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Weihnachtsgottesdienst:

Immanuel -
        Gott mit uns!


Weihnachtsbotschaft mit anschließendem fröhlichen Beisammensein. 

Am 20. Dez. '09 (4. Advent) um 15 Uhr
im Gemeindehaus der 
Evangelischen Markusgemeinde
Rheinstr. 29/1
69126 Heidelberg

Einladungsflyer zu Weihnachtsgottesdienst
designed by Micheal Staats

Fragebogen: Rut 4,1-22

Feb 7th, 2010

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Der wird dich erquicken


    Der wird dich erquicken und dein Alter versorgen. Denn deine Schwiegertochter,
    die dich geliebt hat, hat ihn geboren, die dir mehr wert ist als sieben Söhne.“
    (4,15)

1. Was tat Boas konkret, um sein Versprechen zu halten (1-6; 3,13)? Was wollte derjenige, der näher als Boas mit Elimelech verwandt war, zuerst tun? Warum gab er dennoch sein Recht, sie zu lösen, auf (5.6)?

2. Wie bekräftigte dieser Verwandte seinen Verzicht auf das Recht als Löser (7.8)? Welche Entscheidung traf Boas für Noomi und Rut und wen nahm er als Zeugen (9.10)?

3. Wie segnete das ganze Volk samt den Ältesten Boas und Rut (11.12)? Welche Bedeutung hatte ihr Segen in der Geschichte Gottes?

4. Was tat Boas (13a)? Wie segnete Gott die beiden (13b)? Was sagten die Frauen zu Noomi (14)?

5. Welche Bedeutung hatte das Kind für Noomi (15)? Wie wertvoll war ihr Rut? Wie liebte Noomi das Kind (16)? Warum wurde dieses Kind Obed genannt (17a)?

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Predigt: Rut 3,1-18

Feb 7th, 2010

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So will ich dich lösen


    Bleib über Nacht hier. Will er dich dann am Morgen lösen,
    gut, so mag er’s tun; hat er aber keine Lust, dich zu lösen,
    so will ich dich lösen, so wahr der
    Herr lebt.
    Schlaf bis zum Morgen!“
    (13)

Vor zwei Wochen haben wir gesehen, wie Rut aus Liebe zu ihrer Schwiegermutter Noomi und aus persönlichem Glauben an den Gott ihrer Schwiegermutter die feste Entscheidung traf, mit dieser nach Bethlehem zu gehen, obwohl sie dort eigentlich keine Existenzgrundlage hatte.

Letzte Woche haben wir erfahren, wie sie die Frucht ihrer Entscheidung trug, indem sie hart arbeitete, um ihre Schwiegermutter zu versorgen. Dabei erfuhr sie den Segen Gottes, der sie gerade auf das Feld des gütigen und großzügigen Großgrundbesitzers Boas führte.

Doch damit war Gottes Segen für Rut noch lange nicht zu Ende. Gott wollte ihr viel mehr geben als nur die materielle Sicherung des Lebensunterhaltes für sich und ihre Schwiegermutter. Gott hatte einen großartigen Plan für Ruts Leben. Und durch sie wollte er auch Noomi segnen und trösten. Es war aber nicht Rut, die dies erkannte, sondern ihre Schwiegermutter. Wir wollen heute betrachten, wie Noomi Rut half – und wie Rut sich auch helfen ließ -, die Gnade Gottes in Anspruch zu nehmen und den Plan Gottes für ihr Leben zu verwirklichen. Dabei werden wir auch sehen, mit welcher Bereitschaft Boas seine Aufgabe als Löser annahm.

Noomi war bestimmt sehr dankbar für die Hingabe ihrer Schwiegertochter, die so fleißig arbeitete, um für sie zu sorgen. Doch Noomi wollte Rut nicht für ihre eigenen Zwecke ausnutzen. Sie wollte nicht, dass ihre Schwiegertochter um ihretwillen ihr Leben lang am Boden der Gesellschaft hart um ihre Existenz kämpfen musste. Das Leben sollte doch mehr sein als der nackte Kampf ums Überleben. Vor allem war ja Rut aus Glauben an den Gott Israels mit ihr gekommen. Nun sollte sie doch auch die Herrlichkeit des Lebens unter Gottes Segen in vollem Maß erleben. Sie dachte an Rut und wollte, dass diese glücklich wäre. Doch was hätte sie für ihre Schwiegertochter tun können?

Dann hörte sie Ruts Bericht, dass Gott diese auf das Feld von Boas geführt hatte. Wir erinnern uns, wie Noomi damals ausgerufen hatte:

Gesegnet sei er vom HERRN, der seine Barmherzigkeit nicht abgewendet hat von den Lebendigen und von den Toten. Und Noomi sprach zu ihr: Der Mann steht uns nahe; er gehört zu unsern Lösern.

Bis dahin war sie wegen der Schicksalsschläge, die sie erlitten hatte, mehr oder weniger verbittert gewesen. Doch nun brach sie in Jubel aus, weil sie entdeckte, dass Gott seine Barmherzigkeit nicht von ihnen abgewendet hatte, ganz im Gegenteil. Sie konnte wahrnehmen, dass Gott Rut mit voller Absicht auf Boas‘ Feld geführt hatte, weil er für Rut eine großartige Zukunftsperspektive hatte. Gott wollte Rut nicht nur zum Teil seines Volkes machen, sondern sie auch für sein Werk gebrauchen, Noomis Familie fortleben zu lassen, aus der, wie wir wissen, einige Generationen später König David kam und noch etliche Generationen später der Messias. Wie sollte das geschehen?

Elimelech hatte wohl, als er nach Moab umsiedelte, seinen Grundbesitz verkauft. Im mosaischen Gesetz hatte Gott jedoch die Vorsehung getroffen, dass man sein Land wieder auslösen konnte. Wenn aber der ehemalige Eigentümer nicht vermögend genug war, konnte ein naher Verwandter es für ihn erwerben. Im Fall von Noomis Familie war jedoch niemand da, für den man es hätte zurückkaufen können, denn Noomis Mann und Söhne waren ja alle tot, und Enkel waren keine da. In einer solchen Situation konnte der Verwandte, der als Löser fungierte, das Land erwerben, wenn er zugleich die Witwe heiratete und den ersten Sohn als Nachkommen des Verstorbenen betrachtete, für den das erworbene Land als Erbe bewahrt und verwaltet wurde. In der Tat hatte eine kinderlose Witwe sogar einen Anspruch gegen den nächsten Verwandten, von ihm gelöst zu werden, wenn dieser finanziell dazu in der Lage war. Gott wollte, dass Rut diesen Anspruch nutzen sollte. Das war es, was Noomi erkannte, als sie hörte, dass Boas Rut auf seinem Feld willkommen geheißen hatte.

Gottes wunderbarer Plan für Rut muss für Noomi ebenso überraschend wie offensichtlich gewesen sein. Boas gehörte zu den Lösern von Noomis Familie. Boas weist später darauf hin, dass es noch einen anderen, enger mit Noomis Mann verwandten Löser gab. Noomi muss das auch gewusst haben. Doch wenn Gott den anderen Verwandten vorgesehen hätte, Rut zu lösen, hätte er sie auf dessen Feld geschickt. Gott hatte aber seine Wahl offenbart, indem er Rut gerade auf Boas‘ Feld geführt hatte. Boas war auch vermögend genug, um Elimelechs Land zu kaufen. Und er war ein rechtschaffener und frommer Mann, sodass Noomi annehmen durfte, dass er auch bereit sein würde, die Aufgabe des Lösers zu übernehmen. Noomi muss dieses Anliegen Gottes, dass Rut und Boas zusammenfinden sollten, einige Wochen lang in ihrem Herzen bewegt haben, denn inzwischen war ja nicht nur die Gersten-, sondern auch die Weizenernte zu Ende. Sie muss viel gebetet und überlegt haben, wie man die Sache am besten angehen sollte. Doch Gott zeigte ihr nicht nur sein Ziel für Rut, sondern auch den Weg, dieses Ziel zu erreichen. Schließlich wurde sie aktiv und sprach mit Rut, die bis dahin keine Idee gehabt hatte, dass es überhaupt von weitergehender Bedeutung war, dass Gott sie gerade auf das Feld von Boas geführt hatte. Sie hatte einfach Tag für Tag treu Ähren gelesen und war froh gewesen, dass sie für Noomi sorgen konnte.

Noomi übereilte nichts. Erst als sie sich des Willens Gottes sicher war, sprach Noomi Rut an. Was sagte sie zu ihr? Betrachten wir Vers 1:

1 Und Noomi, ihre Schwiegermutter, sprach zu ihr: Meine Tochter, ich will dir eine Ruhestatt suchen, dass dir’s wohlgehe.

Hier zeigt sich, dass Noomi wirklich das Herz Gottes für Rut hatte. Wie Gott nach der Schöpfung gesagt hatte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei …“, bevor Adam sich überhaupt einsam gefühlt hatte, sah Noomi Ruts Bedürfnis nach einer Ruhestatt, nach einem Heim, und Gottes Willen, ihr eine solche Ruhestatt zu geben. Wie wir aber schon gesehen haben, hatte Gott einen Plan, der weit über Ruts persönliches Glück hinausging.

Welche Orientierung gab Noomi Rut weiter? Sehen wir uns die Verse 2-4 an:

2 Siehe, Boas, unser Verwandter, bei dessen Mägden du gewesen bist, worfelt diese Nacht Gerste auf seiner Tenne. 3 So bade dich und salbe dich und lege dein Kleid an und geh hinab auf die Tenne. Gib dich dem Mann nicht zu erkennen, bis er gegessen und getrunken hat. 4 Wenn er sich dann schlafen legt, so merke dir die Stelle, wo er sich hinlegt, und geh hin und decke zu seinen Füßen auf und leg dich hin, so wird er dir sagen, was du tun sollst.

Noomis Vorschlag erscheint ziemlich unkonventionell, aber irgendwie auch genial. Kein Wunder: Er kam ja direkt aus dem Geist Gottes, der Noomi einen Überblick über diese Angelegenheit gegeben hatte, sodass sie wusste, was zu tun war. Wir werden sehen, dass dieser Plan, den Gott Noomi ins Herz gab, absolut unfehlbar war. Es trat alles genau so ein, wie sie Rut gesagt hatte.

Zunächst musste der richtige Zeitpunkt für das Gespräch mit Boas gefunden werden. Noomi wusste aus Erfahrung oder hatte von den anderen Frauen in Bethlehem gehört, dass Boas an diesem Abend auf seiner Tenne Gerste worfeln würde. Das geerntete Getreide musste zuerst gedroschen werden, d.h. die Getreidekörner wurden aus den Halmen geschlagen. Danach wurde das Getreide geworfelt, d.h. im Prinzip gereinigt. Man warf es in die Luft, damit der Wind die Spreu wegblasen konnte. Das geschah auf einer Tenne, einer festen, ebenen Fläche, die leicht erhöht lag. Man sagt, dass der Wind abends dafür am besten war. Boas würde danach nicht, wie die anderen, nach Hause gehen, sondern auf der Tenne übernachten, um sein Getreide zu bewachen. Gott zeigte Noomi, dass dies die goldene Gelegenheit sein würde, Boas gegenüber Ruts Recht auf Lösung geltend zu machen.

Nun hätte Noomi selbst mit Boas sprechen können. Wenn es um Eheanbahnung ging, war das bei den Juden eigentlich Sache der Eltern. Bei der sogenannten Schwagerehe war es jedoch anders. Da sollte die kinderlose Witwe selbst zum Löser gehen und ihr Anliegen vorbringen. Daher handelte Noomi nicht selbst, sondern half Rut, ihr Recht selbst in Anspruch zu nehmen. Man könnte aber auch sagen: Die Gnade Gottes in Anspruch zu nehmen, denn diese war die Wurzel dieser Regelungen des Gesetzes.

Die Orientierung, die Gott Rut durch Noomi gab, war sehr detailliert. Rut sollte sich vorbereiten, indem sie sich pflegte und ihre Witwenkleidung gegen ein schönes Überkleid austauschte. Boas war eigentlich nicht verpflichtet, Rut zu lösen, denn er war nicht der nächste Verwandte. Rut musste also sein Herz gewinnen und seine Bereitschaft wecken, die Aufgabe als Löser zu übernehmen. Eine angenehme äußere Erscheinung würde dabei sicher nicht schaden. Die Vorbereitung war aber auch oder vielleicht vor allem für Rut selbst nötig. Rut sollte bewusst ihre Witwenkleidung ablegen, und sich bereit machen, sich auf eine neue Verbindung einzulassen.

Dann sollte sie zur Tenne hinabgehen, sich aber zunächst verbergen. Die Erntehelfer würden noch gemeinsam zu Abend essen und dann nach Hause gehen. Danach würde Boas sich bald schlafen legen. Rut sollte sich merken, wo er sich hingelegt hatte, dorthin gehen, seine Decke am Fußende hochheben und sich zu seinen Füßen hinlegen. Bestimmt würde Boas aufwachen, und dann sollte Rut tun, was er ihr sagen würde.

Noomi war wirklich eine hervorragende Hirtin für Rut, die ja menschlich und geistlich jung war und Führung und Begleitung auf ihrem Glaubensweg brauchte. Mit geistlicher Liebe kam Noomi Ruts Anliegen, eine Ruhestatt zu finden, zuvor und machte es zu ihrem eigenen Anliegen. Sie konnte viel früher als Rut merken, wohin die Führung Gottes ging. Sie betete viel, und zwar so lange, bis sie von Gott ein klares Bild bekam, was sie Rut raten sollte. Sie behielt aber alles in ihrem Herzen, bis die richtige Zeit gekommen war. Als sie dann endlich mit Rut darüber sprach, machte sie deutlich, dass sie sie durch Orientierung unterstütze, aber dass Rut selbst handeln musste. Die Anweisungen, die sie Rut gab, waren so präzise, dass Rut Schritt für Schritt folgen konnte. Allerdings ging die Orientierung nicht weiter als bis zu dem Punkt, dass Rut mit Boas sprechen musste. Noomi bereitete sozusagen die Grundlagen vor, damit Rut danach eigenständig die Situation weiter gestalten konnte.

Ich bin von Noomis geistlicher Qualität als Hirtin wirklich beeindruckt. Ihre Herangehensweise gibt mir ein großes Vorbild für mein eigenes Hirtenleben. Ihr Herzenseinsatz und ihre geistliche Weisheit sind die Punkte, die ich vor allem von ihr lernen möchte.

Wie reagierte Rut auf die Orientierung ihrer Schwiegermutter? Betrachten wir die Verse 5 und 6:

5 Sie sprach zu ihr: Alles, was du mir sagst, will ich tun. 6 Sie ging hinab zur Tenne und tat alles, was ihre Schwiegermutter ihr geboten hatte.

Bemerkenswert ist, dass sie sofort die Entscheidung traf, zu tun, was Noomi geboten hatte. Wie hätten wir uns wohl an ihrer Stelle verhalten? Hätten wir nicht zuerst gründlich überlegt, ob Noomis Vorschlag wirklich sinnvoll und vernünftig ist? Hätten wir uns nicht zurückgezogen, um uns erst mal Klarheit zu verschaffen, ob wir das wirklich tun wollen? Hätten wir nicht Chancen und Risiken abgewogen? Hätten wir nicht vielleicht Noomis Vorschlag relativiert oder entsprechend unserem eigenen Lebensplan umgedeutet? Aber Rut nahm Noomis Plan sofort ohne Wenn und Aber an und ordnete sich Noomis Orientierung unter. Ohne Zweifel, ohne Zögern, ohne Widerspruch und sogar ohne Rückfrage gehorchte sie und war bereit, sich auf ein Unternehmen mit ungewissem Ausgang einzulassen. Und das entsprach damals genauso wenig dem Zeitgeist wie heute. Es war ja die Richterzeit, in der jeder tat, was ihn Recht dünkte, in der jeder selbst über sein Leben bestimmte und tat, was er wollte.

Wie konnte Rut so gehorchen, während die Menschen damals, wie auch wir heute, nach Autonomie und Selbstbestimmung strebten? Welche Grundhaltung stand hinter Ruts Gehorsam? Ihr Gehorsam kam aus ihrer Liebe zu ihrer Schwiegermutter und aus ihrer unlösbaren Beziehung zu ihr. Wir erinnern uns an die Entscheidung von Rut in Kap. 1, Verse 16 und 17:

Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Sie hatte ihr Leben an Noomi gebunden. Sie hatte es zu ihrem Ziel gemacht, treu bei ihr zu bleiben und ihr zu dienen, zumal Noomi für sie sozusagen das Bindeglied zu Gott bzw. die Mittlerin zwischen Gott und ihr war. Dabei war Rut ganz frei von sich selbst. Sie schaute nicht auf sich, sondern auf Noomi und erkannte deren Liebe zu ihr und deren guten Willen für sie. Ob sie die einzelnen Schritte, die sie unternehmen sollte, im Einzelnen verstanden hat, ist ungewiss. Aber das war auch nicht wichtig für sie. Weil sie reine Liebe zu Noomi hatte und nicht berechnete, konnte sie einfach tun, was Noomi sagte.

Die Haltung, die sie aufbrachte, ist kennzeichnend für Menschen des Glaubens. Als Abraham von Gott aufgefordert wurde, sein Vaterland zu verlassen und in ein Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen würde, gehorchte er, obwohl er nicht wusste, wo er hinkäme. Wegen seines Glaubensgehorsams konnte Gott ihn zum Vater vieler Völker machen. Als Maria vom Engel Gabriel hörte, dass Gott sie als Mutter des Christus auserwählt hatte, sagte sie sogleich: „Siehe, ich bin des Herrn Magd. Mir geschehe, wie du gesagt hast“, obwohl sie dafür ihre eigenen Lebenspläne aufgeben musste. Dadurch wurde sie zur wohl privilegiertesten Frau in Gottes Erlösungsgeschichte. Als Jesus zu seinen ersten Jüngern sagte: „Folge mir nach!“, standen sie sofort auf und gingen mit ihm, obwohl sie ihre Boote bzw. ihren Zolltisch zurücklassen mussten. Gott machte sie zu den größten Lehrern der Menschheit. Sie alle schauten nicht auf sich selbst, sondern auf Gott bzw. Jesus, und gehorchten ohne zu berechnen.

Als ich über Ruts Gehorsam nachdachte, fiel es mir zuerst sehr schwer, einen Zugang zu ihrer Person zu finden. Das lag wohl daran, dass ich selbst so ganz anders bin. Ich will meine Entscheidungen selbst treffen. Ich kann schon einen Rat oder Vorschlag annehmen, aber nur, wenn ich auch selbst davon überzeugt bin. Den Schlüssel zum Verständnis hat mir unabsichtlich M. Peter gegeben, indem er beim Bibelstudium unseres Kreises auf die Parallele zwischen Rut und Maria hinwies. In der Adventszeit vor einem Jahr hatte ich ja Gelegenheit gehabt, über die Ankündigung der Geburt Jesu zu predigen. Also frischte ich meine Erinnerung an das, was ich damals gelernt hatte, auf, indem ich meine Predigt zu Lk 1 herauskramte. Und wirklich: Was ich damals über Maria erkannt hatte, passt genauso auf Rut. Und als ich noch weitere Personen fand, die auf Gottes Wort hin spontan gehorcht haben, wurde mir klar, dass es um die generelle Haltung des Glaubens geht: Nicht ich, sondern Gott und die Mitmenschen. Nicht meine Gedanken, sondern Gottes Gedanken. Nicht meine eigenen Pläne, sondern Gottes Wille. Ich bemühe mich seit langem, diese Haltung zu lernen, aber wegen meiner sündigen, menschlichen Natur falle ich immer wieder in meine humanistische Gesinnung zurück. Über den Glauben und die Entscheidung von Rut nachzudenken, hat mich aber sehr ermutigt, diesen Kampf, eine geistliche Gesinnung aufzubringen, weiter zu führen. In diesem Jahr habe ich Mt 6,33 als Jahresleitwort: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Ich will auf Gott schauen und meine Gesinnung seiner Herrschaft unterordnen. Dadurch werde ich nicht nur frei von mir selbst, sondern darf auch aus seinem Segen leben.

Doch kehren wir zu unserer Geschichte zurück. Betrachten wir die Verse 7 und 8:

7 Und als Boas gegessen und getrunken hatte, ward sein Herz guter Dinge und er ging hin und legte sich hinter einen Kornhaufen. Und sie kam leise und deckte zu seinen Füßen auf und legte sich hin. 8 Als es nun Mitternacht ward, erschrak der Mann und beugte sich vor; und siehe, eine Frau lag zu seinen Füßen.

Alles lief nach Plan. Nach dem Abendessen legte sich Boas hinter einem Kornhaufen schlafen. Rut schlich herzu, hob Boas‘ Decke am Fußende hoch und legte sich hin. Um Mitternacht erwachte Boas und stellte zu seiner großen Überraschung fest, dass eine Frau zu seinen Füßen lag. Verblüfft fragte er sie:

Wer bist du?

Was antwortete Rut darauf? Betrachten wir Vers 9b:

Sie antwortete: Ich bin Rut, deine Magd. Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser.

Rut nahm all ihren Glaubensmut zusammen und machte Boas praktisch direkt einen Heiratsantrag. Sie hätte von sich aus nie den Gedanken gehabt, Boas heiraten zu wollen. Aber als Noomi ihr diesen Vorschlag machte, nahm sie ihn an. Sie machte Noomis Anliegen zu ihren eigenen Anliegen und setzte sich ganz aktiv für dessen Verwirklichung ein.

Der Ausdruck, den sie hier gebraucht: „Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Magd“, klingt sehr poetisch, und er ist es auch. Doch er war in der damaligen Zeit eine gängige Formel. Der Prophet Hesekiel gebraucht diesen Ausdruck auch einmal in Bezug auf Gott und das Volk Israel. Indem Rut diese Worte gebrauchte, konnte Boas sofort wissen, was sie von ihm wollte. Und indem sie hinzufügte: „Denn du bist der Löser“ konnte kein Missverständnis aufkommen. Er hätte niemals denken können, sie sei aus menschlicher Leidenschaft zu ihm gekommen. Es war für ihn ganz klar, dass sie das Recht auf Lösung nach dem Gesetz in Anspruch nahm und von ihm begehrte, das Gesetz zu erfüllen. Bemerkenswert ist noch, dass Rut sagte, Boas sei DER Löser, während Boas nachher sagen wird, er sei EIN Löser. Für Rut war offensichtlich, dass nicht der näher Verwandte, sondern Boas der Löser war, den Gott ihr gegeben hatte.

Nun war der alles entscheidende Moment gekommen. Ruts und auch Noomis weiteres Schicksal hing von Boas‘ Reaktion ab. Wie würde Boas auf Ruts Bitte antworten? Würde er sie annehmen? Sehen wir uns Vers 10 an:

10 Er aber sprach: Gesegnet seist du vom HERRN, meine Tochter! Du hast deine Liebe jetzt noch besser erzeigt als vorher, dass du nicht den jungen Männern nachgegangen bist, weder den reichen noch den armen.

Boas war sehr bewegt und segnete Rut. Worauf bezieht sich sein Wort: „Du hast deine Liebe jetzt noch besser erzeigt als vorher“? Als er in Kap. 2 Rut auf seinem Feld angetroffen hatte, hatte er ihr ein Segenswort gegeben:

Man hat mir alles angesagt, was du getan hast an deiner Schwiegermutter nach deines Mannes Tod; dass du verlassen hast deinen Vater und deine Mutter und dein Vaterland und zu einem Volk gezogen bist, das du vorher nicht kanntest. Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.

Dass sie ihre Heimat verlassen und sich Gottes Volk angeschlossen und ihr Leben an ihre Schwiegermutter gebunden hatte, für die sie nun sorgte, das war die Liebe gewesen, die sie vorher erzeigt hatte. Zu dieser Liebe fügte sie nun noch hinzu, dass sie das Herz hatte, die im Prinzip schon ausgestorbene Linie von Elimelech wiederaufleben zu lassen, indem sie sich bereit stellte, sich lösen zu lassen. Ihr erster Sohn würde dann als Noomis Enkel gelten. Boas hatte ihr damals Gottes vollkommenen Lohn gewünscht für ihre Entscheidung, zu Gott zu kommen und unter seinen Flügeln Zuflucht zu suchen. Und nun wollte Gott gerade ihn gebrauchen, um ihr tatsächlich Zuflucht zu gewähren.

Was versprach Boas Rut? Betrachten wir Vers 11:

Nun, meine Tochter, fürchte dich nicht. Alles, was du sagst, will ich dir tun; denn das ganze Volk in meiner Stadt weiß, dass du eine tugendsame Frau bist.

Mit großer Herzenswärme, Freude, Respekt und offenen Armen nahm Boas Rut an. Sie sollte sich keine Sorgen machen, er würde sich um ihr Anliegen kümmern. Ist es nicht interessant, das er fast die gleichen Worte gebrauchte wie Rut, als sie ihrer Schwiegermutter zugesagt hatte, dass sie alles tun würde, was sie ihr gesagt hatte? Auch er musste nicht erst überlegen, sondern traf eine spontane Entscheidung. Und die Charakterisierung Ruts als „tugendsam“ entspricht im hebräischen Original der Bezeichnung „angesehen“, die in Kap. 2, V. 1 für Boas gebraucht wird. Auf großartige Weise hatte Gott zwei Menschen zusammengeführt, die in ihrem Charakter und in ihrer geistlichen Haltung so sehr übereinstimmten.

Es gab aber ein Problem, das der Führung Gottes noch im Wege stand. Betrachten wir die Verse 12 und 13:

12 Ja, es ist wahr, dass ich ein Löser bin; aber es ist noch ein Löser da, näher verwandt als ich. 13 Bleib über Nacht hier. Will er dich dann am Morgen lösen, gut, so mag er’s tun; hat er aber keine Lust, dich zu lösen, so will ich dich lösen, so wahr der HERR lebt. Schlaf bis zum Morgen!

Da war ja noch dieser andere Verwandte, der ein vorrangiges Recht hatte, Elimelechs Feld und seine verwitwete Schwiegertochter zu lösen. Boas hätte Rut einfach zu diesem anderen Verwandten schicken können. Doch Boas wollte selbst die Verantwortung übernehmen. Sehr gerne war er bereit, sie zu lösen, obwohl es für ihn eigentlich große Hingabe bedeutete. Wenn er Rut heiratete, würde der erste Sohn als Nachkomme und Erbe von Ruts verstorbenem Mann gelten. Er sollte ihn gut erziehen, aber immer mit dem Bewusstsein, dass er nicht zu seiner, sondern zu Elimelechs Familie gehörte. Das Land, das Boas bekommen würde, indem er Rut löste, durfte er nicht als sein eigenes betrachten, sondern musste es bewahren und verwalten, damit sein erster Sohn es als Familienland von Elimelech besitzen könnte. Seine Bereitschaft, Rut zu lösen, war überhaupt nicht selbstverständlich. Wir wissen aus der Genesis, dass Judas zweiter Sohn sich weigerte, mit Tamar ein Kind zu zeugen, weil er sich seiner Pflicht entziehen wollte. Wir werden nächste Woche sehen, dass auch der andere Verwandte von Noomis Mann seiner Aufgabe nach dem Gesetz nicht nachkommen wollte. Doch Boas dachte nicht an sich und berechnete nicht. Es war ihm eine Ehre, dass Gott ihn auserwählt hatte, für eine tugendsame Frau wie Ruth als Löser zu fungieren. Er machte Ruts Anliegen zu seinem Anliegen und versprach ihr, dass er diese Sache gleich am nächsten Morgen regeln würde.

Wenn wir über Boas nachdenken, stellen wir fest, dass er ein Schatten Jesu Christi im Alten Testament ist. Die heidnische Frau Rut zu den Füßen des Boas ist ein Bild für die Sünder zu den Füßen des wahren Lösers Jesus Christus. Wie Rut Boas bat, sie anzunehmen, dürfen auch wir Sünder zu Jesus kommen und ihn bitten, uns anzunehmen. Er wird gerne bereit sein, den Mantel der Vergebung über uns zu breiten. Wie Boas seine ganze Person einsetzte, um Rut zu lösen und für sich zu gewinnen, gab auch Jesus Christus sein Leben hin, um uns zu erlösen und uns zu seinem Eigentum zu machen.

Boas ließ Rut auf der Tenne übernachten, damit sie nicht schutzlos mitten in der Nacht nach Hause gehen musste. Friedlich schlief sie zu seinen Füßen. Ganz früh am Morgen, als man noch nicht die Hand vor Augen sehen konnte, stand Rut auf, denn Boas wollte ihren guten Ruf nicht gefährden. Er nahm sich aber die Zeit, ihr noch eine Segensgabe für ihre Schwiegermutter mitzugeben. Er bat sie, das Tuch, das sie umhatte, aufzuhalten. Als sie es hinhielt, maß er sechs Maß Gerste hinein – das war doppelt so viel wie sie an jenem ersten Tag auf Boas‘ Feld nach Hause gebracht hatte – und lud ihr’s auf.

Was tat er danach? Betrachten wir Vers 15b:

Und er ging in die Stadt.

Gleich frühmorgens ging er unverzüglich in die Stadt, um möglichst bald das Gespräch mit dem anderen Löser zu suchen und Ruts Angelegenheit zu klären. Er setzte sich von ganzem Herzen für Ruts Anliegen ein.

Was tat Rut inzwischen? Betrachten wir die Verse 16 und 17:

16 Sie aber kam zu ihrer Schwiegermutter. Die sprach: Wie steht’s mit dir, meine Tochter? Und sie sagte ihr alles, was ihr der Mann getan hatte, 17 und sprach: Diese sechs Maß Gerste gab er mir; denn er sagte: Du sollst nicht mit leeren Händen zu deiner Schwiegermutter kommen.

Bestimmt hatte Noomi mit großer Spannung auf Ruts Rückkehr gewartet. Als Rut nach Hause kam, erkundigte sie sich natürlich sofort, wie es gelaufen ist, vor allem, ob Boas Rut angenommen hatte. Rut erzählte ihr alles ganz genau. Dabei betonte sie besonders, dass Boas auch an Noomi gedacht hatte, und zeigte die mitgebrachte Gerste vor.

Was sagte Noomi schließlich? Schauen wir uns Vers 18 an:

18 Sie aber sprach: Warte nun ab, meine Tochter, bis du erfährst, wo es hinauswill; denn der Mann wird nicht ruhen, er bringe es denn heute zu Ende.

Noomi und Rut hatten alles getan, was sie hatten tun können. Nun kam es auf Boas an. Was er nun tat, war entscheidend für das weitere Leben dieser beiden Frauen, denen nichts übrig blieb, als abzuwarten, zu welchem Ende die Angelegenheit kommen würde. Noomi war sicher, dass Boas nicht ruhen würde, bis die Sache einen guten Ausgang gefunden haben würde, und zwar noch heute. Da sie Gottes Plan kannte und dieser bis zu diesem Punkt 1:1 aufgegangen war, hatte sie große Zuversicht, dass es ein Happy End geben würde.

Wir haben heute gesehen, dass Gott einen großen Plan für Ruts Leben hatte, den er ihr durch Noomi offenbart hat. Gott wollte das bittere Schicksal der beiden Witwen wenden und ihrem Leben eine große Bedeutung geben, indem er Rut eine Ruhestatt und Noomi die Wiederherstellung ihrer im Aussterben begriffenen Familie schenkte. Dafür wollte Gott Boas gebrauchen. Wir haben auch über drei Vorbilder des Glaubens nachgedacht, nämlich Noomi, Rut und Boas, die sich alle drei dafür eingesetzt haben, Gottes Plan zur Erfüllung zu bringen. Gott präge uns mit ihrer Gesinnung, sodass wir den Fußtapfen ihres Glaubens nachfolgen können. Lesen wir zum Abschluss noch einmal den Leitvers, Vers 13:

    Bleib über Nacht hier. Will er dich dann am Morgen lösen, gut, so mag er’s tun; hat er aber keine Lust, dich zu lösen, so will ich dich lösen, so wahr der Herr lebt. Schlaf bis zum Morgen!
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Fragebogen: Rut 3,1-18

Jan 31st, 2010

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So  will  ich  dich  lösen

„Bleib über Nacht hier. Will er dich dann am Morgen lösen, gut, so mag er’s tun;
hat er aber keine Lust, dich zu lösen, so will ich dich lösen, so wahr der Herr lebt.
Schlaf bis zum Morgen!“ (13)

1. Welches Anliegen hatte Noomi für Rut (1)?  Was ließ sie Rut dafür tun (2-4)?  In welcher Hinsicht war es für Rut schwer, ihr zu gehorchen?

2. Wie antwortete Rut auf Noomis Anweisung (5)?  Was tat sie (6.7)?  Wie konnte sie auf diese Weise gehorchen (1,16)?

3. Wie entdeckte Boas Rut (8)?  Was verlangte Rut von ihm (9)?  Wie betrachtete Boas ihre Tat (10.11)?

4. Was versprach er ihr in Bezug auf das Lösen (12.13)?  Was bedeutet „sie zu lösen“?  Was können wir von Boas lernen?

5. Was gab Boas Rut, als es Morgen wurde (14.15)?  Welche Zuversicht empfing Noomi, als sie durch Rut erfuhr, was Boas getan hatte (16-18)?

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Predigt: Rut 2,1-23

Jan 31st, 2010

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Gott führt Rut zu einem gesegneten Leben

In Kürze erinnern wir uns an die letzte Lektion. Wir befinden uns in Bethelehem um die Zeit der Richter. Noomi war nach über 10 Jahren als arme Witwe zurück in ihre Heimat gekehrt. Ihr Mann und ihre beiden Söhne waren im Moabiterland verstorben. Dafür begleitete sie aber eine andere Person, eine bemerkenswerte junge Frau, ihre Schwiegertochter Rut. Sie hatte eine außergewöhnliche Entscheidung getroffen, „Wo du hingehst will auch ich hingehen, wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott…“ Sie folgte Noomi nach Bethlehem, schloss sich dem Volk Israel an und nahm den Gott Israels als ihren persönlichen Gott an. Es war eine überraschende, eine sagenhafte und beispiellose Entscheidung. Sie offenbart ihre Liebe zu Noomi, ihre Treue gegenüber ihr, ihre Selbstlosigkeit und vor allem ihren persönlichen Glauben an Gott, den sie unter den Israeliten noch weiter kennenzulernen erhoffte. Und Gott segnete sie.

Der Verfasser führt hier direkt im ersten Vers eine neue Person ein. Vers 1: „Es war aber ein Mann, ein Verwandter des Mannes der Noomi, von dem Geschlecht Elimelechs, mit Namen Boas; der war ein angesehener Mann.“ Für „angesehen“ gibt es verschiedene Übersetzungen, z.B. „vermögend“, „wohlhabend und einflussreich“ und „tüchtig“. Wortwörtlich heißt es „ein Mann der Tapferkeit“. Boas´ Name bedeutet: „In ihm ist Kraft!“ Im Laufe der Geschichte werden wir sehen, dass alle diese Beschreibungen auf Boas zutreffen. Aber viel wichtiger und interessanter ist seine Herkunft. Boas wird als Verwandter des Mannes der Noomi vorgestellt. Die Tatsache, dass er mit Elimelech verwandt war, spielt hier eine enorm wichtige Rolle. Es ist sozusagen der Clou dieser wunderschönen Geschichte. Aber darauf kommen wir nochmal zurück.

Wir betrachten zunächst die Handlung der Geschichte aus der Perspektive von Rut.

In Bethlehem angekommen  begann nun der Überlebenskampf. Die harte Realität holte sie ein. Die beiden Frauen Noomi und Rut befanden sich in einer äußerst ungünstigen Lage. Beide waren Witwen, denn alle drei Männer aus Noomis Familie waren tot. Sie hatten weder Essen noch gab es jemanden, der sie versorgen und ihre Zukunft absichern konnte. Ebenso wenig besaßen sie Felder geschweige denn, dass sie eine Arbeitsstelle hatten. Was blieb ihnen also übrig? Welchen Gedanken hegte Rut? Lesen wir Vers 2: „Und Rut, die Moabitern, sprach zu Noomi: Lass mich aufs Feld gehen und Ähren auflesen bei einem, vor dessen Augen ich Gnade finde.“ Noomi kannte sich in Betlehem aus. Sie war diejenige, die connections hatte. Sie wusste sich eher zu helfen als Rut, für die alles nur fremd war. Doch wir sehen, dass Rut keinerlei Erwartungen an Noomi stellte. Sie verlangte nichts von ihrer Schwiegermutter. Obwohl sie eigentlich selbst eine ahnungslose Frau war, ergriff sie zuerst die Initiative, noch bevor Noomi etwas unternehmen konnte. Und warum? Rut war fest entschlossen ihre alte Schwiegermutter zu versorgen. Für sie war das keine Frage. Schließlich hatte sie sich entschieden sich um ihre Schwiegermutter zu kümmern, bis der Tod sie scheidet. Also suchte sie sich eine sinnvolle Arbeit und nahm so ziemlich die einzige Möglichkeit wahr, die sie hatte, und zwar Nachlese halten. Scheinbar kannte Rut das Gesetz, welches Gott extra für die Armen und Fremden, also Ausländer wie sie, erlassen hatte. Die Stelle in 3.Mose 23, 22 sagt: „Wenn ihr aber euer Land aberntet, sollt ihr nicht alles bis an die Ecken des Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten, sondern sollt es den Armen und Fremdlingen lassen. Ich bin der HERR, euer Gott.“ Gott denkt an die Armen und Bedürftigen, an Außenseiter und an Ausländer. Und von diesem Gesetz durfte Rut Gebrauch machen. Sie durfte von der Gnade und Fürsorge Gottes profitieren. Als Noomi ihren festen Entschluss hörte, ließ sie sie gehen. Aber würde sie Gnade finden? Sie war nicht nur eine arme Witwe sondern auch noch Moabiterin, die eigentlich unter dem Volk Israel nichts verloren hatte. Würde sie ohne Weiteres ein Feld finden, auf dem sie nicht vertrieben und mit verächtlichen Blicken angesehen wird? Rut ging dennoch los. Es war morgens! Sie verließ die Stadt, um auf die Felder zu kommen. Aus der Stadt heraus öffnete sich der Blick auf das weite Land. Es war Erntezeit. Weit und breit waren nur noch Felder zu sehen. Hier konnte sie sich wieder Hoffnung machen. In der Hoffnung, dass sie Noomi und sich selbst damit verpflegen kann, wollte sie hart arbeiten. Rut sah schon die ersten Schnitter auf einem Feld. Hier wollte sie arbeiten. Aber es war nicht sonderlich angenehm auf einem fremden Feld und etwas zu nehmen, wofür sie vorher keinen Finger gerührt hatte. Sie hatte weder gestreut noch irgendeine andere Vorarbeit geleistet. Sie war lediglich gekommen, um zu ernten was sie nicht gesät hatte. Um Missverständnissen oder Problemen zu entgehen, wollte sie zunächst eine Genehmigung erhalten. Sie ging auf einen Arbeiter zu, der über diese Schnitter gestellt war. In aller Dringlichkeit und Demut bat sie den Knecht: „Lasst mich doch auflesen und sammeln hinter den Garben den Schnittern nach.“  Als er ihr die Erlaubnis erteilte, fing sie an hinter den Schnittern nach übrigen Ähren Ausschau zu halten. Hier und da konnte sie Ähren finden, sich bücken und sie aufheben. Rut war froh und dankbar, dass sie auf diesem Feld die Reste sammeln durfte. Aber die Arbeit war monoton und nicht besonders effektiv. Während die Schnitter riesige Bündel von Ähren zusammenbrachten, konnte Rut bei der Nachlese nur wenige übrige Ähren finden. Das Bücken war außerdem unheimlich mühsam und anstrengend und verursachte bald Rückenschmerzen. Zusätzlich wurde es unter der glühenden Sonne immer heißer. Als die Sonne zu stechen begann, war es nahezu unerträglich. Schweißtropfen rannen über ihr Gesicht, und ihr Durst wurde größer… Was machte sie hier eigentlich? Warum war sie auf dem Feld und wozu mühte sie sich so ab? Sollte sie sich hier Leben lang so abquälen? Was für eine erbärmliche Aussicht! Die Hitze machte ihr zu schaffen, und hin und wieder musste sie sich einen schattigen Baum suchen, unter dem sie sich kurz ausruhen konnte. Aber dann fiel ihr ihre liebe Schwiegermutter Noomi ein. Als sie an Noomi dachte, machte sich dann schnell wieder an die Arbeit. Sie durfte keine  Zeit verlieren und sich lange Verschnaufpausen gönnen. Schließlich wartete Noomi bestimmt auf sie. Während sie nun weiter eifrig Ähren aufsammelte, hörte sie im Hintergrund einen Gruß an die Schnitter: „Der Herr sei mit euch!“ Es musste sich um den Besitzer des Feldes handeln. Seine Angestellten riefen ihm zu: „Der Herr segne dich!“ Welche liebevolle Beziehung herrschte unter ihnen. So eine Harmonie, Freundlichkeit und Respekt vom Chef gegenüber seinen Arbeitern und umgekehrt hatte sie kaum gesehen. Doch nun kam diese Person auf sie zu. Oh Schreck! Ausgerechnet der Besitzer des Feldes, auf dem sie seine Ähren aufsammelte. Was für eine unangenehme Begegnung. Dabei wollte sie doch anonym bleiben. Sie wollte nur still und unauffällig Ähren sammeln und dann sofort  verschwinden. Und nun stand der Besitzer höchstpersönlich vor ihr. Am liebsten hätte sie sich irgendwo verkochen. Doch zu ihrer Überraschung sprach eine freundliche und sanfte Stimme sie an, der gleiche liebevolle Ton, mit dem er seine Angestellten begrüßt hatte: „Hörst du wohl, meine Tochter? Du sollst nicht auf einen anderen Acker gehen, um aufzulesen. Geh auch nicht von hier weg, sondern halt dich zu meinen Mägden. Und sieh, wo sie schneiden im Felde, da geh ihnen nach. Ich habe meinen Knechten geboten, dass dich niemand antaste. Und wenn dich dürstet, so geh hin zu den Gefäßen und trinke von dem, was meine Knechte schöpfen.“ Hatte sie da gerade richtig gehört? Was für eine Überraschung!! Kein Böses Wort. Keine vorwurfsvollen Blicke. Sondern im Gegenteil. Welche Freundlichkeit und Wärme!! Welche Sanftmut. Welche Fürsorge. Rut war vollkommen überwältigt. Sie konnte kaum fassen, dass jemand sie so freundlich behandelte. Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Sie musste sich Mühe geben, um ihre Tränen zurückzuhalten. Tiefe Dankbarkeit und Unverständnis über das Zuvorkommen von Boas überkamen sie. Sie konnte nicht anders als auf ihre Knie zu fallen und sich zu verneigen. Dabei brachte sie gerade noch ein Stammeln heraus: „Womit habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, dass du mir freundlich bist, die ich doch eine Fremde bin?“ Ihr riesiges Fragezeichen können wir verstehen, oder? Ihr leuchtete nicht ein, warum ein ihr fremder Israelit, der Ansehen und Wohlstand genoss, sie so freundlich ansprach. Boas erklärte: „Man hat mir alles angesagt, was du getan hast an deiner Schwiegermutter nach deines Mannes Tod; dass du verlassen hast deinen Vater und deine Mutter und dein Vaterland und zu einem Volk gezogen bist, das du vorher nicht kanntest. Der HERR vergelte dir deine Tat und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.“ Was war der Grund dafür, dass Boas der moabitischen Witwe mit vollem Respekt entgegen kam? Er würdigte ihre Tat und achtete ihre Entscheidung für Noomi und Gott hoch. Er war tief beeindruckt von ihrem selbstlosen Handeln und ihrem Fleiß bei der Arbeit. Für sie wünschte er sich Gottes vollkommenen Lohn und Segen. Zweifelsohne war er ein Mann Gottes. Ein Mann, der mit Gott tief verbunden war. Wir erinnern uns hier auch daran, dass Boas der Sohn von Rahab war. Rahab war eine Heidin in Jericho, die den israelischen Kundschaftern Barmherzigkeit erwies, weil sie an  Gott glaubte. Schließlich wurde sie mitsamt ihrer Familie gerettet. Durch seine eigene Mutter hatte Boas erlebt, wie der HERR Fremde annimmt und ihnen Zuflucht unter seinen Flügeln gewährt. Und vielleicht konnte er Rut umso besser verstehen, dass sie sich unter Gottes Obhut begeben wollte. Rut konnte immer noch nicht diese Wohltat begreifen und dankte noch einmal von Herzen: „Lass mich Gnade vor deinen Augen finden, mein Herr; denn du hast mich getröstet und deine Magd freundlich angesprochen, und ich bin doch nicht einmal wie eine deiner Mägde.“ Was sagen wir dazu? Für uns erscheint ihre Demut vielleicht etwas übertrieben zu sein. Aber Rut hatte im Grunde vollkommen Recht! Sie war eine Ausländerin und als Fremde auf das Feld von Boas gekommen. Noch lange war sie nicht wie eine seiner Mägde, die dort regelmäßig arbeiteten. Und eigentlich hatten die Männer in der Öffentlichkeit sich kaum um Frauen gekümmert. Doch der angesehene Boas respektierte sie sehr. Hier erfuhr sie Gnade um Gnade. Pure Gnade und Barmherzigkeit. Und nicht nur das. In ihrem einsamen und bitteren Kampf ums Überleben fand sie durch Boas Worte Trost. Da kannte scheinbar jemand ihre Sorgen, ihre Traurigkeit, ihre Einsamkeit und alles, was sie entbehrt hatte. Sie freute sich sehr über die tröstenden Worte. Sie fand auch Bestätigung darin, dass sie sich richtig für Gott entschieden hatte. Und gerade dafür wurde sie anerkannt und respektiert, unabhängig davon, dass sie aus dem moabitischen Volk kam. Durch diese Begegnung und dem Wortaustausch wurde Rut geistlich gestärkt und getröstet, so dass sie mit neuer Kraft und Motivation arbeiten konnte. Sie musste sich nun keine Sorgen mehr wegen der Überzahl an Männern machen. Sie durfte sich sicher fühlen und wurde eingeladen auf diesem Feld die ganze Ernte über Nachlese zu halten. Und sie durfte sich am Wasser bedienen. Ihre Dankbarkeit wuchs und sie arbeitete weiter, bis Boas sie zum Essen rief. Wieder erwies er ihr seine Freundlichkeit und Güte. Während sich Rut bescheiden zur Seite der Schnitter Platz nahm, gab Boas ihr leckere geröstete Körner, die sie mit Brot und Essig essen konnte. Hier war so reichlich an Essen vorhanden, dass Rut sich satt essen konnte und das Übrige einsteckte. Nun hatte sie auch physisch wieder Kräfte sammeln können und begab sich direkt nach dem Essen wieder an die Arbeit. Unermüdlich las sie die Ähren auf dem Feld auf. Und wahrscheinlich bereitete ihr das Ähren auflesen noch mehr Freude. Und kooooomisch!!! Plötzlich waren hinter den Schnittern überall verteilt noch ein Haufen Ähren übrig, als hätten sie Tomaten vor den Augen. Vor dem Essen war das doch noch nicht so. Und wieder erfuhr sie Gottes Gnade. In Vers 17 lesen wir: „So las sie bis zum Abend auf dem Felde und klopfte die Ähren aus, die sie aufgelesen hatte, und es war ungefähr ein Scheffel Gerste.“ Ein Scheffel entspricht etwa 20 Kilo. Eine stattliche Menge für eine Nachlese- man bedenke, an einem einzigen Tag nur. Ihr kennt doch bestimmt diese riesigen 10kg-Kartoffelsäcke, die es manchmal im Angebot gibt. Damit könnte man locker 3x unsere Gemeinde mit Essen versorgen. Na ja, wir wissen nicht, wie die arme Rut diese 20kg nach Hause schleppte. Aber irgendwie und irgendwann am späten Abend kam sie dann zu Hause an, völlig kaputt und erschöpft, aber überglücklich!! Noomi hatte sich wahrscheinlich schon Sorgen gemacht, aber als sie Rut mit dem riesigen Sack an Gerste erblickte, geriet sie nur noch ins Staunen. Sie fragte direkt: „Wo hast du heute gelesen und wo hast du gearbeitet? Gesegnet sei, der dir freundlich gewesen ist!“ Rut ließ nichts aus und erzählte so ziemlich alles, was sie erlebt und was Boas ihr gesagt hatte. Als Noomi von Boas erfuhr, strahlte sie über alle Ohren und sagte: „Gesegnet sei er vom HERRN, der seine Barmherzigkeit nicht abgewendet hat von den Lebendigen und von den Toten. Der Mann steht uns nahe; er gehört zu unsern Lösern!“ Offensichtlich kannte Noomi Boas, während Rut keinen blassen Schimmer hatte, wer dieser Boas war. Noomi hielt es für das Beste, dass Rut auf dem Feld von Boas weiterarbeitet, so wie es auch Boas empfohlen hatte.

Gut, so weit die Geschichte von Rut. Wie gefällt euch diese Geschichte? Schön, oder? Wie rührend ist es, dass Gott das einsame und traurige Leben von der moabitischen Witwe Rut mit Segen überhäufte. Etwas über Segen zu erfahren, klingt eigentlich immer gut. Segen ist mit Freude, mit Glück und Geschenken verbunden. Und keiner von uns kann behaupten, dass er nicht gesegnet werden will. Jeder möchte gerne Freude und Glück im Leben erfahren. Und das ist auch gut, denn Gott möchte uns gerne mit Segen überschütten. Dann lasst uns darüber nachdenken, wir der Weg zum Segen Gottes aussieht.

Dazu wollen wir auf die zwei bemerkenswerten Personen Boas und Noomi eingehen. Als Boas von Rut erfuhr, war er von ihrem Handeln wirklich angetan und sagte: „12 Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest“. Diese Worte haben eine praktische Bedeutung, denn  Rut durfte schließlich Geborgenheit und Liebe bei Boas finden. Boas ist natürlich ein Sünder. Aber wir können in seinem Verhalten Barmherzigkeit, Geborgenheit, Liebe zu Rut und er war in der Lage sie zu lösen finden. Wen verkörpert Boas also? Als Löser steht er praktisch für Gott bzw. unseren Heiland Jesus Christus. Jesus ist unser wahrer Erlöser, der unsere Schuld am Kreuz bezahlt und uns frei gekauft hat. Unendliche Gnade und Barmherzigkeit fließen zu jedem Menschen, so dass wie Rut alle Heiden Erlösung bei ihm finden können.

Wen repräsentiert dann Noomi? Noomi stellt die eigentliche Schlüsselfigur zum Segen von Rut dar. In ihr finden wir den guten Hirten wieder. Sie war zwar eine alte Frau, die in unseren Augen nicht viel anrichten konnte. Aber für den Segen von Rut war sie eine absolut notwendige Person. Warum? Warum spielte sie eine entscheidende Rolle für Rut? (1.) Boas war ein Verwandter ihres verstorbenen Mannes. Also konnte sie ihn ihrer Schwiegertochter Rut vermitteln, während Rut außer Noomi niemanden in Bethlehem kannte. (2.) Noomi erkannte sofort Gottes Führung und seine Barmherzigkeit an ihnen, so dass sie Rut entscheidenden Ratschläge und Anweisungen für die Zukunft geben konnte. Sie hatte eine besondere geistliche Einsicht und wusste genau, dass Gott Rut zu Boas geführt hatte. Sie hatten den geistlichen Überblick, während Rut noch nichts davon verstand. Und (3.) Noomi half Rut mit weisen und passenden Ratschlägen, so dass Rut mit  Zuversicht weiter auf dem Feld von Boas arbeiten konnte.

Was können wir konkret von Rut lernen, die den Segen Gottes erfahren durfte?

Von Rut lernen wir eine ganze Menge. Sie ist eine Frau, die unheimlich viele Vorzüge aufweist, die Männerherzen dahin schmelzen lässt(?)!! Sprüche 31: „10 Wem eine tüchtige Frau beschert ist, die ist viel edler als die köstlichsten Perlen. 30 Lieblich und schön sein ist nichts; eine Frau, die den HERRN fürchtet, soll man loben.“ Rut ist eine beeindruckende und lobenswerte Persönlichkeit, von der wir uns alle eine dicke Scheibe abschneiden können. Ihre Liebe zu Noomi, die Treue gegenüber ihr, die unglaubliche Hingabe und Selbstlosigkeit, ihre Demut vor Boas, ihr Fleiß, Eifer und Mühe beim Arbeiten, ihre beständige Dankbarkeit für jede kleine Gunst usw. usf.. Und diese wundervollen Eigenschaften gebrauchte Gott, um sie zu einem gesegneten Leben zu führen. Was wäre passiert, wenn Rut zuhause geblieben wäre? Nichts. Oder habt ihr schon mal gehört, dass Gott Faule segnet? Gott segnet die fleißigen und tüchtigen Menschen. Wir erinnern uns an die Israeliten in der Wüste. Jeden Morgen regnete es Manna vom Himmel. Wenn die Israeliten aber spät aufstanden, war das Manna schon geschmolzen. Und wenn sie ungehorsam waren und aus Bequemlichkeit Manna vom Vortag übrig behielten, freuten sich die Würmer. Wenn wir tatenlos sitzen bleiben, können wir auch nichts erwarten. Aber Gott segnet uns, wenn wir fleißig und tüchtig für ihn arbeiten. So wie  Gott Rut segnete, als sie von morgens bis abends fleißig arbeitete.

Des Weiteren gebrauchte Gott Ruts Liebe und ihre Beziehung zu Noomi, um sie zum Segen zu führen

Obwohl Rut so viele Vorzüge und lobenswerte Eigenschaften hatte, konnte sie damit nicht weit kommen. Ihre Aussicht auf ihre Zukunft war Folgende: Zum einen, Arbeiten und Noomi versorgen. Zum anderen, unter Gottes Obhut leben und dem Volk Israel angehören. Mehr konnte sie nicht erwarten. Aber Gott sah Rut und hatte einen viel größeren und bedeutenderen Plan. Er wollte sie zu Boas führen, ihrem Löser. Aber wie sollte das geschehen? Nicht einmal in ihren Träumen konnte sie es wagen einen so netten, angesehenen und gottesfürchtigen Israelit zu heiraten. Ein Mann, der sie so freundlich und liebevoll behandelte. Ein Mann, der an ihre Sicherheit, an ihren Durst und Hunger dachte. Ein Mann, der über ihre Herkunft hinwegsah und ihre Entscheidung respektierte. Ein toller Mann!! Aber zwischen ihr und Boas lag eine riesige Kluft. Wer oder was bildet also die Brücke zu Boas? Die Antwort finden wir in ihrer Beziehung zu Noomi. Alles, was Rut tat, tat sie für Noomi, aus Liebe zu ihr. Sie war ihr nach Bethlehem gefolgt, ging für sie arbeiten, brachte ihr von ihrem übrigen Essen mit und versorgte sie mit Gerste. Und dann lernte sie Boas kennen. Und wenn wir die Reaktion von Noomi betrachten, als sie von Rut hörte, dass sie auf Boas gestoßen war, fällt uns ihre Begeisterung und ihr Strahlen auf: „Gesegnet sei er vom HERRN, der seine Barmherzigkeit nicht abgewendet hat von den Lebendigen und von den Toten.“ Noomi jauchzte. Sie frohlockte und pries den HERRN. Sie freute sich und lobte Gottes Barmherzigkeit, während Rut über die plötzliche Begeisterung von Noomi nur ins Staunen geriet. Sie sah nur noch Fragezeichen. Rut hatte nicht die geringste Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Noomi erklärte: „Der Mann steht uns nahe; er gehört zu unsern Lösern.“ Der freundliche Mann, auf den Rut gestoßen war, stellte sich als Löser heraus, der später Rut heirate. Er war imstande sie zu lösen, weil er die finanziellen Mittel dazu hatte. Die wichtigste Voraussetzung aber war Folgende: Er war verwandt mit Noomis Mann. Ohne den Bezug zu Noomi wäre Boas also nur ein freundlicher Chef für sie gewesen. Aber Noomi stellte praktisch eine Verbindung her. Sie überbrückte die Kluft zwischen der armen moabitischen Witwe und dem angesehenen Besitzer des Feldes dar. Während Rut an jenem Tag Gnade und Segen in kleinen Dingen erfuhr und sich glücklich schätzte, erahnte Noomi schon die große Barmherzigkeit und den vollkommenen Segen, der auf sie wartete.

Gott gebrauchte hier also Ruts gute Eigenschaften wie ihren Fleiß. Und ebenso gebrauchte er ihre Liebe und ihre gute Beziehung zu Noomi, um sie zu segnen. Wie sieht es in unserem Leben aus?

Am Ende der Botschaft angekommen, kann ich nicht anders als Gott zu preisen und seinen Namen zu ehren. Welche Barmherzigkeit, welche Liebe und Fürsorge er uns Menschen erteilt, ist unbegreiflich. Vor ihm darf ich niederfallen und sagen: „Womit habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, dass du mir freundlich bist?“ Ich habe Gott nichts vorzuweisen, als dass ich eine schwere Sünderin bin. Doch in Jesus finde ich meinen persönlichen Erlöser, den ich von Herzen angenommen habe. Seitdem steht Gottes segnende und führende Hand immer über mir. Aus seiner Gnade darf ich leben und Tag für Tag seinen Segen erfahren. Ich danke Gott für seine Güte und Freundlichkeit, dass ich hier in dieser Gemeinde mit euch, die ihr Gott liebt,  für sein Werk zusammenarbeiten darf. Aufgrund des heutigen Abschnitts habe ich natürlich auch viel von Rut und Boas gelernt. An ihnen können wir uns alle ein Beispiel nehmen: Lasst uns wie Rut eine enge und liebevolle Beziehung zu Gott und unserem Hirten führen. Lasst uns wie Rut mit Fleiß und Mühe für den HERRN arbeiten. Lasst uns wie Rut eine dankbare und demütige Haltung haben. Lasst uns wie Boas nicht auf das Ansehen der Menschen achten. Lasst uns vielmehr unsere Mitmenschen aus geistlicher Perspektive sehen und sie für ihren persönlichen Glauben respektieren lernen. Und dann wird Gottes führende Hand über uns sein. Möge er uns mit seinem Segen überschütten.

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