre göttliche Bräutigam, der Gnade um Gnade gibt. Als Jesus den Sohn des königlichen Beamten heilte, offenbarte er sich als Gott, der durch sein Allmachtswort wirkte und waltete, wie er wollte. Als Jesus die Fünftausend mit fünf Broten und zwei Fischen speiste, offenbarte er sich als das Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen war, um den Seelenhunger der Menschen satt zu machen. Jedes Wunder Jesu hatte immer eine Botschaft. Die Brüder aber sahen nur die Wunder, die äußere Hülle, und verkannten die Botschaft. Und auf diese Weise hatten sie den Kernpunkt und die Essenz der Persönlichkeit Christi verkannt, nämlich dass er Gottes Sohn ist.

Wie antwortete Jesus ihnen? Lesen wir gemeinsam Vers 6. „Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit ist allewege.“ Jesus antwortete ihnen, dass seine Zeit noch nicht gekommen war. Im Griechischen gibt es mindestens zwei Wörter für Zeit, und zwar chronos und kairos. Chronos bezieht sich auf den starr verlaufenden, sequentiellen Zeitverlauf. Wir kennen diesen Ausdruck vom Wort Chronologie. Kairos hingegen bezieht sich auf den rechten Zeitpunkt, die ideale Gelegenheit, der perfekte Moment für etwas. Als Jesus sagte, dass seine Zeit noch nicht gekommen war, gebrauchte er das Wort kairos. Seine vollkommene Stunde war noch nicht gekommen. Weiter sagte er: „eure Zeit ist allewege.“ Was meinte er damit? Als er seinen Brüdern sagte, dass seine Zeit noch nicht gekommen war, sagte er ihnen, dass er nach einem göttlichen Zeitplan handelte. Er sagte ihnen sozusagen: „Ich handle gemäß Gottes souveränen Plan. Jede Sekunde meines Lebens ist im vollkommenen Einklang mit Gottes Zeitplan. Ihr hingegen seid nicht seiner Souveränität unterstellt. Ihr habt überhaupt keinen göttlichen Zeitplan. Und weil ihr nur nach eurem Gutdünken handelt, gibt es für euch nicht den perfekten Zeitpunkt.“

Was sagte Jesus ihnen weiter? Vers 6: „Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber hasst sie, denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind.“ Das Problem mit den leiblichen Brüdern Jesu war nicht nur, dass sie nicht der Souveränität Gottes unterstellt waren. Ihr Problem war auch, dass sie ganz der Welt gehörten. Die Welt konnte sie nicht hassen, weil sie von der Welt waren. Jesus hingegen stand im krassesten Kontrast mit der Welt. An seinem heiligen Leben konnte jeder Mensch ablesen, wie böse, wie korrupt, wie unmoralisch und wie gefallen die Welt war. Und das war etwas, was sie überhaupt nicht abhaben konnten. Deshalb hassten sie Jesus. Schließlich sagte Jesus seinen Brüdern: „Geht ihr hinauf zum Fest! Ich will nicht hinaufgehen zu diesem Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt!“ Mit diesen Worten sandte Jesus seine Brüder zum Fest. Er selbst hingegen blieb in Galiläa, bis die Zeit für ihn erfüllt war.

Was können wir von Jesus lernen? Jesus lebte nach dem Zeitplan Gottes und ganz im Einklang mit Gottes Ratschluss. Sein Leben war nicht geprägt von Willkürlichkeit. Es war nicht geprägt von Lust und Laune. Es gab in Jesu Leben Ruhe und Pausen aber keine Faulheit. Jesu Leben war ein Musterbeispiel an Effizienz, eine in dieser Form unerreichte Perfektion im Zeigmanagement, eine vollkommene Aneinanderreihung von Ereignissen, in welcher Jesus in der besten Situation immer das Optimum und Bestmöglichste vollbrachte. Jesu ganzes Leben folgte Gottes perfektem ewigem Plan. Wie ist es mit unserem Leben? Es gab einmal einen Architekten, dessen Entwurf und Baupläne die Grundlage für ein Gebäude werden sollten. Aber dann verletzte sich der Architekt schwer. Er kam ins Krankenhaus. Er selbst war nicht mehr in der Lage, die Baurarbeiten mitverfolgen und anzuleiten. Erst nach dem Ende des Baus kam er dazu, das fertige Gebäude zu inspizieren. Und als er das Gebäude sah, sagte er voller Bewunderung: „Genau so, wie ich es geplant hatte!“ Wie wundervoll wäre es, wenn wir in Gottes Ewigkeit eintreten und Gott zu uns diese Worte sprechen könnte: „Dein Leben war ganz nach meinem Plan!“ Apostel Paulus sagte in Kolosser 4,5: „und kauft die Zeit aus.“ Epheser 5,16: „kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit.“ Psalm 31,16: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“

Einige mögen fragen: ist es nicht ein Zwang, immer nur nach Gottes Plan zu leben? Ist es nicht Zwang, alle Zeit für Gott aufzuwenden? Schränkt das nicht alle unsere Freiheiten ein? Macht uns das nicht zu willenlosen Robotern? Wie können wir also die Zeit auskaufen und allezeit nach Gottes Plan leben so wie Jesus es tat? Wir finden die Antwort etwas später im Text. Jesus suchte allezeit die Ehre Gottes. Wenn die Verherrlichung Gottes unser Lebensmotiv ist, dann tun wir von selbst, was er uns angedacht hätte. Wenn die Ehre Gottes die treibende Kraft unseres Lebens in Christus ist, dann folgen wir ganz automatisch dem Zeitplan Gottes. Und Gottes Plan zu folgen ist dann nicht Zwang. Es beraubt uns nicht unserer Freiheit. Im Gegenteil. Gottes Plan geht völlig natürlich aus unserem Leben hervor. Und indem wir die Freiheit leben, die wir in Christus haben, erfüllen wir ganz von selbst Gottes Masterplan.

Betrachten wir weiter den Text. Jesus ging zum Fest hinauf, aber heimlich. Beim ersten Besuch in Jerusalem hatte Jesus den Tempel geräumt. Beim zweiten Besuch war Jesus öffentlich als Pilger aufgetreten. Und er hatte bei dieser Gelegenheit den Gelähmten geheilt. Aber beim dritten Besuch kam Jesus heimlich und unerkannt. Die religiösen Leiter auf dem Fest suchten Jesus. Wir sehen im Vers 12 die Diskussion, die Jesus entfacht hatte. „Und es war ein großes Gemurmel über ihn im Volk. Einige sprachen: Er ist gut; andere aber sprachen: Nein, sondern er verführt das Volk.“ Die Person Jesus Christus spaltete die Volksmenge. Einige waren ihm gegenüber positiv gesinnt: „ein guter Mensch.“ Andere waren ihm gegenüber negativ eingestellt: „ein Verführer des Volkes.“ Wer von ihnen hatte Recht? Die Antwort lautet: sie hatten beide Unrecht. Jesus war nicht einfach nur ein guter Mensch, und er war schon gar nicht Verführer.

Wer ist dieser Jesus Christus? Kann man ihm vertrauen? Kann man sein Werk, seine Worte und seine Person testen? Wir kommen mit diesen Fragen zum zweiten Teil.

Teil 2 Gerecht richten (14-24)

Wir haben gesehen, dass Jesus immer nach Gottes Zeitplan handelte. Wann war Gottes Zeit für Jesus erfüllt, öffentlich auf dem Fest zu wirken? Lesen wir gemeinsam den Vers 14. „Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte.“ Mitten im Fest, d.h. am dritten oder vierten Tag trat Jesus schließlich auf. Und Jesu tat kein spektakuläres Zeichen. Er ging einfach in den Tempel. Dort fing er an zu lehren. Wir wissen nicht genau, was Jesus predigte. Aber seine Predigt musste voller Kraft und Leben gewesen sein. Seiner Autorität und Vollmacht hatte niemand etwas entgegen zu setzen.

Wie nahmen aber die religiösen Leiter seine Worte auf? Vers 15 sagt: „Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift verstehen, wenn er es doch nicht gelernt hat?“ Wortwörtlich heißt es hier: „Wie kann dieser die Schrift lesen?“ Ihre Frage war nicht wohlwollend gemeint, wie zum Beispiel: „Wow! Ohne Theologiestudium eine solche Predigt halten! Das zeugt wirklich von göttlicher Weisheit. Respekt!“ So war es definitiv nicht gemeint, denn wenig später lesen wir, dass sie ihn töten wollten. Sie hassten ihn. Ihre Worte waren definitiv als harsche Kritik zu verstehen. Was sie meinten war folgendes: „Wie kann er es wagen, hier im Tempel eine solche Predigt zu halten? Er hat bei keinem einzigen unserer theologischen Professoren Unterricht genommen. Er hat noch nicht einmal einen Bachelor-Abschluss, geschweige denn einen Master- oder Doktortitel!“ Was sie ihm vorwarfen, war, dass er für das, was er sagte, kein Fundament hatte. Und sie stellten die Wahrheit seiner Aussagen in Frage.

Jesus gab klare Belege dafür, dass seine Worte und seine Person absolut vertrauenswürdig und glaubwürdig waren. Wir finden im heutigen Text drei große Belege. Erstens, die Tatsache, dass seine Lehre von Gott war, zweitens, Jesu Verpflichtung der Ehre Gottes gegenüber, drittens, Jesu Verpflichtung dem Gesetz des Alten Testaments gegenüber.

Erstens, die Tatsache also, dass Jesu Lehre von Gott war. Lesen wir gemeinsam Jesu Antwort in Vers 16: „Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.“ Die Juden hatten Jesus gerade vorgeworfen, dass er nicht gelehrt war. Sie hatten Jesus damit indirekt vorgeworfen, dass seine Worte einfach nur seiner Fantasie entsprungen waren. Und hier stand nun Jesus und bekannte ihnen: „Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.“ Oder um es noch eine Spur deutlicher zu sagen: „Meine Lehre ist von Gott.“ Die Juden müssen in ihren schönen Gewändern einen kleinen Kollaps erlitten haben. Wie muss das die Juden geärgert haben, als sie diese Worte gehört hatten! Ihre ganze Kritik war ausgehebelt! Die Juden waren alle stolz darauf, Moses Jünger zu sein. Jesu Lehre stammte aber von Gott ab, der Urheber von allen Worten Moses. Die Juden waren stolz darauf, Abrahams Kinder zu sein. Aber Jesus kam von Gott selbst her, der Abraham erst zu dem gemacht hatte, wofür ihn die Juden verehrten. Jesus hatte einen sehr anerkannten Lehrer. Es war die beste rabbinische Schule des Universums. Hiermit war Jesu Lehre über alle menschliche Weisheit erhaben. Jesu Worte waren über alle Kritik erhaben. Weil seine Lehre göttlichen Ursprungs war, waren seine Worte absolute, unantastbare, ewige Wahrheit.

Aber Jesus blieb nicht nur bei dieser gewaltigen Aussage. Er sagte ihnen, dass diese Tatsache sogar erfahrbar und testbar war. Lesen wir auch den Vers 17 gemeinsam: „Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.“ Hier ist Jesus Einladung, seine Wahrheit zu testen. Jesus sagte hier, dass alle diejenigen, die einen aufrichtigen Wunsch haben, Gottes Willen zu tun, die Fähigkeit haben zu erkennen, ob Jesu Lehre wirklich von Gott war. Mit anderen Worten sagte Jesus hier, dass die Erkennbarkeit seiner Wahrheit von der Aufrichtigkeit des menschlichen Herzens abhängt. Und wir sehen viele Beispiele in der Schrift, dass es sich wirklich so verhält. In Markus 14 sehen wir wie Jesus vor dem Sanhedrin verhört wurde. Wir lesen da: „Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen?“ Nur wenig später wurde Jesus von Pilatus verhört. Johannes 19 berichtet darüber: „Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus…“ Vor wenigen Monaten haben wir studiert, wie Jesus einer gebrochenen Frau am Brunnen in Samarien begegnete. Wie die Frau sagte: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt, Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.“

Und wie Jesus voller sanftmütiger Kraft und Überzeugung zu ihr sagte: „Ich bin’s, der mit dir redet.“ Auf der einen Seite sehen wir einen Hohenpriester, der höchste Repräsentant jüdischer Religion, der Jesus für einen Lästerer hält und seine Kleider zerreißt. Wir sehen des Weiteren einen römischen Politiker, der vor der personifizierten Wahrheit steht und rhetorisch fragt: „Was ist Wahrheit.“ Und wir sehen auf der anderen Seite eine gebrochene, sündige Frau, die beim Gespräch mit Jesus Christus in der Gegenwart der monumentalsten Selbstoffenbarung stand und das erkannte. Die Wahrheit in Christus zu erkennen hat nichts mit religiöser Bildung oder politischer Stellung zu tun. Es hat allein mit der Beschaffenheit unseres Herzens zu tun. Wenn wir den aufrichtigen Wunsch haben, Gottes Willen zu tun, haben wir die idealen Vorrausetzungen dafür, die Wahrheit in Christus zu erkennen. Jesu Wahrheit ist daher in jeder Hinsicht testbar und erfahrbar. Hier ist also der erste Punkt: Jesus Lehre ist von Gott, und die Erkennbarkeit von Jesus und seiner Wahrheit hängt allein von der Aufrichtigkeit, Unvoreingenommenheit und Ehrlichkeit unseres Herzens ab.

Wir sehen als zweites, Jesus Verpflichtung der Ehre Gottes gegenüber. Lesen wir Vers 18 gemeinsam: „Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.“ Hier war ein weiteres Indiz für Jesus Authentizität. Und das war Jesu Selbstlosigkeit. Vor einigen Jahren gab es eine Fernsehserie namens Friends. In einer Sendung beweist einer der Charaktere eine fundamentale Wahrheit, nämlich dass es keine selbstlosen guten Werke gibt. Und niemand in der Sendung ist in der Lage eine selbstlose gute Tat vorzuweisen. Vor eineinhalb Wochen habe ich in Boston das Ragon Institut besucht. Das Institut ist eine Kollaboration von MIT, MGH und Harvard. Jetzt ratet mal, warum das Ragon Institut so heißt. Ein Multimilliardär namens P. T. Ragon sponsert dieses Institut mit 10 Millionen Dollar jährlich und das für 10 Jahre. Dafür trägt dieses Institut seinen Namen. Das ist jetzt überhaupt nicht als Kritik zu verstehen. Es ist selbstverständlich alles für einen guten Zweck. Aber es zeigt, dass Menschen letzten Endes doch ihre eigene Ehre suchen. Alle falschen Propheten suchten ihre eigene Ehre. Falsche Lehrer suchten ihre eigene Ehre und auch Geld. Aber wie war es bei Jesus?

Jesus war absolut selbstlos. Er suchte niemals seine eigene Ehre, sondern immer die Ehre Gottes. Wie selbstlos ist Jesus! Er suchte niemals die Anerkennung von Menschen. Er suchte niemals das Geld der anderen. Wir sehen seine Armut, als er bekannte: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ Wir sehen seine Dienerschaft, als er seinen Lehrlingen seinen Dienern, die ihn ihren Meister nannten, die Füße wusch. Wir sehen seine Selbstlosigkeit in der Tatsache, dass er ein Lamm war, wenn es um seine Angelegenheiten ging, und ein Löwe, wenn es um die Ehre Gottes ging. Wir sehen seine restlose Aufopferung, als er am Kreuz betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus hat sich niemals an Menschen bereichert. Er war der einzige Mensch, der mit allem, was er hatte und was er war, restlos selbstlos der Ehre Gottes verpflichtet war. Alles das machte ihn absolut glaubwürdig und authentisch. Er war der einzige, auf dem sein Wort in vollstem Maße anwendbar war: „wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.“ Jesus war In der Tat absolut wahrhaftig. Keine Ungerechtigkeit war in ihm. Hier ist also der zweite große Beweis für die Glaubwürdigkeit Jesu.

Wir sehen als drittes, Jesus Verpflichtung dem Gesetz gegenüber. Weiter sprach Jesus in den folgenden Versen über das Gesetz. Vers 19: „Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben? Und niemand unter euch tut das Gesetz. Warum sucht ihr mich zu töten?“ Jesus stand Auge in Auge mit seinen Todfeinden. Schonungslos deckte er ihre Mordgelüste auf. Die religiösen Leiter waren mit Haut und Haaren dem Gesetz Moses verpflichtet. Schon öfter haben wir erwähnt, dass sie allesamt Mose-Fans waren. Moses Gesetz bis aufs I-Tüpfelchen zu erfüllen war ihre ganze Leidenschaft. Und nun sagte Jesus ihnen: „Habt ihr nicht was vergessen? Zum Beispiel das Gebot: Du sollst nicht töten?!?“

Das Volk antwortete mit einer Beschimpfung: „Du bist besessen;“ es kann auch übersetzt werden mit „du bist wahnsinnig!“ Und weiter sagten sie: „wer sucht dich zu töten?“ Jesus hätte hier ganz klar sagen können: „Der Pharisäer rechts von dir. Und der Priester dort drüben. Und die ganzen Anhänger hier auf der linken Seite.“ Aber das tat er nicht. Stattdessen sprach er weitere falsche Abweichungen vom Gesetzes an. Die Juden verfolgten Jesus wegen der Heilung des Gelähmten am Sabbat. Und jetzt zeigte ihnen Jesus, dass seine Heilung absolut mit dem Gesetz vereinbar war. „Mose hat euch doch die Beschneidung gegeben – nicht dass sie von Mose kommt, sondern von den Vätern -, und ihr beschneidet den Menschen auch am Sabbat. Wenn nun ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, was zürnt ihr mir, weil ich am Sabbat den ganzen Menschen gesund gemacht habe?“ Es war im Gesetz festgelegt, dass ein neugeborener Junge am achten Tage beschnitten werden sollte. Wenn das Kind am Sabbat geboren wurde, (was statistisch ungefähr bei einem von sieben Jungen der Fall war), dann musste er am Sabbat beschnitten werden. Und das wurde geduldet. Wenn nun dieser chirurgische Eingriff, der den männlichen Babys keine unmittelbaren Vorteile brachten, am Sabbat erlaubt war, warum sollte dann nicht die Heilung eines ganzen Menschen erlaubt sein, die ihm ein ganz neues Leben und eine ganz neue Lebensqualität schenkten? Jesus konnte ganz klar begründen, weshalb die Heilung des Gelähmten am Sabbat absolut konform mit den Gesetzen des Moses war.

Was zeigte Jesus dadurch noch auf indirekte Weise? Jesus offenbarte seine Verpflichtung dem Gesetz gegenüber. Mit Leib und Seele hielt Jesus das Gesetz. Er gehorchte dem Gesetz allezeit. Er selbst war der Urheber des Gesetzes. Jesus hob das Gesetz also niemals auf. Im Gegenteil, er hob das Gesetz auf eine höhere Ebene. Und auf indirekte Weise machte Jesus deutlich, dass es die superreligiösen Juden waren, die im ständigen Gesetzesbruch lebten und nicht er. Jesus war also absolut konsistent mit den alten Schriften. Wir finden in Christus eine völlige Harmonie zwischen Altem und Neuem Testament. Sein Leben ist frei von jeglichen Diskrepanzen und Widersprüchen zum Gesetz. Das ist also der dritte Punkt, dass Jesus ganz dem Gesetz verpflichtet war.

Wir haben drei klare Indizien für Jesu Authentizität gesehen. Seine Lehre stammt von Gott und besteht jeglichen Test. Jesus ist völlig selbstlos der Ehre Gottes verpflichtet. Und Jesus war dem Gesetz verpflichtet und somit völlig im Einklang mit allen Schriften des Alten Testaments. Nachdem Jesus diese drei Indizien gegeben hatte, forderte er die Juden auf: „Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht.“ Es ist so einfach ein oberflächliches Urteil zu treffen. Aber gerade die herrliche, umfassende, unendlich profunde Persönlichkeit Jesu verdient es, dass man sich tiefgehend mit ihr beschäftigt. Jesus verdient es nicht, oberflächlich abgetan zu werden. Er verlangt, dass wir zu ihm kommen mit ehrlicher und aufrichtiger Herzenshaltung. Er verlangt ein Herz, das ihm gegenüber ehrlich und aufrichtig ist. Ein Herz, das den Willen Gottes tun will. Die Juden sahen in Jesus nur den Sohn eines Zimmermanns. Sie sahen in ihm einen Lästerer. Sie richteten Jesus vorschnell nach dem, was vor ihren Augen war: seine menschliche Gestalt, seine Armut, das Fehlen politischer Ambitionen, die Tatsache, dass er nicht ihren Erwartungen, Vorstellungen und Wünschen entsprach. Sie trafen letztendlich ein falsches Urteil, ein ungerechtes Urteil und ein unlauteres Urteil.

Lesen wir noch einmal den Vers 24. „Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht.“ Der Herr Jesus lädt uns ein, ein Urteil über ihn zu treffen. Es ist so lebenswichtig, hier das richtige Urteil zu treffen. Keine andere Entscheidung im Leben ist wichtiger. Zu welchem Schluss wirst du kommen? Wirst du zum Schluss kommen, dass Jesus den Test der Zeit bestanden hat? Dass uns seine Lehren wirklich etwas zu sagen haben, weil sie von Gott kommen? Dass seine Worte den Kern aller menschlichen Probleme treffen wie ein Pfeil ins Herz trifft? Dass Jesus allein Weg, Wahrheit und Leben ist und die einzige und hundertprozentige Lösung auf alle unsere Probleme? Dass Jesu Leben, Tod und seine Auferstehung allein zur Verherrlichung und Ehre Gottes und zu unserer Errettung geschahen? Dass daher der Herr Jesus Christus alle unsere Bewunderung, unsere Anerkennung und unsere Anbetung verdient? Dass Jesus mehr als jede andere Person im Universum unser Herz, unsere erste Liebe und unseren Lob verdient?

Es war das Ziel dieser Predigt, euch diesen Jesus Christus zu verkündigen. Möge Gott uns helfen, ein rechtes Urteil über ihn zu treffen.

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3 Gedanken zu „Predigt: Joh 7,1-24#8220;

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    Mike

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