Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 5 – Apostelgeschichte 15,1-6.23-29

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Gemeinschaft der Liebe

Heute lesen wir noch einmal 1. Johannes 4,7-13. Zusätzlich lesen wir Apostelgeschichte 15,1-6 und die Verse 23-29.
Wir haben beim letzten Mal bereits gesehen, dass es in der Praxis gar nicht einfach ist, den Nächsten zu lieben; auch dann nicht, wenn wir es eigentlich wollen und es immer wieder versuchen. Wir wollen über praktische Anwendungen nachdenken, die uns helfen sollen, zu Menschen verändert zu werden, die besser lieben können. Zwei Aspekte wollen wir im Besonderen betrachten.

Erstens, Kommunikation. Im Text aus Apostelgeschichte geht es zwar vor allem um eine extrem wichtige theologische Angelegenheit. Aber es ging hier auch um Kommunikation. Inwiefern?
Kannst du dich an Situationen erinnern, in denen unnötige Spannungen und vielleicht auch hässliche Momente entstanden sind, weil schlecht kommuniziert wurde?
Wie sieht deiner Meinung nach gute Kommunikation aus?

Zweitens, Erwartungen. Im Text in der Apostelgeschichte geht es auch um Erwartungen. Inwiefern?

Betrachte folgende Situationen (Peter Scazzero):
• Natürlich kommst du zum Familien-Event. Wir sind dir doch wichtig, oder nicht?
• Ich wusste nicht, dass alle diese Aufgaben zur Stelle dazu gehören. Das hattest du mir nicht gesagt.
• Mein erwachsener Sohn sollte wissen, dass ich ihn brauche, um das zu reparieren. Das ist etwas, worum ich ihn nicht bitten sollte.
• Wenn ich ihr nicht egal wäre, dann würde sie mich mal anrufen.
• In einer guten Gemeinde sollten alle unterstützend und verständnisvoll sein, wenn man verletzt ist.
Was steckt dahinter?

Hast du schon einmal die Erfahrung gemacht, dass andere etwas von dir erwartet haben und das zu Problemen geführt hat? Welche Erwartungen hast du an andere? Was wären deiner Meinung nach gerechtfertigte Erwartungen?

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Predigt: Psalm 27,1-5 – Zum Schuljahresanfang 2021

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Der HERR ist dein Licht und dein Heil

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?”

Psalm 27,1

Ich glaube, dass die meisten von uns sich wünschen, etwas mutiger zu sein. Ich wünschte mir, dass ich frei von Angst und Sorgen leben könnte. Und genau darum geht es im heutigen Text und in der heutigen Predigt. Wir wollen als erstes darüber nachdenken, warum wir keine Furcht zu haben brauchen. Und als zweites wollen wir darüber reden, wie wir ein Leben ohne Furcht führen können.

Erstens, warum keine Furcht?
David, der Psalmist, macht eine erstaunliche Aussage: „vor wem sollte ich mich fürchten? … Vor wem sollte mir bangen?“ Keine Furcht, keine Angst. Und gleichzeitig sind die Situationen, die er erwähnt, ziemlich krass. In Vers 2 sagt er: „Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde…“ Die Neuer Genfer Übersetzung sagt es so: „Wenn boshafte Menschen über mich herfallen, um mich mit Haut und Haaren zu verschlingen, meine Gegner und Feinde…“ Hier ist wirklich die Rede von Menschen, die wirklich gar nichts für David übrighaben. Sie wollten David nicht nur umbringen, sondern auch grillen und essen.
Und in Vers 3 sagt er: „Mag ein Heer mich belagern…“ In dem Film der Herr der Ringe, Die zwei Türme, ist eine der eindrücklichsten Szenen, wenn die Festung Helms Klamm belagert wird. Man sieht eine gewaltige feindliche Armee mit 10,000 starken, bis an die Zähne bewaffneten Soldaten die aus der Ferne anrückt. Die Armee trifft am Abend an. Für die Krieger der Festung ist das der furchterregendste Moment: es ist die Stille vor dem Sturm, der trügerische Friede vor der großen Schlacht, zu wissen, dass die Armee da draußen eigentlich zahlenmäßig weit größer ist als die eigene. Und trotzdem hat David überhaupt keine Angst: „Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht.“ David schien jemand zu sein, dem gar nichts aus der Bahn werfen konnte. Keine Situation war zu groß, keine Bedrohung zu schrecklich, keine Gefahr zu imminent, als dass er anfangen würde, sich Sorgen zu machen. Und das ist wirklich erstaunlich.
Morgen ist es endlich so weit. Nach sechseinhalb viel zu langen und viel zu kurzen Wochen beginnt die Schule wieder. Ich glaube, dass sich die meisten schon ein wenig darauf freuen. Und falls ihr Schüler euch gar nicht freuen solltet, eure Eltern freuen sich bestimmt ein wenig. Neues Schuljahr bedeutet auch neue Herausforderungen. Für manche ist es das erste Jahr an der Schule oder das erste Jahr an einer neuen Schule. Für manche ist es das letzte Jahr an der Schule, weil ihr in diesem Schuljahr euren Abschluss macht. Vielleicht habt ihr Fragen wie: „wird das mit dem Schulabschluss alles klappen? Was kommt danach?“ Andere von euch fragen sich vielleicht: „Wie wird die neue Schule? Werde ich bald neue Freunde finden? Werden die Mitschüler nett sein?“
Ich hoffe, dass die meisten von euch mit ziemlich viel Zuversicht und guter Hoffnung ins neue Schuljahr starten. Aber vielleicht ergeht es manchen so ähnlich wie mir: ich fand die Schule nicht so toll. An manchen Tagen konnte ich die Schule nicht ausstehen. Während meiner Zeit am Gymnasium bin ich viele hunderte Male über die Neckarbrücke gegangen. Immer wieder kam es vor, dass morgens die Feuerwehr im Blaulicht an mir vorbei gerauscht ist. Und ich kann mich daran erinnern, dass ich mir immer wieder gewünscht hatte, dass es die Schule ist, die brennt. Das Feuer war immer an der Uni (wahrscheinlich am chemischen Institut) und niemals an der Schule. Während meiner Schulzeit war ich zwar kein richtiger Außenseiter. Aber gleichzeitig habe ich mich nie wirklich akzeptiert gefühlt. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich einfach ich selbst sein kann. Vielleicht mag es manchen von euch ähnlich gehen. Falls nicht, gut für dich!
Wie dem auch sei, vielleicht haben manche von euch doch die ein oder andere Sorge, die euch in das neue Schuljahr begleitet. Viele Kinder haben Angst vor Ablehnung. Die Sorgen müssen natürlich nichts mit der Schule an sich zu tun haben. Viele haben Angst um ihre Eltern, dass ihnen etwas passiert oder dass sie sich scheiden lassen. Viele Kinder machen sich Sorgen um die Welt da draußen: Kriege und Terror, Armut, Klimawandel. Ganz egal was der Grund für deine Sorgenfalten ist, es gab und gibt Menschen, die alle deine Sorgen bereits durchgemacht haben. David war spricht hier von kannibalisch veranlagten Feinden, aufziehenden Armeen und tobenden Kriege. Frage ist dann natürlich: warum hatte David keine Angst? Woher kam seine völlige Freiheit von Furcht?
Wir finden die Antwort in Vers 1: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil: vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: vor wem sollte mir bangen?“ Davids Antwort auf Furcht und Angst war der HERR: Gott selbst. Gott ist Licht, Heil (oder Rettung) und Schutz. Licht, Rettung und Schutz sind alles Begriffe, die so viel Bedeutung haben, dass man Bücher dazu schreiben könnte (das wurde auch schon gemacht). Wir wollen gar nicht so tief darauf eingehen heute. Ich möchte an dieser Stelle nur folgendes sagen: jeder Mensch sucht Licht, Rettung und Schutz, weil jeder Mensch auf Licht, Rettung und Schutz angewiesen ist. Wir können nicht ohne das Leben. Ihr alle wollt wissen, weshalb ihr in der Schule ackert, was der Sinn dahinter ist und was der Sinn von eurem Leben ist. Das ist Licht. Ihr alle wollt die Gewissheit haben, dass euer Leben am Ende des Tages gut ausgeht und dass Glück und Freude auf euch warten. Das ist Rettung. Und ihr alle wollt wissen, dass ihr trotz allen Gefahren und Bedrohungen sicher seid. Das ist Schutz. Ihr verwendet vielleicht nicht unbedingt diese Begriffe. Z.B. wenige Menschen heute, wenige Freunde von euch würden sagen: „Ich brauche Rettung!“ Gerettet von was überhaupt würden sie fragen? Und trotzdem ist jeder Mensch praktisch ohne Ausnahme unablässig auf der Suche danach.
Hier ist jetzt der zentrale Punkt: Gott war für David genau das: Licht, Rettung und Schutz. D.h., dass Gott für David absolut war. Oder anders gesagt, für David war Gott das Größte, das Höchste und das Wichtigste in seinem Leben. Angst haben wir immer dann, wenn etwas in Gefahr ist, was uns lieb und teuer ist. Wenn Gott die Person ist, die du am meisten liebst, dann brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen, weil Gott ewig und allmächtig ist. Wenn alles in deinem Leben den Bach runter geht, aber du hast Gott, dann hast du immer noch ein Happyend. Wenn du alles, was du hast, verlierst, aber du hast Gott, dann hast du gar nichts verloren. Gott ist größer als alles, was dir das Leben geben kann; Gott ist größer als alles, was der Tod dir nehmen kann.
Die Frage ist, ob du diesen Gott hast oder nicht. Das ist das Geheimnis eines sorgenfreien Lebens.

Zweitens, wie können wir frei von Furcht und Sorgen leben?
Wir finden mindestens zwei Antworten auf diese Frage im Text. Die eine Antwort finden wir gleich in Vers 1. David sagte nicht einfach: „Der HERR ist Licht und Heil.“ Das hätte nicht ausgereicht, ihm die Angst und Furcht zu nehmen. Er sagte: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil: vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: vor wem sollte mir bangen?“ Das Wort „mein“ ist hier wirklich entscheidend. Gott war nicht einfach nur Licht und Heil für den Richter Samuel oder für die Eltern von David. Gott war sein Gott.
Frage ist, wie sehr das auf euch zutrifft. Ist der HERR wirklich dein Gott? Nicht nur der Gott deiner Geschwister oder der Gott deiner Freunde, sondern dein Gott? Auch nicht nur der Gott deiner Eltern, sondern wirklich dein persönlicher Gott? Es reicht nicht aus, dass deine Eltern fromm sind und deine Eltern an Gott glauben. Die Frage ist, ob du fromm bist und an Gott glaubst. Es reicht nicht aus, dass deine Eltern leidenschaftliche Beter sind. Die Frage ist, ob du selbst ein leidenschaftlicher Beter bist. Uwe Schäfer hatte mal gesagt, dass Gott keine Enkelkinder hat. Gott hat nur Kinder. Besser kann man es kaum sagen. Bist du ein Kind Gottes?
Die zweite Antwort finden wir in Vers 4: „Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.“ Für David gab es eine Priorität im Leben; eine einzige Ausrichtung; ein einziges klares Ziel vor Augen: im Haus des HERRN wohnen alle Tage seines Lebens. Und das ist vielleicht nicht ganz so klar zu erfassen. Ich möchte versuchen, es so gut es geht, zu erklären, was das bedeutet.
Es bedeutet zum einen, dass Gott in unserem Leben real wird. Vor einigen Jahren hat eins meiner vier Kinder beim Spielen eine Glühbirne kaputt gemacht. Nicht nur das, natürlich ist er dann in das zerbrochene Glas getreten. Der Kinderarzt hat versucht die Scherben aus dem Fuß zu entfernen. Aber Tage und Wochen später hatte unser Sohn immer noch Schmerzen. Als sein Fuß dann geröntgt wurde, wurde eine weitere Scherbe im Fuß gefunden. Er wurde dann schließlich unter Vollnarkose operiert, und die Chirurgin war in der Lage, die Scherbe zu empfehlen. Als unser Sohn aus der Narkose aufgewacht ist, hat er angefangen, sich über starke Schmerzen zu beklagen. Ich bat die Ärzte um Hilfe. Aber es dauerte eine Weile, bis sie kommen konnten. Schließlich habe ich das getan, was alle verzweifelten Eltern in dieser Situation getan hätten: ich habe dem Kleinen mein Tablet gegeben. Sobald er mein Tablet hatte, waren alle Schmerzen vergessen. Er war so vertieft in das Spiel, dass alles drumherum keine Rolle mehr spielte. Kurz danach kamen die Ärzte rein: „Wir wollten noch einmal vorbeischauen, wegen seinen Schmerzen…“ Sie sahen den Kleinen mit dem Tablet und meinten dann nur zu mir: „Ihm geht es gut.“
Was war passiert? Mein Sohn hat in seiner Begeisterung am Tablet völlig vergessen, dass er Schmerzen hatte. Seine Schmerzen waren nur kleine Unannehmlichkeiten im Vergleich mit dem Vergnügen, mit Papas Tablet zu spielen. Hier ist der Punkt: Gott will in deinem Leben so real werden; eigentlich noch viel realer als das. Er will so präsent in deinem Leben sein, dass alles andere, deine Familie, deiner Freunde, deine Schule zur Nebensache werden. Er will diesen Fokus, diese Art von Aufmerksamkeit und Hingabe von dir wie ein Kind sich einem Tablet zuwendet.
Und das bringt mich zum nächsten Punkt: Gott will von dir gesucht werden. Der christliche Philosoph Dallas Willard hat etwas gesagt, was mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Frage ist: ist Gott verborgen? Versteckt sich Gott vor uns? Seine Antwort war: ja. Hier ist sein Argument: Gott ist so überwältigend groß, dass wenn Er sich nicht vor uns verbergen würde, er einfach unausweichlich wäre. Die Frage ist dann natürlich: warum versteckt sich Gott vor uns? Wenn er sich einfach zeigen würde, würden alle Menschen wissen, dass es ihn gibt. Antwort lautet: Gott versteckt sich vor uns, weil Er will, dass du ihn suchst. Wenig später im Psalm heißt es deshalb auch: „Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.“
Vorhin habe ich gesagt, dass Gott das Beste ist, was uns passieren kann: Er ist unser Licht, unsere Rettung und unser Schutz. Er ist der größte Reichtum, den wir empfangen können. Aber Gott drängt sich niemanden auf. Gott zwingt dich nicht zu deinem Glück. Gott will, von dir gesucht werden, bevor er sich von dir finden lässt. Gott will, dass du seine Gemeinschaft und Hilfe willst. Gott will, dass du ihn in dein Leben einlädst, weil er dich bereits in sein Leben eingeladen hat. Gott will, dass du ihn willst.

Zum Schluss, liebe Schülerinnen und Schüler, wenn ihr euch auf diesen Gott einlässt und wenn ihr seine Gegenwart sucht, könnt ihr darauf vertrauen, dass Gott mit euch ist. Wenn euer Rucksack schwer auf euren Schultern liegt, Gott ist mit euch. Wenn euer Ranzen zu leicht ist, weil ihr die Hälfte der Schulsachen zu Hause vergessen habt, Gott ist mit euch. Wenn ihr in der Schule von besten Freunden umgeben seid, Gott ist mit euch. Wenn ihr euch in der Schule allein gelassen fühlt und denkt, dass niemand euch verstehen kann, Gott ist mit euch. Wenn es den einen Lehrer gibt, der euch tierisch auf den Zeiger geht, Gott ist mit euch. Wenn ihr in der Pause euer Brot esst, Gott ist mit euch. Wenn ihr eine schwere Arbeit zu schreiben habt, Gott ist mit euch. Wenn die Arbeit vor allem deshalb schwer ist, weil ihr zu wenig gelernt habt, Gott ist mit euch. Wenn ihr euch fürchtet, wie ihr die Note 4-5, die ihr geschrieben habt, zu Hause den Eltern beibringen wollt, Gott ist mit euch. Gott ist mit euch auf dem Hin- und auf dem Rückweg, in und außerhalb der Schule, vor und nach dem Unterricht. Gott ist vor euch und hinter euch, er steht euch links und rechts zur Seite, er geht euch voran und hält euch den Rücken frei, er umgibt euch von allen Seiten und hält seine Hand über euch. Er ist euer Licht, eure Rettung und euer Schutz.

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Fragebogen: Psalm 27,1-5 – Zum Schuljahresanfang 2021

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Der HERR ist dein Licht und dein Heil

Heute lesen wir Psalm 27,1-5. Anlässlich des neuen Schuljahres betrachten wir die ersten drei Strophen eines sehr bekannten Psalms.

Lies Vers 1 (gerne auswendig lernen). Eine Eigenschaft hebräischer Poesie sind Parallelismen. Kannst du diese literarische Eigenschaft in Vers 1 ausfindig machen? Wie trägt das dazu bei, die Hauptaussage von Vers 1 zu unterstreichen? Was bedeutet die Hauptaussage für dich?

In den Versen 2 und 3 erwähnt David einige Eventualitäten wie Bedrohung durch Übeltäter, feindliche Heere und Krieg. Durch welche Ereignisse fühlst du dich bedroht? Was ist das Geheimnis eines getrösteten Herzens, das sich nicht fürchtet?

Wir finden im Vers 4 das erste konkrete Gebetsanliegen des Psalms. Warum bittet David, dass er im Hause des HERRN sein Leben lang bleiben kann? Was bedeutet das?

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Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 4 – 1.Johannes 4,7-11

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Liebe und Gemeinschaft

Geliebte, lasst uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott

1. Joh 4,7

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns mit dem Thema Gemeinschaft. Bemerkenswert am Thema „Gemeinschaft“ ist, dass die Bibel die Christen an keiner Stelle zur Gemeinschaft aufruft. Zumindest kenne ich keine Stelle, in der es etwa heißt: „Habt Gemeinschaft miteinander.“ Andererseits spricht die Bibel sehr wohl von Gemeinschaft. Gemeinschaft war zum Beispiel das Kennzeichen der ersten Gemeinde, die sehr vorbildlich war. Von Gemeinschaft ist auch im ersten Kapitel dieses Briefes die Rede. Gemeinschaft ist also auch nach der Bibel nicht unwichtig. Trotzdem werden die Christen dazu nicht explizit aufgerufen. Warum? Gemeinschaft, zumindest biblische Gemeinschaft entsteht nicht einfach so, sondern ist das Resultat verschiedener geistlicher Faktoren. Sie entsteht, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind. In der Bibel werden wir eher zu den Voraussetzungen der Gemeinschaft als zur Gemeinschaft selbst aufgefordert. Zum Beispiel heißt es in 1. Joh. 1,7: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander…“ Das Wandeln im Licht ist eine dieser Voraussetzungen für brüderliche Gemeinschaft. Johannes ermahnt aber nicht zur Gemeinschaft selbst, sondern zum Wandeln im Licht. In dem heutigen Text aus 1. Joh. 4 geht es ebenfalls um eine wichtige Voraussetzung der brüderlichen Gemeinschaft. Es ist die Liebe bzw. das Gebot einander zu lieben. Ohne die Liebe ist die Gemeinschaft in der Gemeinde wie ein Getriebe ohne Öl, wie ein Braten ohne Soße, wie Müsli ohne Milch – mit anderen Worten: trocken, anstrengend und wenig wenn überhaupt erbaulich. Um mehr echte christliche Gemeinschaft zu haben, reicht es nicht einfach nur, sich mehr zu treffen, mehr zusammen zu sein, mehr miteinander irgendetwas zu unternehmen. Es bedarf der Liebe. Der heutige Text aus 1. Joh. 4 fordert uns an mehreren Stellen dazu auf, einander zu lieben. Gleich zu Beginn heißt es: „Geliebte, lasst uns einander lieben!“ Wir wollen uns mit dem Text anhand von drei Fragen näher auseinandersetzen:

1. Warum sollen wir lieben?
2. Wozu sollen wir lieben?
3. Wie können wir lieben?

1. Das Warum der Liebe
Direkt nach der Aufforderung im Vers 7, einander zu lieben, folgt das Wort: „Denn“. Johannes gibt also eine Begründung dafür, warum wir einander lieben sollen. Mit anderen Worten: Er klärt, warum das einander Lieben so wichtig ist, warum das einander Lieben im Leben eines echten Christen nicht ausbleiben kann. Was ist also die Begründung? Im Vers 7 heißt es: „Denn die Liebe ist von Gott“. Nach anderen Übersetzungen heißt es: „Denn die Liebe ist aus Gott“. Das ist ein großer Unterschied. Von Gott kommt alles Geschaffene. Aber aus Gott kommen nur der Sohn, der Heilige Geist, das Wort und eben auch die Agape-Liebe. Alles, was aus Gott kommt, ist Gott selbst. Daher heißt es am Ende von Vers 8: Denn Gott ist Liebe. Im Vers 16 steht es noch einmal. Gott selbst ist Liebe. Das was Gottes Wesen durch und durch ausmacht, ist gerade Liebe. In der Bibel erfahren wir zwar immer wieder, dass Gott gerecht ist, dass Gott heilig ist, dass Gott treu ist usw. Aber nirgendwo in der Bibel heißt es: „Gott ist Gerechtigkeit, Gott ist Heiligkeit, Gott ist Treue“ Doch über die Liebe heißt es: Gott ist Liebe. Gottes innerstes Wesen ist die Liebe. Wer Gottes Tun und Handeln tief verstehen möchte, sollte es immer aus der Perspektive der Liebe tun. Alles, was Gott tut, geschieht aus Liebe. Selbst wenn Gott richtet oder zornig ist, geschieht das aus Liebe. Von Gottes Liebe erfahren wir bereits im AT an vielen Stellen, aber dass Gott selbst Liebe ist, wird dort kein einziges Mal berichtet. Dass Gott selbst Liebe ist, musste erst einmal offenbart werden. Was Johannes diese Offenbarung gab, verrät uns Vers 9. Es war die Sendung des Sohnes in die Welt. Nirgendwo anders hat Gott seine Liebe so klar offenbart, als dadurch, dass er seinen Sohn in die Welt sandte, um für unser Leben zu sterben. Und jeder, der mit Glauben auf das Kreuz schaut, kann es nur bestätigen: „Gott muss die Liebe selbst sein!“
Betrachten wir noch einmal die Verse 7 und 8: Weil Gott selbst Liebe ist, liebt auch der, der aus Gott geboren ist. Die göttliche Liebe ist das Kennzeichen eines wiedergeborenen Christen. Viele Dinge, die wir kennen, haben ein bestimmtes Merkmal, was sie ausmacht: Was wäre bspw. ein Vogel ohne Flügel, was wäre ein Auto ohne Motor, was wäre ein Bleistift ohne Miene und genauso ist es mit dem Christen: Was ist ein Christ ohne Liebe? Die göttliche Liebe ist gerade das Merkmal, das einen wiedergeborenen Christen kennzeichnet. Nicht Bibelwissen, nicht die regelmäßige Stille Zeit, nicht der regelmäßige Gottesdienstbesuch, nicht Mission, nicht bestimmte Gaben usw. zeigen, ob jemand wiedergeboren ist, sondern die Liebe.
Weil Gott die Liebe ist, kennen nur diejenigen Gott wirklich, die selber lieben. Nur diejenigen, die selber lieben, haben wirklich verstanden, wie Gott ist. Das sind die, die Gott persönlich begegnet sind. Ob jemand Gott wirklich kennt, kann man nicht daran festmachen, ob er viel Bibelwissen hat, fromm redet oder die besten Antworten auf theologisch knifflige Fragen hat, sondern daran, dass er liebt (Beispiel: Lehrer). Viele denken, sie wissen schon, wie Gott ist, weil sie ein bestimmtes Wissen haben. Aber in Vers 8 heißt es ganz klar: „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt“.
Das einander Lieben ist also keine Nebensächlichkeit im christlichen Leben. Wer nicht liebt, ist entweder nicht wiedergeboren und kennt Gott gar nicht. Oder zumindest seine Beziehung zu Gott ist nicht in Ordnung, aber nicht nur ein bisschen, sondern nach dem Wort aus V. 7 und 8 gar nicht in Ordnung. Praktisch ist man dann wie einer, der Gott gar nicht kennt, wie einer, der Gott nie begegnet ist. Vers 11 spricht sogar davon, dass wir es den Geschwistern schuldig sind, sie zu lieben. Warum? Johannes sagt: Weil uns Gott so geliebt hat. Wie Gott uns geliebt hat, beschreibt Johannes in den Versen 9 und 10. Betrachten wir die Verse 9 und 10. Gott sandte Seinen über alles geliebten Sohn in die Welt. Wenn die Bibel von „Welt“ spricht meint sie nicht den Planeten Erde. Mit „Welt“ meint sie die Mehrheit der Menschheit, die in Feindschaft gegen Gott lebt. Obwohl Gott wusste, was die Welt mit seinem über alles geliebten Sohn anstellen würde, sandte er ihn doch in die Welt. Wer würde schon sein Kind zu Feinden schicken? Aber Gott tat das mit seinem einzigen Sohn. Er sandte ihn quasi in eine Räuberhöhle. Und wozu tat Gott das? Um sich dadurch selbst zu bereichern? Um sich selber Vorteile zu verschaffen? Nein, am Ende von Vers 9 heißt es: damit wir durch ihn leben. Als Gott auf die Welt sah, erwiderte er der Feindschaft der Welt nicht mit Feindschaft, sondern mit Mitleid: Er sah, dass die Menschen kein echtes, wahres Leben haben, sondern tot sind. Gott nahm Seinen über alles geliebten Sohn in Kauf, um uns das Leben zu geben. Gott sandte seinen Sohn nicht, um sich zu bereichern, sondern um uns das Leben zu geben. In Titus 3,4-5 heißt es: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien, rettete er uns“. Vers 10 macht unmissverständlich deutlich: „Gottes Liebe wurde uns nicht erzeigt, weil wir ihn zuerst geliebt hätten. Mit anderen Worten: er liebte uns nicht, weil wir ihn liebten, sondern er liebte uns trotz unserer bitteren Feindschaft (MacDonald, W. 2009: 1391)1.“ Kehren wir zurück zu V. 11. Eben weil Gott uns so sehr geliebt hat, sind wir es schuldig, die Brüder zu lieben. In Röm. 13,8 heißt es: „Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben!“ Schuldig bedeutet nicht, dass wir Gottes Errettung zurückbezahlen, indem wir anderen etwas Gutes tun. Schuldig bedeutet, dass es in der Liebe zum Bruder keine Grenzen gibt. Man kann nicht sagen: „Ich habe dem schon so viel Gutes getan. Das ist jetzt aber genug.“ Oder: „Das ist aber jetzt zu viel verlangt.“ Weil Gott uns so eine unvorstellbar große Liebe erwiesen hat, wird man nie sagen können: „Dem habe ich schon genug Liebe erwiesen.“ Egal, wie viel Liebe wir bereits erwiesen haben – wir bleiben Schuldner der Liebe.
Der heutige Text spricht aber nicht nur darüber, warum wir lieben sollen, sondern auch darüber, was göttliche bzw. echte Liebe bei dem anderen bewirkt. Dies zu wissen, ist wichtig, damit man die Glaubensgeschwister in der rechten Art und Weise liebt. Wir wollen dies im zweiten Teil der Predigt betrachten.

2. Das Wozu der Liebe
Auf die Frage nach dem Wozu der göttlichen Liebe gibt es sicherlich mehrere Antworten. Aber welche Antwort gibt der heutige Text? Betrachten wir hierzu noch einmal Vers 9. Gott sandte Seinen Sohn, um uns das Leben zu geben. Göttliche, wahre Liebe hat zum Ziel, anderen das Leben zu geben. Liebe und Leben sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Einige von uns haben das sicherlich auch schon durch die Gemeinschaft mit liebevollen Christen erfahren. Welchen Eindruck erwecken solche Menschen bei dir? Bei mir erwecken solche Menschen den Eindruck, dass sie lebendig sind, dass sie wirklich lebhaft sind. Sie ziehen Leute an sich. Man hat gerne Gemeinschaft mit ihnen. Man erlebt die Gemeinschaft mit ihnen als erfrischend. Und was ist das Resultat davon? Man wird selber lebendig, man wird ermutigt, Gott und anderen zu lieben. Liebe und Leben sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille.
Da das einander Lieben darin besteht, Gottes Liebe weiterzugeben, hat auch das einander Lieben zum Ziel, anderen das Leben zu geben. Wenn wir den Bruder mit göttlicher Liebe lieben, dann hat das zur Folge, dass das geistliche Leben in ihm gefördert wird. Das geschieht nicht allein dadurch, dass wir mit anderen beten und Bibel lesen, sondern kann ggf. auch durch praktische Hilfe geschehen. Zum Beispiel haben uns vor Kurzem zwei aus der Gemeinde nachträglich eine sehr großzügige Geldsumme zur Hochzeit geschenkt. Ich glaube, dass sie das aus Glauben und Liebe zu Gott getan haben. Dieses Geschenk hat mich als geistliches Zeugnis der Liebe angesprochen, sodass ich zu mir sagte: „Du solltest auch zu anderen großzügiger sein.“ Oder hier ein anderes Beispiel aus der Bibel: Als Paulus die Korinther dazu ermutigte, der verarmten Gemeinde in Jerusalem zu spenden, schrieb er: 12 Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13 Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. 14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. 15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe! (2. Kor. 9,12-15).
Hier ein negatives Beispiel: Einmal erzählte ein Bruder über die Freude eines Frischbekehrten. Er war über das neue Leben überaus erfreut. Aber dann kam einer aus der Gemeinde und sagte ihm: „Das Glaubensleben ist nicht einfach nur Friede, Freude und Eierkuchen. Man muss dies und jenes machen usw.“ Der Bruder, der mir diese Geschichte erzählte, beendete die Erzählung mit dem Satz: „Ja, der Teufel kann auch solche Leute gebrauchen.“ Und ich denke er hat Recht. Die Worte haben das geistliche Leben des Frischbekehrten nicht gefördert, sondern eher beeinträchtigt. In diesem Fall würde lieben wohl bedeuten, dass man sich mit diesem frischbekehrten Bruder mitfreut und mit ihm darüber spricht, welch ein Reichtum wir doch in Christus haben. Das wäre eine Liebe, die sein geistliches Leben fördern würde.
Man kann auch auf einer Art und Weise lieben, die nicht das Leben, sondern die Sünde des anderen fördert. Wenn man bspw. andere Menschen, die Gott einem anvertraut hat, so annimmt, wie sie sind, dann ist das eine gute Sache. Wenn man aber dabei stehen bleibt und sich der Verantwortung entzieht, ihnen darin zu helfen, sündhafte Verhaltensweisen zu korrigieren, dann ist das eine Liebe, die die Sünde des anderen fördert und gedeihen lässt.
Wie ist es mit deiner und meiner Liebe bestellt? Liebe ich die anderen? Wenn ja, wie liebe ich die anderen? So, dass es das Leben gibt und fördert? Oder so, dass es das geistliche Leben des anderen beeinträchtigt. Lieben wir die anderen so, wie es Gott tut, dann wird die Gemeinschaft in der Gemeinde mehr und mehr zu einer lebendigen und erfrischenden Gemeinschaft verändert werden.
Einander lieben – leichter gesagt als getan. Was soll man tun, wenn die Bruderliebe bei einem ausbleibt? Soll man sich dann einfach vornehmen, ab nun den anderen mehr zu lieben, zu den anderen nun freundlicher und lieber zu sein? Wir wollen dies im dritten Teil der Predigt betrachten.

3. Das Wie der Liebe
Um lieben zu können, muss man das Wesen der göttlichen Liebe verstehen. Vers 10 leitet mit den Worten ein: „Hierin ist die Liebe.“ Es spricht über das Wesen der Liebe. Das Wesen der Liebe besteht nicht darin, dass wir, sondern Gott zuerst liebt. Ähnlich heißt es auch in Vers 19: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“  Die Liebe kommt nicht aus unserer Initiative, sondern aus der Initiative Gottes.
Erinnern wir uns an Vers 7. Dort heißt es ja: Die Liebe ist aus Gott. Die Liebe kommt aus Gott, nicht aus uns. Wir können von uns aus gar nicht lieben. Vers 7 geht sogar einen Schritt weiter: Um zu lieben, bedarf es der Wiedergeburt – mit anderen Worten: Um zu lieben, bedarf es einer neuen Existenzweise. Wer nicht wiedergeboren ist, ist nicht frei von seinem Ich. Daher ist seine Liebe zu anderen Menschen sehr begrenzt (Einwände – Email). Durch die Wiedergeburt erfährt der Mensch Gottes Liebe – sie macht ihn frei von seinem ichhaften Wesen und befähigt ihn, andere grenzenlos zu lieben. Um das Gebot: „Einander zu lieben“ erfüllen zu können, muss man erst einmal verstanden haben, dass man von sich aus nicht lieben kann, jedenfalls nicht in der Art und Weise, wie es Gott meint. Ein großes Hindernis zu lieben ist ja gerade die Meinung, man könne das irgendwie aus sich selbst heraus tun – nach dem Motto: „Ab heute nehme ich mir vor, freundlicher zu den anderen zu sein.“ Meine Liebe ist wie ein Boden mit wenig Erde. Schon nach den ersten Schippenschlägen, macht es „Kling“ – auf Stein gestoßen. Von sich aus andere zu lieben stößt schnell an seine Grenzen. Es reicht oft nicht einmal dafür aus, Macken des anderen zu ertragen. Wie der Mond nicht von sich aus leuchten kann, sondern das Licht der Sonne reflektiert, so können auch wir nur die Liebe Gottes, die er uns in Jesus erwiesen hat, zu anderen weiterleiten, sie aber nicht selbst erzeugen.
Wenn wir die Verse 7 und 11 miteinander vergleichen, fällt auf, dass Johannes die Christen zuerst mit „Geliebte“ anspricht, bevor er sie dazu ermahnt, andere zu lieben. Vers 16 spricht vom Erkennen und Glauben der Liebe, die Gott zu uns hat. Was zeigt das? Es zeigt, es gibt nur einen Weg, wie wir das Gebot vom „einander zu lieben“ erfüllen können. Dieser Weg ist: „Sich von Gott lieben zu lassen“. Immer und immer wieder aufs Neue, sich von Gott lieben zu lassen. „Das sich lieben lassen“ ist so einfach, dass es schwierig ist, darauf zu kommen, wie das funktioniert. Ich möchte hierzu zwei Beispiele aus dem Buch: „So ist Jesus“2 vorlesen. Das erste Beispiel ist aus dem Leben eines Evangelisten (S. 59):
In der Sakristei einer Kirche hielt der Evangelist seine Sprechstunde. Es ist eine gut ausgestatte Sakristei, in der es sogar fließendes Wasser gibt. Vor dem Evangelisten sitzen immer wieder Menschen mit der Klage: „Ich komme nicht weiter, in meinem Leben gibt es nur Niederlagen, wie soll es mit mir werden, wie komme ich heraus aus dem Elend?“ Da steht der Evangelist auf und geht zur Wasserleitung, dreht den Hahn auf und bittet seinen Besucher: „Schauen Sie einmal her! Sehen Sie das Leitungsrohr? Ist es aus Gold mit Brillanten besetzt? Ist es wenigstens aus Silber? Nein, es ist ein Bleirohr. Aber das schadet gar nichts und darauf kommt es nicht an. Wichtig ist allein, dass durch dieses Rohr das klare Wasser fließt! Das Rohr muss das Wasser nicht aus sich selbst herauspressen; das kann ein Bleirohr niemals. Das Wasser kommt ganz woanders her. Aber das Rohr darf das Wasser aufnehmen und durch sich strömen lassen zu allen, die es brauchen. So darfst du leben, denn so darfst du lieben: „Nur Gefäße, heilger Meister, doch gefüllt mit deiner Kraft, lass von dir und durch uns strömen Liebesmacht und Lebenssaft!“
Das zweite Beispiel ist aus dem Leben des China-Missionars Hudson Taylor gegriffen (S. 56-58):
Ich hatte die letzten sechs oder acht Monate große Bekümmernis, denn ich fühlte, wie sehr ich persönlich und die Mission als Ganzes mehr Heiligung, Leben und innere Kraft nötig hatten. Aber das Dringendste war mein eigener Mangel. Ich betete, ich quälte mich ab, ich fastete und mühte mich; ich fasste Vorsätze, las die Schrift fleißiger, suchte mehr Zeit zu meiner inneren Sammlung – aber alles vergebens! Täglich, fast stündlich drückte mich das Bewusstsein der Sünde zu Boden. Ich wusste, wenn ich nur in Christus bleiben könnte, würde alles gut sein, aber ich konnte es nicht. (…) In dieser ganzen Zeit hatte ich die feste Überzeugung, dass in Christus alles beschlossen war, dessen ich bedurfte; die Frage war nur, wie ich es bekommen könnte… Ich wusste, dass in der Wurzel und im Stamm reichlich Lebenssaft strömte; die Frage war nur, wie er in meinen armen kleinen Zweig gelangen könnte. – Als langsam das Licht empordämmerte, sah ich, dass der Glaube die Hand war, die seine Fülle erfassen und mir zu eigen machen könnte. Aber ich hatte diesen Glauben nicht. Ich strebte ihm nach… ich versuchte ihn zu üben, aber vergeblich… Als meine innere Qual ihren Höhepunkt erreicht hatte, benutzte der Herr einen Satz in einem Brief McCarthys, um es mir wie Schuppen von den Augen fallen zu lassen: McCarthy, der von dem gleichen Bewusstsein seiner Schwachheit bedrängt gewesen war, aber eher als ich das Licht sah, schrieb: Wie bekommen wir Stärkung unseres Glaubens? Nicht indem wir um Glauben ringen, sondern dadurch, dass wir ruhen in dem Getreuen! Während ich las, wurde mir alles klar! Glauben wir nicht, so bleibet er treu! Ich schaute auf Jesum und sah – und Freude überströmte mein Herz! – , dass Er gesagt hat: Ich will dich nicht verlasse. Da ist die Ruhe, dachte ich. Ich habe mich vergeblich abgemüht, in ihm zu ruhen. Ich will mich nicht mehr mühen. Denn – hat er nicht selbst versprochen, bei mir zu bleiben, mich nicht zu verlassen? Strahlendes Licht ergoss sich in mein Herz, als ich an den Weinstock und seine Reben dachte. Wie groß war mein Irrtum, als ich wünschte, den Lebenssaft aus ihm heraus, in mich hinein zu bekommen!

Ich musste den Abschnitt mehrfach lesen, bis ich verstanden hatte, was überhaupt die Erkenntnis von Taylor war. Taylor erkannte, dass das Ruhen in dem Werk Christi schon der Glaube ist, durch den er Jesu Liebe und Kraft empfangen kann. Er verstand, dass gerade dieses Ringen um den Glauben das Gegenteil vom Ruhen in dem Werk Christi ist. Er konnte ruhen, weil er erkannte, dass Jesu Liebe und Treue unabhängig von seinen Bemühungen und Treue sind.
Am Ende von Vers 17 heißt es: „denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ Wir sind dazu berufen und bestimmt, vom Wesen her wie Gott zu sein. Da die Liebe das ist, was das Wesen Gottes ausmacht, ist es geradezu unsere Bestimmung einander zu lieben. Unsere Hauptaufgabe auf dieser Welt ist zu lieben. Lasst uns daher unseren Fokus darauf setzen, dass Gottes Liebe durch uns zu anderen strömt. Dann wird auch die Gemeinschaft in der Gemeinde mehr und lebendiger. Lasst uns beten.
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1 MacDonald, W. (20095): Kommentar zum Neuen Testament. CLV, S. 1391.
2 De Boor, W. (o.J.): So ist Jesus. CMV, S. 56-59.

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