Predigt: Joh 6,22-51

Download

Ich bin das Brot des Lebens

„Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

(35)

Letzte Woche haben wir zwei weitere Zeichen Jesu betrachtet, nämlich die Speisung der Menge und Jesu Laufen auf dem See. Vor allem durch die Speisung hat sich Jesus selbst offenbart. Er hat ein jammerndes Herz für die verlorenen Schafe. Neben seiner Barmherzigkeit offenbarte Jesus seine Allmacht, denn niemand sonst kann mit fünf Broten und zwei Fischen eine gewaltige Menge speisen. Die Speisung hat somit Jesu göttliche Herkunft bewiesen, er hat die Barmherzigkeit und die Allmacht Gottes. Doch die Reaktion der Menge war nicht angemessen. Sie wollten Jesus zu ihrem „Brotkönig“ machen. Heute erfahren wir, dass sie Jesus gerne als einen zweiten Mose eingesetzt hätten. Ihr Ziel war so eindeutig wie falsch: Sie wollten Brot, wie das tägliche Manna in der Wüste. Doch Jesus kannte ihr falsches Ziel und er hat alles unternommen, um sie zum wahren Ziel zu führen. Das falsche Ziel, das die Israeliten damals verfolgten, verfolgen die meisten Menschen auch in unserer Zeit. Somit ist die Botschaft Jesu brandaktuell, denn auch wir brauchen unbedingt das richtige Ziel des Lebens. Möge Jesus uns mit seiner Botschaft reichlich segnen.

Teil 1: Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist (22-34)

Was taten die Menschen einen Tag nach der Speisung? Betrachten wir die Verse 22-25. Einige machten sich auf die Suche nach Jesus. Sie hatten gesehen, wie die Jünger ohne Jesus über den See gefahren waren und es gab nur ein Boot. Aber Jesus war nicht dort, wo die Speisung stattgefunden hatte. Also fuhren sie zu den Jüngern, um Jesus bei ihnen zu finden; und tatsächlich, Jesus war in Kapernaum, bei seinen Jüngern. Und das verblüffte den Suchtrupp, denn sie hatten Jesus nicht über das Wasser laufen sehen und wunderten sich, dass er ohne Boot bei den Jüngern angekommen war.

Wenn wir die ersten Verse betrachten, sehen wir, mit welchem Eifer die große Suchaktion durchgeführt wurde. Die Menschen wollten Jesus um jeden Preis finden und scheuten keine Mühe. Ihre Freude, Jesus endlich gefunden zu haben, muss groß gewesen sein. Wie aber hat Jesus auf ihre Anfrage reagiert? Betrachten wir Vers 26: „Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.“ Jesus kannte ihr Anliegen. Sie waren nicht wirklich an seine Person interessiert, vielmehr wurden sie von ihren knurrenden Mägen angetrieben. Wenn wir Vers 26 mit Vers 2 vergleichen, als die Menschen gekommen waren, weil sie die Zeichen gesehen hatten, stellen wir fest, dass ihre Suche an geistlichem Niveau verloren hat. Paradox dabei ist, dass sie durch ein göttliches Zeichen an geistlichem Interesse verloren hatten. Viele behaupten, sofort glauben zu können, wenn sie doch nur die damaligen Zeichen miterleben könnten, doch das damalige Volk repräsentiert das Wesen der Menschheit, trotz eindeutiger Zeichen und unleugbare Beweise, die eigenen Interessen zu verfolgen.

Trotz der enttäuschenden Motive des Volkes, sandte Jesus sie nicht fort, sondern suchte ihnen wahrhaftig zu helfen. Wie sah Jesu Hilfe aus? Lesen wir Vers 27: „Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.“ Was war das Problem der Juden? Mangelndes geistliches Interesse ist ihnen deshalb nicht vorzuwerfen, weil sie das Volk Gottes waren, weil sie die Schrift, das Gesetz und die Propheten kannten und unter allen Völkern der Erde Experten in geistlichen Angelegenheiten waren. Außerdem braucht jeder Brot und Nahrung. Auch wir freuen uns auf Mahlzeiten, z.B. nach dem Gottesdienst. Was also war das Problem? Das Problem war eine verkehrte Werteordnung in ihren Herzen. Ihre Gier, ihre Begierde nach dem Brot verdrängte ihre geistliche Sehnsucht. Jesus aber sprach: „Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben.“

Wir sehen, dass Jesus gleich zu Beginn der Begegnung das Ziel der Menschen ändern wollte. Warum sollte es zu aller erst geschehen? Der Grund ist, dass das Ziel im Leben eines Menschen, seinen gesamten Wandel prägt. Wenn jemand bspw. eine große musikalische Karriere anstrebt, z.B. in einem Orchester oder für ein Soloinstrument, dann wird er versuchen seine Finger zu schützen und gefährliche Sportarten vermeiden (Er wird z.B. kein Volleyball spielen. Auch Fußball kann bekanntlich gefährlich sein. Ein bekannter Pianist spielt z.B. mit Boxhandschuhen Fußball, um seine Hände zu schützen). Oder wenn sich eine Jugendliche in den Kopf setzt, Top-Modell zu werden, wird sie keinen großen Wert auf Schulbildung legen, sondern versuchen, so früh wie möglich ins Rampenlicht zu gelangen. Ein Wissenschaftler hingegen benötigt einen soliden Bildungsweg. So beeinflussen unsere Ziele unseren Alltag.

Jesu entscheidende Hilfe besteht darin, den Menschen von falschen Zielen abzubringen. Brot steht repräsentativ für alle Wege und Ziele in dieser Welt. Sie alle haben ein Charak­ter­merkmal. Sie sind einfach gesprochen, alle vergänglich. Brot vergeht, sogar Haus und Auto vergehen mit der Zeit, aber auch alle sonstigen Errungenschaften wie weltliche Autorität, Ruhm und Ehre sind vergänglich. Lohnt es sich dann, für vergängliche Ziele zu arbeiten, für Vergänglichkeiten zu leben?

In der Tat wäre es tragisch, wenn wir das Ziel unseres Lebens in dieser Welt setzen würden. In der mikroöknomischen Theorie hat jeder Haushalt bzw. jedes private Individuum eine Zielfunktion, die er maximiert, nämlich seinen Nutzen. Unter Berücksichtigung der individuellen Präferenzen und Nebenbedingungen entspringt das optimale Güterbündel. Unternehmen haben analog dazu ebenfalls eine Zielfunktion, die sie maximieren, nämlich den Gewinn. Daraus entspringt ihr Gewinnmaximierungskalkül. Das ist das Bild des homo ökonomikus, des rationalen Menschen, aus der Wirtschaft. Doch sind Geld und Güter hinreichend für das Glück des Menschen? Jeder Erwerbstätige arbeitet hart, um ein geregeltes Einkommen zu erzielen und hat dabei wenig Urlaubstage im Jahr. Die Rente kommt erst im hohen Alter und keiner weiß wie hoch sie sein wird (sehr hoch jedenfalls nicht). Da ist nun das hart erarbeitete Einkommen, das allerdings versteuert und mit reichlichen Abgaben belastet wird. Was bleibt? Das Nettogehalt. Dafür hat man einen Monat lang geschuftet und wie schnell ist auch das weg, nicht wahr? Allein die Ausgaben für Nahrungsmittel verschlingen einen etlichen Teil. „Warum ist am Ende des Einkommens noch soviel Monat übrig?“ fragte ein Student in einem Internetportal. Sowohl das Einkommen, als auch die Nahrungsmittel und alles Sonstige wie Kleidung usw. das wir uns kaufen können, verschwinden mit der Zeit, mal früher, mal später. Und dafür soll der Mensch gelebt haben? Für Dinge, die letztendlich vergehen? Dass der Mensch für falsche Ziele lebt, liegt auf der Hand. Doch Gott sei Dank, müssen wir so ein Leben nicht führen. Hören wir was Christus sagt: „Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben.“

Aus diesem Grund spielt das wahre Lebensziel eine entscheidende Rolle im Leben eines Menschen. Denn wenn das Ziel-Problem nicht gelöst wird, ist es kaum möglich einem Menschen nachhaltig zu helfen. Dann kann Jesus die himmlischsten Worte verkünden und die unglaublichsten Werke vollbringen, der Mensch aber verfolgt stur sein eigenes Ziel und überhört und übersieht alles Geschehene. Deshalb ruft Jesus zur Umkehr. Menschen sollen für ihr Falsches Lebensziel Buße tun.

Welches Problem könnte analog bei uns auftreten? Auch wir haben Gemeinsamkeiten mit den Israeliten. Auch wir lieben gutes und leckeres Essen. Und wir sind zum Volk Gottes geworden. Nun sind wir Experten in geistlichen Belangen und beten dafür ein Segen für alle Völker zu sein. Und auch wir haben als Hirten oder Missionare die Entscheidung getroffen, unser Leben dem Werk Gottes hinzugeben. Und jeder hat seine alltäglichen Aufgaben, mit denen er Gott die Ehre gibt. Einige sind Studenten, andere lernen Deutsch, die meisten sind berufstätig. Doch die Gefahr ist, dass nicht Gott, sondern unsere momentane Aufgabe, sei sie das Studium, das Lernen der Sprache oder die Arbeit, zum vermeintlichen Ziel unseres Lebens wird. Wenn diese Tätigkeiten den Mittelpunkt unseres Herzens erobern, steht Gott plötzlich nicht mehr an oberster Stelle. Und da unsere Ziele unser alltägliches Leben prägen, suchen wir nicht mehr Gott, um ihn besser kennen zu lernen, sondern damit er unsere kurzfristigen Ziele verwirklicht und das gefällt Gott ganz und gar nicht. Er möchte nicht zum falschen Zweck, für vergängliche Ziele ausgenutzt werden. Was Jesus den Menschen im Vers 27 gab war deshalb eine komplette Neuorientierung. Sie sollten umkehren, das ist Buße, d.h. das wahre Ziel verfolgen.

Jesus hat den Menschen die Neuorientierung gegeben, für unvergängliche Speise zu sorgen, die zum ewigen Leben bleibt. Warum soll sich der Mensch für das ewige Leben interessieren und dieses zum Ziel machen? Machen wir uns Gedanken über das damalige Volk. Wie hungrig und arm müssen die paar Dutzend Menschen ausgesehen haben, als sie Jesus gefunden hatten! Für die römische Besatzung, wie z.B. den Statthalter Pilatus, waren sie nichts weiter als ein Haufen unwürdiger Pöbel, ohne irgendwelche Daseinsbedeutung. Für die Pharisäer und Schriftgelehrten waren sie einfaches Fußvolk, das für politische oder religiöse Ziele ausgenutzt werden konnte. Vor den Augen der Menschen waren sie also nichts wert. Aber was sah Jesus in ihnen? Jesus sah etwas ganz anderes. Trotz ihrer alten und zerlumpten Kleidung sah Jesus gerade in ihnen Anwärter für das ewige Leben. In seinen Augen waren sie würdig, das höchste Gut zu erlangen, nämlich das ewige Leben, denn gerade dazu ist der Mensch geschaffen worden, auch wenn er unwürdig aussieht. In Matthäus 4,4 „steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«“ Der Mensch soll das ewige Leben haben, und dieses Ziel soll selbst dann verfolgt werden, wenn akute Not das Leben des Menschen bedroht.

Betrachten wir erneut den Vers 27. Ist es nicht wunderbar, dass es eine Speise gibt, die nicht vergeht, die weder aufgegessen werden noch verschimmeln, noch verschüttet werden kann? Eine Speise, die für immer bleibt, die uns Jesus gibt und auf dem kein Frischesiegel irgendeiner Lebensmittelindustrie ist, sondern das Siegel des lebendigen Gottes.

Wie reagierte die Menge auf Jesus? Vers 28 sagt: „Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken?“ Endlich scheint ein frommer Wunsch aus den Lippen der Menge zu kommen. Ob wirklich etwas Positives dahinter steckte, werden wir in den folgenden Versen erfahren.

Wie antwortete Jesus; was ist Gottes Werk? Betrachten wir Vers 29: „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Auf der Suche nach gottgefälligen Werken, sind viele skurrile religiöse Rituale entwickelt worden. Doch Gottes Werk ist nichts anders als an den zu glauben, den er gesandt hat. Der Gesandte Gottes ist das wahre Ziel.

Diese Botschaft haben die Juden sehr gut verstanden. Jesus meinte niemanden sonst, als sich selbst. Was aber forderten sie von ihm? Betrachten wir die Verse 30 und 31. Ihre Forderung war einfach nur grotesk, beim Lesen war mir nach Weinen zumute. „Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben?“ dürfte allenfalls von Menschen kommen, die noch nie etwas von Jesus gehört und gesehen hatten. Doch diese Menge hatte von den Broten und den Fischen gegessen und war satt geworden. Es waren die Zeichen Jesu, die überhaupt Anlass für das Aufsuchen Jesu im Vers 2 gewesen waren. Ihre hinterlistige Absicht wird durch ihren Vorschlag, es Mose gleichzutun, der ihnen täglich Manna gegeben hatte, konkretisiert. Erneut wird ein Wesenszug des Menschen deutlich. Wenn jemand ein falsches Ziel im Herzen verbirgt, dann ist er imstande schöne und fromme Worte, wie im Vers 28 zu formulieren. Er ist sogar in der Lage Zitate aus der heiligen Schrift für seine Ziele zu missbrauchen, so wie im Vers 31. Menschen mit falschen Zielen führen ein falsches Leben, beten für falsche Anliegen, studieren die Bibel zum falschen Zweck und suchen Gott für ihre verkehrten Ziele auszunutzen. Beten wir, dass kein falsches Ziel uns einnehmen, verblenden und zum falschen Weg verführen möge. Mögen wir in Jesus das wahrhaftige, ewige Ziel haben, der uns über die Vergänglichkeit dieser Welt das ewige Leben schenkt.

Die Juden forderten Brot wie Manna. Warum wollte Jesus ihrem Anliegen nicht entgegen kommen? Zunächst einmal war nicht Mose, sondern Gott Spender des Mannas gewesen. Zum anderen war Manna nicht vergleichbar mit dem wahren Brot vom Himmel, das der Vater ihnen geben wollte. Laut Vers 33 gibt das Himmelsbrot den Menschen das Leben. Das konnte man von den Menschen, die Manna in der Wüst gegessen hatten, nicht behaupten. Zwar konnten sie sich sehr gut davon ernähren, aber sie mussten täglich neues Manna essen. Dennoch ist die gesamte erste Generation mit wenigen Ausnahmen in der Wüste gestorben. Das wahre Brot vom Himmel ist also von einzigartiger Qualität. Das klang natürlich wie Musik in den Ohren der Israeliten, und ähnlich wie die samaritische Frau sagten auch diese: „Herr, gib uns allezeit solches Brot.“

Teil 2: Ich bin das Brot des Lebens (35-40)

Was hat Jesus den Menschen angeboten? Wir wollen das Leitwort, den Vers 35 lesen: „Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

Durch das Leitwort erfahren zunächst einmal wer Jesus ist. Als er sagte: „Ich bin“, „Ich bin das Brot des Lebens“, gebrauchte Jesus die Wortwahl, die Gott gebrauchte um sich am brennenden Dornbusch vorzustellen. Diese Art wurde von keinem Menschen gebraucht. Als Jesus sagte: „Ich bin das Brot des Lebens.“ sprach er mit göttlicher Autorität und göttlicher Wahrhaftigkeit.

Durch das Leitwort erfahren wir zudem eine Verheißung. Es gibt keine Speise, von der man sagen könnte sie bewirkt das Leben. Speise erhält Leben, kann aber keines erschaffen. Doch Jesus ist das Brot des Lebens, der nicht nur Leben erhält, sondern neues und unvergängliches Leben in uns schafft. Selbst tote Seelen, die in Sünde verloren sind, werden durch Jesus, das Brot des Lebens, lebendig gemacht und für die Ewigkeit eingesetzt. Jesus schenkt uns somit eine Verheißung, die sonst niemand einhalten kann.

In zwei Wochen finden Europawahlen statt und nicht mehr lange und wir haben Bundestagswahlen. Im Wahlkampf geht es um jede Stimme; deshalb werden Versprechungen gemacht, auch wenn sie unrealistisch sind. Hinterher kann man sich immer noch rechtfertigen und den politischen Gegner beschuldigen. Doch Jesus ist anders. Seine Persönlichkeit ist einzigartig.

Wir sehen Jesus, der zu uns spricht, wir sehen Jesus, dessen Werke zu uns sprechen und wir hören seine Verheißung, die kein Mensch auf der Welt erfüllen kann, außer Gott selbst. Menschen können sagen, dass sie zum Mond fliegen, das ist möglich, Menschen können sagen, dass sie zum Mars fliegen wollen, auch das ist eines Tages möglich. Menschen können den Mount Everest besteigen oder die chinesische Mauer errichten, all das ist möglich. Aber kein Mensch kann sagen: „Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Diese Verheißung kann nur von Jesus kommen, dessen Worte und Werke im völligen Einklang zueinander stehen und somit eine unerschütterliche Basis des Glaubens bilden.

Jesus löscht unseren Hunger und Durst nach Wahrheit. Jesus löscht den Hunger nicht für einige Stunden, sondern er löscht Hunger und Durst ein für allemal. Jesus lädt uns zu einem geistlichen Festmahl, mit reichlich gedecktem Tisch und vielen freien Plätzen ein und unsere Freude wird vollkommen sein. Wer Jesus als Brot des Lebens annimmt, der kann sich satt essen. Jesus stillt alle unsere geistlichen Bedürfnisse. Unser unbändiges Verlangen nach Wahrheit und Erkenntnis, aber auch Liebe und Geborgenheit, Sinn und Erfüllung wird durch Jesus vollständig befriedigt.

Es gibt so viele Dinge, die der Mensch in seinem Leben braucht. Meine eigenen Gebetsanliegen für dieses Jahr bestehen unter anderem aus verschiedenen Dingen, die ich brauche. Doch niemand braucht etwas so dringend wie das ewige Leben. Es gibt einfach kein höheres Gut, weder im Himmel noch auf der Erde. Und gerade das bietet uns Jesus im Vers 35 an. „Ich gebe dir das Leben. Ich bin dein Brot des Lebens.“

Wir sehen hier Jesus, der den Menschen die ultimative Wahrheit verkündet. Jesus machte ihnen ein unvergleichlich besseres Angebot als Manna. Gott hatte ihnen gegeben, worauf alle Juden warteten, nämlich Jesus, den Gesandten Gottes. Doch Vers 36 zeigt, welche Haltung sie ihm aufbrachten: „Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht.“ Warum glaubten sie nicht, obwohl sie die Werke Jesu gesehen hatten und Jesus seine messianische Identität unter Beweis gestellt hatte? Wir sehen, dass ihr stures Festklammern am falschen Ziel, Grund für ihren Unglaube war.

Wie aber ging Jesus mit ihnen um? „Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Wie freundlich ist Jesus mit der ungläubigen Masse umgegangen! Die Einladung Jesu, so herzlich sie auch ist, hat für Menschen, die es einzig und allein aufs Brot abgesehen hatten, wenig Bedeutung. Doch wie kostbar ist Jesu Verheißung für diejenigen, die sie annehmen! Trotz unserer vielseitigen Schwächen haben wir das Versprechen Jesu, uns nicht hinauszustoßen, wenn wir vom Vater gegeben, zu ihm kommen.

Warum nimmt sich Jesus die Menschen, die zu ihm kommen, so gnädig an? Betrachten wir die Verse 38-40. Jesus ist gekommen, um den Willen Gottes zu tun. Der Wille Gottes steht im Mittelpunkt seines Handelns. Wer Gott besser kennen lernen möchte, der muss den Willen Gottes begreifen. Was ist der Wille Gottes? Jesus erklärt und wiederholt den Willen Gottes in den Versen 39 und 40. Der Wille Gottes ist, dass wir an Jesus glauben, den er gesandt hat, denn das schenkt uns etwas, was kein Mensch von sich aus je erreichen kann. Das ewige Leben kann von keinem Menschen errungen werden, keine Werke, keine Treue, keine Hingabe generiert das ewige Leben. Wir haben das ewige Leben, das uns kein Mensch geben kann, durch den Glauben an Jesus und er wird uns nicht verlieren, er weidet uns, bis wir am Jüngsten Tag von ihm auferweckt werden.

Teil 3: Der Vater zieht die Lernwilligen (41-51)

Wie reagierten die Juden auf Jesu Lehrstunde? Betrachten wir Verse 41 und 42: „Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist.“ Sie fingen an zu murren, genauso wie die hungrigen Israeliten in der Wüste, die gegen Mose murrten. Ihnen wäre viel lieber gewesen, hätte Jesus gesagt: „Hier ist das Brot“ oder „Dort findet ihr Brot“. Als er aber ihre Erwartungen nicht erfüllte und stattdessen sagte: „Ich bin das Brot“, missfiel es der Menge und sie fingen an ihrem Ärger Luft zu verschaffen und werteten Jesus ab, den sie als Mensch sahen und nicht als himmlischen Gesandten.

Was bedeutet die Antwort, die Jesus ihnen in den Versen 43-47 gegeben hat? Anstatt zu murren, sollten sie Gott, seinen Willen und sein Werk besser kennen lernen, denn Jesus handelte nach Gottes Erlösungsplan. Die Israeliten hatten wirklich keinen Grund zu murren. Vielmehr wies Jesus sie im Vers 45 auf die heilige Schrift hin, denn Gott hatte sein Werk den Propheten kund getan. Trotz der breiten Ablehnung würde es, wenn auch nur vereinzelt, einen kleinen Rest geben, der nicht verschlossen war, der sich nicht bis ans Ende von falschen Zielen blenden lassen würde, der sich von Gott belehren und zu Jesus kommen würde. Das war die Hoffnung Jesu, mit der er fortfuhr, zu lehren und die Wahrheit des Evangeliums zu verkünden.

Dieselbe Hoffnung brauchen auch wir, wenn wir uns auf den Weg machen, um die Studenten anzusprechen. Auch wir werden mit breiter Ablehnung konfrontiert. Doch brauchen wir Jesu Wort im Herzen, der das Werk des Vaters vor Augen hatte und wusste, dass unter den vielen, die nein sagten, doch einige Wenige bereit waren, vom Vater zu lernen und zu Jesus zu kommen. Genau diese bereitet Gott vor, diese sendet er zu Jesus, der sie mit offenen Armen empfängt und am jüngsten Tag auferweckt. Möge Gott uns helfen, nicht nachzulassen, sondern die Lernwilligen zu finden.

Es sind die Verse 46 und 47, die uns zeigen, wie wichtig Jesus in unserem Leben und im Leben der Menschen da draußen ist. Jesus ist der Einzige, der den Vater gesehen hat und der vom Vater gekommen ist. Nur durch Jesus empfangen wir ein authentisches und zu 100% wahrheitsgemäßes Zeugnis vom Vater. Und Jesus sagt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wer glaubt, der hat das ewige Leben.“ So wichtig ist das Wort Jesu, dass einzig und allein der Glaube daran, das ewige Leben schenkt. In Jesus haben wir also das, was jeder Mensch gerne hätte, das wonach jeder letztendlich strebt, aber in dieser Welt nicht erreichen kann. In Jesus haben wir das wahre Ziel des Lebens, denn er schenkt uns Erlösung und ewige Sicherheit.

Wir haben im Laufe dieses Kapitel beobachten können, wie die Stimmung unter dem Volk kontinuierlich umgeschlagen hat. Doch Jesus wich nicht ab, sondern verkündete die Wahrheit des Evangeliums ab Vers 47 noch ein weiteres Mal mit ausdrücklicher Betonung: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Und Jesus ging noch einen Schritt weiter und sagte im Hinblick auf seinen bevorstehenden Kreuzestod: „Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“ Jesus wusste genau, dass die Menge sich daran stoßen würde. Die Worte Jesu wurden als hart empfunden, Streit entstand unter den Juden und viele, selbst viele seiner Jünger, mit Ausnahme der Zwölf, wandten sich sogar von ihm ab.

Jesu Worte entsprächen nicht der Wahrheit, wenn er sie je nach Stimmung verändern würde. Jesus aber spricht wahre Worte, Worte des ewigen Lebens und hinter ihm standen die unbeschreiblichen Werke Gottes. Durch die Hingabe seines Fleisches hat Jesus fast alles nur Denkbare für uns getan. Kein Mensch muss erst in den Himmel fahren um das Brot des Lebens zu empfangen. Jesus legt uns das Brot des Lebens quasi in den Mund, so dass wir lediglich kauen und schlucken müssen. Das ist wirklich nicht schwer und nicht zuviel verlangt. Unsere Aufgabe ist zu glauben. Möge Jesus unseren Glauben segnen.

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 1 = 5